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Neß: „Peine ist ein gutes Pflaster für Krimis“

Peine Neß: „Peine ist ein gutes Pflaster für Krimis“

Vöhrum. Der gebürtige Vöhrumer Carsten Neß ist hauptberuflich Landespfleger im beschaulichen Moseltal (Rheinland-Pfalz) und schreibt nebenberuflich Krimis. Im Jahr 2010 gewann der ehemalige Peiner Ratsgymnasiast einen Krimi-Wettbewerb der Lokalzeitung „Trierischer Volksfreund“.

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Der gebürtige Vöhrumer Krimi-Autor Carsten Neß spaziert bei seinen Heimatbesuchen immer wieder gerne durch die Peiner Stadt. Den Marktplatz sammt Bodenstedt-Denkmal findet der Landespfleger sehr gelungen.

Quelle: Christian Meyer

Mittlerweile hat der 51-jährige Neß bereits seinen dritten Krimi veröffentlicht. „Hunsrück Blues“ heißt der, und seine alte Heimat Vöhrum spielt in der Geschichte um den verschwundenen Liedtexter Chris Mayer eine wichtige Rolle.

Herr Neß, Millionen haben wieder geguckt, Sie als Krimi-Autor doch sicherlich auch: Wie fanden Sie den ARD-Tatort aus Bremen am Montagabend?

Gut. Er war schonmal von der Eröffnung her ganz spannend, weil er mit einer Szene eingestiegen ist, die sich erst so nach 2/3 des Films abspielt. Die Kameraführung war für einen Tatort sehr interessant. Aber was für mich das Wichtigste war: Ich wusste nach zehn Minuten noch nicht, wer der Mörder ist. Tatorte sind leider oft sehr einfach zu durchschauen.

Sie gucken trotzdem gerne.

Es ist ein schönes Ritual zum Ausklang des Wochenendes. Ich bin ein großer Fan des Polizeirufs 110 aus Brandenburg mit Kommissarin Olga Lenski. Ich hoffe, dass sich ihre Figur noch weiterentwickelt, ihre coole Art. Welche Figuren sich für mich allerdings abgenutzt haben, sind Lena Odenthal und Charlotte Lindholm. Was wäre ich froh, wenn die beiden mal wieder lachen würden.

Wäre Ihr Kommissar Christian Buhle nicht auch fernsehtauglich?

Unbedingt (lacht). Wenn Rheinland-Pfalz einen neuen Krimi-Helden bräuchte, wäre er in der Grenzregion Trier/Luxemburg hervorragend angesiedelt. Interessant macht ihn, dass er einen umgekehrten Weg geht. In seinem ersten Fall war er noch eine ziemlich gescheiterte Person. Er hat sich von Roman zu Roman immer mehr zu jemandem entwickelt, der das Leben wiederentdeckt. Das habe ich ganz bewusst gemacht, weil häufig die Kriminalbeamten einen anderen Weg gehen. Ein Tatort mit Buhle würde aber kein Buhle-Tatort, weil ich immer viel Wert darauf lege, dass wie bei der Kripo in der Realität im Team ermittelt wird.

Kommissar Christian Buhle lebt wie Sie in der Region Trier. In seinem neuesten Fall ermittelt er aber auch in Vöhrum und Eixe - in Ihrer alten Heimat.

Ist das nicht wunderbar?

Den Peinern wird es gefallen. Aber warum haben Sie ihn hergeholt?

Zunächst einmal wurde ich darauf von einem freien Journalisten aus Peine angesprochen. Aber es hat auch einen ganz praktischen Grund. Ich schreibe die Romane ja nebenberuflich und dafür bleiben mir nur die Wochenenden, Feierabende und Urlaub. Dann liegt es nah, dass ich mich in den Regionen bewege, die ich auch kenne, weil es die Recherchearbeit erleichtert. Ich möchte gut recherchierte Romane abliefern. Und wenn ich mich schon in dem Genre des Regionalkrimis bewege, möchte ich auch die Typen an Menschen widerspiegeln, die da leben. Aber ich distanziere mich ganz klar davon, irgendwelche Klischees aufzugreifen.

Ist das Peiner Land ein guter Schauplatz für Krimis?

Für mich auf jeden Fall. Es gibt die Fuhse-Niederung, Moorbereiche und den Eixer See, die Oase meiner Jugend. Auch das Altstadtviertel rund um die Straße Damm wäre für eine Krimi-Kulisse super geeignet.

Ein Krimi von einem Vöhrumer, der in seiner Heimat spielt: Wie fielen die Reaktionen von ehemaligen Schulfreunden, Verwandten und Bekannten aus?

Noch gab es sie gar nicht. Deshalb freue ich mich ja so auf die Lesungen in Vöhrum und Peine. Aber Reaktionen sind immer spannend. Ein Freund hat sich zum Beispiel mal bei mir „bedankt“, dass er eine Wochenend-Wanderung in der luxemburgischen Schweiz unternehmen musste. Seine Frau hatte kurz zuvor meinen ersten Krimi gelesen, der dort spielt.

