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Künstliche Befruchtung statt Erzeugerabfüllung

Forum Peine Künstliche Befruchtung statt Erzeugerabfüllung

Er ist die Horrorvision am Gartenzaun, die unerträgliche Nervensäge auf der Familienfeier, der geistige Brechreiz-Erreger in der Firma oder am Kneipentresen: Heinz Becker, deutscher Diplom-Spießer und TV-Serienliebling.

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So schön spießig kennt man ihn: Heinz Becker mit kariertem Hemd.

Quelle: cb

Peine . Als Heinz Beckers geistiger Vater und gleichzeitig als personifizierter Störfaktor des gutmenschlichen Empfindens fungiert Kabarettist Gerd Dudenhöffer – und dies im knapp ausverkauften Forum vor der stets gruselbereiten Zielgruppe.

Ausgehend von der Gummidichtung seines Wäschetrockners schlägt er den Haken in die „Demenzionen“ der Wirtschaftskrise, erläutert den „Domina-Effekt“ der Bankenpleiten – „dann wissen die auch mal, wie es ist, wenn man kein Geld hat“. Die „Armutsgrenze“ zieht er um die Wohngebiete jener, die „arm geworden sind“.
Dudenhöffer ist ohne Zweifel ein Sachkenner, dessen Held Heinz Becker schon vor mehr als 20 Jahren an chronischer Verbal-Diarrhoe erkrankt ist und dies einfach nicht merkt.

Im Gegenteil: Mit seiner bizarren Logik komprimiert er die Welt auf die Größe der Sitzfläche seines Gartenstuhls. Respekt: Und den drückt er selbst und mit seinen bürgerlichen Schmalspur-Erkenntnissen, dass das Publikum nur so gluckst.

Und Dudenhöffer treibt mit ihm ein wahrhaft finsteres Spiel aus Stammtisch-Erkenntnissen und Nachbarschaftsklatsch, auf dem der arglose Zuhörer auf dem Glatteis der Vorurteile durchaus auch mal schmerzhaft Schleudern kommt. Beim spontanen Applaus zum Stichwort „Mauer“ und „Renovierung“ beispielsweise, wo man plötzlich ein geflüstertes „so Unrecht hat er nicht“ aus dem Parkett vernimmt.

Und dann der Feldzug gegen „dunkelhäutige Nichtdeutsche“, die auf dem „Vormarsch“ seien. Frauen dagegen erkenne man als andere Menschen besonders an der Frisur. Und noch abweichender seien jene Ausländer aus dem kubanischen Ausbildungslager „Guantanamera“, für die, müsse man sie notgedrungen aus deutscher Gastfreundschaft aufnehmen, wohl Zwinger angebaut werden müssten.

Apropos Zwinger: Vom deutschen Schäferhund namens „Bdolf“ – „nennt man ihn Adolf, muss man zum Hundetraining zum Verfassungsschutz“ – kommt er via Kondome auf „künstliche Befruchtung statt „Erzeugerabfüllung“ und von dort folgerichtig auf „Stellungen aus dem Kamikaze“ („Wie soll man da denn treffen?!“). Das Publikum kriegt sich kaum noch ein, während es Dudenhöffer, stoisch auf seinem Gartenstuhl sitzend und gelegentlich an seinen Hosenbeinen zupfend, an der kurzen Leine hält und ihm Wort für Wort Vorurteil um Vorurteil um die Ohren haut.

Er ist einfach brillant in Gestik, Mimik und Diktion und zwingt zuweilen weniger hart gesottene Zeitgenossen zum Ohren zu halten. Nach gut zwei Stunden hat der Extrem-Spießer seine kleinbürgerliche Jauchekuhle komplett durchlüftet und das Publikum schnappt nach Luft. Vor Lachen.

Ulrich Jaschek

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