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Messe in c-Moll in St.-Jakobi Peine

Spezial: Erstaufführung von Mozart-Messe Messe in c-Moll in St.-Jakobi Peine

Die Messe c-Moll (KV 427) gilt neben dem berühmten Requiem als die größte und schönste kirchenmusikalische Peine. Komposition von Wolfgang Amadeus Mozart. In der St.-Jakobi-Kirche Peine wird sie an diesem Sonntag zum ersten Mal in Deutschland in der vervollständigten Fassung des Bremer Musikforschers Dr. Benjamin-Gunnar Cohrs aufgeführt.

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St.-Jakobi-Kirche: Kantorei, Jugendkantorei, Göttinger Barockorchester und Solisten bei einem früheren Konzert.

Quelle: im/A

Das Konzert beginnt am Sonntag, 7. Oktober, um 18 Uhr. Die Kirchenkreiskantorei St. Jakobi und die Jugendkantorei Peine singen zusammen mit dem Göttinger Barockorchester unter der Leitung von Christof Pannes. Solisten sind Magdalene Harer (Sopran), Karin Gyllenhammar (Sopran), Henning Kaiser (Tenor) und Martin Backhaus (Bass).

Magdalene Harer hat 2010 ihr Gesangstudium mit Auszeichnung abgeschlossen und macht seitdem international Karriere. Ihr Repertoire reicht von der Renaissance über die großen Komponisten des Barock, der Klassik und der Romantik bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen. Die schwedische Sängerin Karin Gyllenhammar studierte zunächst in Piteå (Schweden). Im Jahr 2007 war sie Stipendiatin der Schwedischen Königlichen Musikalischen Akademie im Fach Barockgesang. 2010 schloss sie ihr Aufbaustudium im Bereich Barock- und Renaissancegesang an der Hochschule für Künste - Akademie für Alte Musik Bremen ab und geht seitdem einer regen Konzerttätigkeit nach. Der Tenor Henning Kaiser studierte Gesang an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Er hat sich insbesondere als Interpret der Passionen und Oratorien Johann Sebastian Bachs einen hervorragenden Ruf erworben. Darüber hinaus fühlt er sich auch dem Ensemblegesang verpflichtet.

Der Bassbariton Martin Backhaus deckt ein breites Spektrum ab. So singt er Renaissance-Musik im Huelgas-Ensemble, ist als Solist mit den großen Oratorien zu hören und liebt Liederabende - vor allem mit Werken von Schubert, Brahms und Mahler.

Mit der Schola Heidelberg widmet er sich dem Bereich Neue Musik, und auf der Opernbühne ist er im Moment vor allem in Lübeck mit speziell für Kinder eingerichteten Fassungen von der Entführung aus dem Serail, dem Fliegenden Holländer oder Hoffmanns Erzählungen zu erleben.

jti

Eintrittskarten für 25, 20, 15 und zehn Euro sind bei der Buchhandlung Gillmeister, bei der Firma Klawiter und an der Abendkasse erhältlich. Unter der Telefonnummer 05171/21343 können sie auch vorbestellt werden.

Interview mit Benjamin-Gunnar Cohrs

„Ich wollte Mozart mit Mozart komplettieren“

Am Sonntag wird die von Dr. Benjamin-Gunnar Cohrs vervollständigte Fassung von Mozarts C-Moll-Messe in St.-Jakobi aufgeführt. Die PAZ sprach mit dem renommierten Bremer Dirigenten und Musikwissenschaftler.

Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Ich habe als Kind eher gesungen, als ich sprechen konnte. Meine Mutter war so klug, meine Begabung zu fördern, was für sie als Allein-Erziehende nicht leicht war: Jugendmusikschule bezahlen, Instrumente, Noten… Außerdem bin ich groß geworden im Hamelner Kinderchor, in der Kantorei an der Marktkirche, in Schulchören und -orchestern – das prägt.

Wo liegt Ihr musikalischer Schwerpunkt?

Ich wollte schon Dirigent werden, seit Muttern mich im Kindesalter mit ins Sinfoniekonzert nahm. Ich habe dann Dirigieren und Musikwissenschaften studiert. Schwerpunkt meiner Tätigkeit als freier Künstler ist heute alles, was mit Vermittlung von Musik und Aufführungspraxis zu tun hat: Forschung und Aufbereitung der Resultate in Form von Aufsätzen und Vorträgen, Werktexten und Werk-Einführungen für Magazine, Rundfunk, CD-Firmen und Veranstalter, Noten-Ausgaben, Arrangements und dramaturgischer Beratung. Außerdem bin ich seit kurzem Editionsleiter einer neuen Bruckner-Gesamtausgabe. Ich dirigiere, wenn auch nur selten, lebe aber alle Musik-Interessen aus: Herrlich!

Was bringt einen Musiker dazu, sich nach gut 230 Jahren an ein Werk zu setzen, um es zu vervollständigen?

Die Lust am Ausprobieren, Gestalten und Arrangieren sowie der Wunsch, Werke so zu vermitteln, wie sie sich ein Komponist ungefähr gedacht hätte, wenn ihn nicht äußere Umstände an der Fertigstellung gehindert hätten – nicht zuletzt auch für meine eigene Musizierpraxis: Komplettierungen von Bruckners Neunter und Schuberts h-moll-Sinfonie, an deren Entstehung ich beteiligt war, habe ich auch dirigiert. Und im nächsten Jahr leite ich in London die Uraufführung meiner neu ergänzten Ausgabe von Mozarts Requiem.