Reale Orte, reale Gebäude: Was glauben Sie, warum treffen Regionalkrimis offenbar den Nerv der Leser?

Am Wiedererkennen der eigenen Region sind die Leute sehr interessiert. Wahrscheinlich steckt das Heimatgefühl in jedem doch mehr drin, als wir ahnen. Die Identifikation mit seinem eigenen Lebensraum ist wichtig.

In Ihren Büchern ist auffällig, dass Sie Orte und Stimmungen exakt beschreiben. Wer etwa mal am Eixer See spazieren gegangen ist und dann Ihren neuesten Krimi liest, der ist mittendrin. Können Sie eigentlich noch einen normalen Spaziergang machen oder haben Sie immer Stift und Zettel dabei, um sich etwas für Ihren nächsten Krimi zu notieren?

Ich habe das tatsächlich schon beobachtet, dass mir das völlig unbeschwerte Spazierengehen durch die Landschaft inzwischen schwer fällt. Andererseits nehme ich viele Sachen auch bewusster wahr. Stift und Zettel sollte ich mir vielleicht angewöhnen.

Es ist Ihr dritter Krimi innerhalb von fünf Jahren. Wie kriegen Sie das nebenberuflich hin?

Das ist nicht einfach - auch deshalb, weil ich während meiner beruflichen Tätigkeit schon Kopfarbeit mache, der Bereich unter der Großhirnrinde im Gehirn rotiert also den ganzen Tag und abends geht es weiter. Letztendlich hilft der Druck. Beim ersten Buch war es der Abgabetermin des Wettbewerbs.

In ihren Bücher steckt ja noch mehr Peine drin, als viele wissen. Ich hörte, Sie schreiben gerne im Esszimmer oder im kleinen Arbeitszimmer bei ihrer Schwester am Friedrich-Ebert-Platz, inmitten zahlreicher Karl-May-Bücher ihres Schwagers.

Familie, Haushalt, soziale Kontakte - zu Hause gibt es immer Sachen, die einen ablenken. Die Besuche in Peine, wo ich mich bei meiner Schwester dann im Esszimmer ausbreiten darf, habe ich in sehr guter Erinnerung. Es war außerordentlich fruchtbar. In einer wunderbaren Atmosphäre bin ich immer gut vorangekommen.

Donnerstag lesen Sie in der Krimistube in Peine und Freitag beim Heimat- und Kulturverein in Vöhrum aus ihrem neuesten Krimi: Lampenfieber?

Ich habe zwar schon rund 40 Lesungen hinter mir, aber Lampenfieber habe ich immer. Diese beiden Lesungen sind etwas ganz Besonderes, weil ich einige Leute kenne - und hoffentlich auch wiedererkenne (lacht). Dann will ich gerne auch Peine-Bezüge einbauen, möchte dabei aber auch nicht zu viel verraten. Ich spüre schon eine freudige Anspannung.

Wenn Sie schon mal wieder da sind - was darf bei einem Besuch in ihrer alten Heimat auf keinen Fall fehlen?

Natürlich ein Besuch meiner Familie. Und ich habe schon ein kleines Ritual. Ich gehe fast nie den gleichen Weg durch Vöhrum, um zu entdecken, was sich verändert hat. Manchmal schaue ich auch am Ratsgymnasium vorbei und esse ein Eis bei Bernauer. Dann denke ich an die gute alte Zeit.

Was liest ein Krimi-Autor eigentlich selber gerne? Über eine Buchempfehlung würden sich unsere Leser sicherlich freuen.

Ich habe viele skandinavische Krimis gelesen und bin begeistert vom Autorenpaar Sjöwall/Wahlöö. Aber es muss nicht immer ein Krimi sein. Ich habe das Hörbuch für mich entdeckt, da gab es jetzt einen Roman, der war so ein großes Vergnügen, dass ich ihn erst gelesen und dann sogar noch mal gehört habe: „Léon und Louise“ von Alex Capus. Es ist eine Liebesgeschichte, die durch die Kriegsgeschehnisse nie zur richtigen Entfaltung kommt. Es ist kein leichtes, aber ein schönes Buch.

Drei Fälle hat Ihr Kommissar Christian Buhle bereits gelöst. Wird es weitergehen?

Es ist wirklich alles offen. Ich habe mal gesagt, aller guten Dinge sind drei. Aber es hängt sicherlich auch von der Reaktion der Leser ab. Ich absolviere noch bis Ende des Jahres ein Sabbat-Jahr, war unter anderem in Neuseeland. Ein Buchprojekt habe ich tatsächlich schon im Kopf - ich würde gerne einen ganz normalen Roman schreiben. Ob es auch mit Buhle weitergeht? Ideen für Geschichten hätte ich zumindest genug.

Interview: Christian Meyer

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