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Kurioser Bankraub: Gericht schickt 56-jährige Peinerin in die Psychiatrie

Peine Kurioser Bankraub: Gericht schickt 56-jährige Peinerin in die Psychiatrie

Peine. Die 56-jährige Peinerin, die im Oktober 2013 die Kreissparkassen-Filiale an der Feldstraße mit einem Spielzeugrevolver überfallen und dabei 6000 Euro erbeutet hatte, muss in eine psychiatrische Klinik.

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Im Gerichtssaal: Die 56-jährige Peinerin versteckte sich hinter einem Papphefter. Links: Ihr Verteidiger Christian Brand.

Quelle: bar

Die Frau leide an einer sogenannten schizo-affektiven Psychose und sei nicht schuldfähig, hieß es gestern beim Prozess am Landgericht Hildesheim. Die Täterin selbst sah sich dagegen „als Teil einer Inszenierung“. Dass sie die zehn Kunden und Angestellten mit dem echt aussehenden Spielzeugrevolver bedrohte sowie in Angst und Schrecken versetzt habe soll, kann sie bis heute kaum glauben. Denn in ihrer Vorstellung waren alle Statisten, verkleidete Polizisten und Mitspieler im Konstrukt ihrer Vorstellungen. Die Tat beging sie im Anschluss an ein Beratungsgespräch. „Das ist kein Witz“ soll die 56-Jährige damals gerufen haben. Sie forderte die Anwesenden auf, sich auf den Boden zu legen. Wer flüchte, werde von ihrem Komplizen erschossen. Der Kassierer händigte der Frau knapp 6000 Euro aus, die sie in einen Rucksack steckte. Dann verschwand sie kurze Zeit auf der Toilette. Danach verließ sie die Bank, flüchtete mit ihrem Auto und lieferte das Geld anschließend bei der Polizei ab.

Zuerst wollte die Angeklagte vor Gericht gar nicht aussagen. Man werde ihr sowieso nicht glauben, sie als psychotisch abstempeln. Doch das behutsame Zureden der Vorsitzenden Richterin Karin Brönstrup half.

Den Bankraub habe sie auf ihrem Computer angekündigt, die Polizei sei vorbereitet gewesen. Eigentlich hatte sie Polizei und Presse schon erwartet, als sie in der Sparkasse von der Toilette kam.

Die Frau leide an einer Psychose und sei nicht schuldfähig, sagte Gutachter Detlev Pfender. Da sie selbst nicht an ihre Krankheit glaube, die medikamentöse Behandlung bisher auch wenig Wirkung zeige, wären in Freiheit weitere Straftaten zu erwarten.

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INFO

Löste Mord an Markus Wachtel die Psychose bei Peinerin aus?

Die 56-Jährige gab dem Gericht tiefe Einblicke in ihre wirre Gedankenwelt. Ihren ersten psychotischen Schub und Klinikaufenthalt hatte sie bereits 1998. Neben privaten Problemen soll er auch durch den grausigen Mord an dem damals 13-jährigen Markus Wachtel in Peine ausgelöst worden sein. Der Junge war ein Freund ihrer Söhne und angeblich noch kurz vor seinem Verschwinden bei der Familie vorbeigekommen. Die Fragen, ob sie seinen Tod hätte verhindern können, oder ob es auch einen ihrer Söhne hätte treffen können, ließen die Frau nicht mehr los. An der Täterschaft eines drei Jahre später verurteilten 19-Jährigen gab es Zweifel, und die Angeklagte entwickelte eigene Vorstellungen über die Schuldigen. Nach dem Klinikaufenthalt fühlte sie sich geheilt, war es aber offenbar nicht. Nachdem sie im Sommer 2012 ihre Medikamente abgesetzt hatte, schienen sich ihre Ängste zu einem für die 56-Jährige schlüssigen Bild zu fügen. Sie sah sich als Teil eines Spieles, durch das sie getestet werden sollte. Auf ihrem Computer und Handy werde mitgelesen, ihr Auto geortet, selbst ihre Sprache abgehört. Beobachtungen deutete sie als Zeichen: Lieder im Radio, Autokennzeichen, ein Hubschrauber, in all das las sie Handlungsaufforderungen hinein. Die ganze Inszenierung, so stellte es die Angeklagte dar, sollte irgendwann in einen Film münden zur Erinnerung an die ermordeten Kinder und zum Trost der Angehörigen. Dass der Bankberater den gleichen Nachnamen hatte wie einer der Mordermittler von 1998, auch das schien ihr ein Zeichen.

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