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Mit der Zeitmaschine ins Mittelalter

PAZ-Hobby-Serie Mit der Zeitmaschine ins Mittelalter

Peine. Das Mittelalter wird meist beschrieben, als sei es ständig November und 6 Uhr früh.  Auf keinen Fall gelte das für die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts, haben die Peiner Carmen Richter (38) und Dirk Ackermann (37) recherchiert.

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Frönen in ihrer Freizeit dem Mittelalter: Carmen Richter und Dirk Ackermann mit Jamie-Nicklas.

Quelle: uj

Von „sonnigen Sommern und milden Wintern“, erzählen die beiden und müssen es wissen, denn an jedem zweiten Wochenende sind sie wie mit einer Zeitmaschine unterwegs in Mittelalter-Lager im Umkreis, versetzen sich gedanklich und tatsächlich in den Übergang vom Hoch- zum Spätmittelalter.

Bereits als Besucher faszinierten die Hausfrau und den Kaufhaus-Detektiv das Flair des Mittelaltermarktes, bei dem Sackpfeifenspiel das Marktgemurmel übertönt, wo edle Fräulein, stattliche Herren, fürstliche Ritter mit emsigen Knappen elegant flanieren, finsteres Gesindel, käufliche Soldaten und Weibsbilder herumlungern, die Schankstellen belagern und derbe Späße treiben. Als Tages-Besucher aus der Jetzt-Zeit fühlten sich die beiden falsch angezogen unter dem trefflich kostümierten Marktvolk aus der Zeit von vor ungefähr 1000 Jahren und ihr Entschluss verfestigte sich: „Da machen wir mit.“

Selbstbewusst schlossen sie sich keiner bestehenden Mittelalter-Gruppe an, sondern gründeten kurzerhand ihre eigene, um „unsere Vorstellungen durchsetzen zu können“: Als „Ex-Orbis Alius (lat. „aus der Anderswelt stammend“) - Freie Bauern zu Peyna“ mischen sie sich seither unter Adel und Ritterschaft. Als sogenannte „Freie“ Bauern, „weil diese Gruppe in Lagern selten vertreten ist und diese Leute damals sogar vermögender waren, als der Landadel“, sagt die „freie Bäuerin“, stolz.

In Bad Bodenteich kaufte sie sich ihr erstes Kleid, schneiderte nicht für ihren Bauern die Kleidung, sondern auch für ihren neunjährigen Sohn Jamie-Nicklas, der das Hobby seiner Eltern bereitwillig teilt.

Seitdem ist die Familie mit ihren zwei Mägden unterwegs, mit Zelten („wir können ja keinen Bauernhof mitnehmen“) und Steckbett. Gelagert wird wie vor knapp 1000 Jahren: mit Wassertrog und Waschschale, das „Besteck“ für den zeitgenössischen Brei ist ein schlichter Holzlöffel, zur Ruhe bettet man sich, „wenn man nichts mehr sieht“, und aus dem Wald wird an herumliegendem Holz herangeschafft, was sich als Stange, Stütze oder Regalbrett eignet.

„Man bekommt ein ganz neues Gefühl für die Natur“, sind sich die Zeitreisenden einig. Ohne Hektik und Handy sei man beispielsweise ein Teil des Ganzen, wenn morgens die große Stunde des kleinen Jamie kommt und sein lebensnotwendiges Fachgebiet anwendet: das Feuermachen durch Funkenschlagen aus Feuersteinen, denn ohne Feuer kein mittelalterlicher Luxus.

Außerdem habe der Sohn hier noch die Möglichkeit, mit anderen Kindern „wie früher draußen unbeschwert zu spielen“ freut sich die Mutter. Sie bedeckt übrigens ihre schicke Kurzhaar-Frisur züchtig mit einem exakt gebundenen Kopftuch.

Damals seien Frauen nämlich die üblicherweise lang getragenen Haare zur Strafe „beispielsweise für Ehebruch oder Unehrlichkeit“ abgeschnitten worden.

Wenn das Mittelalter für die bäuerliche Familie im September endet, beginnt die Putz- und Flickzeit: neue Gewänder nähen, die Ausrüstung pflegen und Pläne schmieden. Und wenn dann November ist und 6 Uhr früh, dann träumen sie von Lagerfeuer, Musik und dem Mittelalter im Sommer.

Aus der Jetzt-Zeit der Internet-Auftritt der mittelalterlichen Freien Peiner Bauern unter http://ex-orbis-allius.jimdo.com.

uj

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