Wie sind sie auf Mozarts Messe c-Moll gekommen? Was ist für Sie das besondere daran?

Im Zuge meiner Beschäftigung mit dem Requiem habe ich mich auch mit Komplettierungen und Quellen der Messe beschäftigt, die noch dazu das Pech hatte, wohl nur aus politischen Gründen unvollendet geblieben zu sein: Nach den Kirchenmusikreformen Josephs des Zweiten durfte zwischen 1783 und 1790 kaum ein österreichischer Komponist mehr größer besetzte Kirchenmusik schreiben. Die Fassung von Robert Levin (2004) hat mich geärgert: über 500 Takte Eigen-Komposition (fast 25 Minuten mehr Musik), verkauft als „auf Skizzen Mozarts beruhend“, von denen aber nur etwa 50 Takte verwertbar sind – ein abendfüllendes Frankenstein-Monster, von dem viele Chorleiter nach einer Aufführung die Finger lassen, weil es für den Chor kaum singbar und auch noch schlecht textiert ist. Ich wollte es besser machen…

Christof Pannes sagt, Ihre Fassung von der Messe sei für ihn die überzeugendste. Wie sind Sie bei Ihrer Arbeit vorgegangen? Haben Sie sich nur auf die Musik konzentriert oder auch auf den Menschen Mozart?

Ein Komponist drückt sich ja auch als Mensch vor allem in seiner Musik aus – also nur auf die Musik, natürlich unter der Prämisse, so viel wie möglich über Mozart in Erfahrung zu bringen und dies Wissen für die Arbeit zu nutzen. Grundsätzlich wollte ich Mozart mit Mozart komplettieren und suchte nach Werken, in denen er ursprünglich für die Messe Geplantes später verwertet haben könnte. Fündig wurde ich in der Kantate Davide Penetente, einer weltlichen Bearbeitung von Kyrie und Gloria der Messe, wobei Mozart zwei Arien und eine Solo-Kadenz hinzufügte, von denen eine Arie sich als Crucifixus und Resurrexit textieren ließ. Und für das Agnus Dei vermute ich die Maurerische Trauermusik, die in c-moll steht und als Cantus Firmus ausgerechnet die Melodie verwendet, zu der wir noch heute auch in der protestantischen Liturgie singen „Christe Du Lamm Gottes“… Ich habe selbst praktisch nichts hinzukomponiert; es ist nur ein Arrangement. Das macht vielleicht den besonderen Reiz aus.

Wie lange haben Sie für die Arbeit gebraucht?

Alles in allem fast zehn Jahre.

Was für ein Mensch war Mozart, und was verbindet Sie mit ihm?

Was für ein Mensch Mozart war, können wir nur aus Biographien erahnen – zum Beispiel dem vorzüglichen Buch von Martin Geck. Eine persönliche Verbindung mit ihm sehen zu wollen – außer vielleicht seiner Liebe zum Menschen und der Musik, und seiner Lust auf Neues – wäre angesichts seines unerreichbaren Genies anmaßend.

Gibt es einen musikalischen Traum, den sie sich verwirklichen wollen?

Alle Werke Bruckners nicht nur neu herauszugeben, sondern auch seine Sinfonien und Chorwerke mit historischen Instrumenten der Originalzeit selbst aufzuführen. Und der Wunsch, noch einige Werke im Leben dirigieren zu dürfen, an denen mir ganz besonders liegt – einiges von englischen Komponisten wie Bax, Delius, Elgar, Holst, Vaughan-Williams, Manches von Brahms, Debussy, Dvorak, Grieg, Haydn, Mahler, Malipiero, Martinu, Mozart, Schubert, Ravel, Respighi und Sibelius.

Wie ist der Kontakt zu Peine zustande gekommen? Kennen Sie die Stadt?

Ich war noch nie in Peine, aber umso mehr freue ich mich auf Christofs Konzert.

Interview: Jan Tiemann

Zur Person

Benjamin-Gunnar Cohrs

Dr. Benjamin-Gunnar Cohrs wurde am 21. September 1965 in Hameln geboren. Neben der Schulausbildung am Gymnasium besuchte er die Jugendmusikschule Hameln (Blockflöten, Querflöte, Klavier, Tonsatz, Gehörbildung, Chorgesang) und war Mitglied der Kantorei an der Marktkirche. Im Alter von 19 Jahren gründete er das Jugendstreichorchester Hameln, das bis 1990 unter seiner Leitung etwa 50 Werke aufführte. Am 6. November 2000 bestritt Cohrs mit dem Russischen National Orchester sein internationales Konzert-Debüt als Dirigent. Er lebt mittlerweile in Bremen und arbeitet als Dirigent. Musikforscher und Publizist . Seit 1995 ist Cohrs Mit-Herausgeber der Bruckner-Gesamtausgabe in Wien. Seit 2012 ist Cohrs Editionsleiter der Anton Bruckner Edition Wien, der neuen kritischen Gesamtausgabe des Musikverlags Alexander Herrmann. Bekannt wurde er insbesondere durch seine Mitarbeit an der Aufführungsfassung des unvollendeten Finales von Bruckners Neunter im Herausgeber-Team von Nicola Samale. Überdies hat er neue Aufführungsfassungen von Schuberts Unvollendeter sowie von Mozarts c-moll-Messe und Requiem erarbeitet.

www.benjamingunnarcohrs.com

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