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Kriminelle Clans: Straftaten auch in Peine

Kreis Peine Kriminelle Clans: Straftaten auch in Peine

Kreis Peine. Spannende Neuigkeiten rund um die kriminellen arabischen Familien-Clans über die der NDR in seiner Sendung „Panorama3“ und auch die PAZ in ihrer gestrigen Ausgabe berichtet haben: Mitglieder dieser Clans haben auch im Peiner Land Straftaten verübt. Deshalb wird gegen sie ermittelt, und das niedersächsische Landeskriminalamt (LKA) hat ein wachsames Auge auf diese Familien. Das bestätigte gestern LKA-Sprecher Frank Federau.

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Der ehemalige Richter Ulrich Pohl sprach im sogenannten Sarstedter Ampelmord-Prozess das Urteil und steht seitdem unter Polizeischutz.

Quelle: rb

„Das Phänomen beobachten wir landesweit, es ist aber in ganz Deutschland ein Thema“, sagte Federau. Die Clans, die ursprünglich aus Südost-Anatolien stammen, sind häufig über den Libanon nach Deutschland gekommen. Hier halten sie ihre starken Familienstrukturen aufrecht - „und erkennen das deutsche Rechtssystem nicht an“, erklärte Federau. Und genau das sei das Problem: „Dem begegnen wir mit Null-Toleranz“, bekräftigte der LKA-Sprecher.

Federau betonte, dass Peine kein Schwerpunkt der Clans sei. Einige Ableger lebten hier aber und sie seien aktiv. Charakteristisch für die Clans sei, „dass sie sich komplett abschotten, nicht mit den Behörden kooperieren und versuchen, Vertreter des Staates einzuschüchtern“.

Das kann der ehemalige Richter Ulrich Pohl bestätigen, der umfassend in dem Fernsehbeitrag zu Wort kam. Bis zu seiner Pensionierung war Pohl beim Hildesheimer Landgericht auch für Fälle im Peiner Land zuständig. Er sprach das Urteil im sogenannten Sarstedter Ampelmord-Prozess (siehe Info-Kasten). Auch hier stammten die Täter aus einem der arabischen Clans. Die persönliche Konsequenz für den Richter im Ruhestand: „Ich stehe bis heute unter Polizeischutz.“

Bezeichnend während des Prozesses sei gewesen, dass Zeugen offenbar bedrängt wurden, Aussagen zurückzuziehen oder besser erst gar keine zu machen. Eskaliert war die Situation, als Pohl das Urteil gesprochen hatte: lebenslang für den Haupttäter. Noch im Gerichtssaal hatten Angehörige Drohungen gegen ihn und den Staatsanwalt ausgesprochen. „Es soll ganz gezielt Angst verbreitet werden, ob das wirklich gelingt, kann ich nicht sagen“, erklärte Pohl.

Der Richter hatte in seiner Urteilsbegründung scharfe Worte für die Großfamilie des Angeklagten gefunden: Sie akzeptiere den Rechtsstaat nicht und verhöhne die Justiz. Pohl sagte, dass die Familie in Hildesheim rund 80 bis 100Mitglieder habe. „Ich will aber nicht den ganzen Clan verdammen, weil ich nur diejenigen kenne, mit denen die Justiz Ärger hatte“, sagte er. Verbindungen des Clans ins Peiner Land seien nicht bekannt.

 rd

Info

Der Sarstedter Ampelmord

Am Neujahrstag 2012 starb in Sarstedt an einer Ampel ein 35-jähriger Syrer im Kugelhagel. Zehn Patronenhülsen finden die Ermittler später auf dem Asphalt. Schnell deutet sich an, es hat sich offenbar um Blutrache gehandelt. Bald wird einer der Täter gefasst. Der Syrer hatte eine Affäre mit dessen Frau. Als zweiter Täter wird der Schwager des Todesschützen gesucht. Er bleibt bis heute untergetaucht. Richter Ulrich Pohl hatte den Täter zu lebenslanger Haft verurteilt. Noch im Gerichtssaal kam es zu Tumulten. Die Mutter des Angeklagten versucht, die Absperrung zwischen Zuschauerraum und Pressebänken zu überwinden. Sie muss von Justizbeamten gestoppt werden. Pohl musste unter Polizeischutz aus dem Gerichtsgebäude gebracht werden. Weil sich die Situation nicht beruhigte, rückte seinerzeit sogar eine Hundertschaft Polizei an. Pohl erklärte, in seiner ganzen Amtszeit sei er noch nie von so vielen verängstigten Zeugen angerufen worden.

rd

Nourkhiz: „Familien-Clans leben in Peine sehr zurückgezogen“

Peine. Peines Integrationsbeauftragte Banafsheh Nourkhiz bestätigt, dass es in der Stadt einige arabische Familien-Clans gibt, die sehr zurückgezogen leben und patriarachische Familienstrukturen pflegen. Ob es sich um Mitglieder der vom LKA überwachten Familien handelt, ist aber unklar.

„Fest steht, dass diese Familien sehr abgeschottet nach eigenen Regeln leben“, sagte Nourkhiz. Auffällig sei, dass die Familien ihre dörflichen Strukturen beibehalten hätten. Es gibt ein Familienoberhaupt, der das Sagen hat.

Nach außen fallen die Familien kaum auf. „Die Frauen tragen kein Kopftuch, auch wenn die Familien tief religiös sind“, sagte sie. Kritisch zu bewerten sei aber ihre patriarchaische Struktur und dass sie sich vom gesellschaftlichen Leben in ihrer Umgebung abschotten.

Banafsheh Nourkhiz ist seit Dezember in Peine tätig. „Ich habe zunächst gar nicht gewusst, dass es hier solche Strukturen gibt“, sagte sie. Erst in ihrer Netzwerk-Arbeit habe sie erste Kontakte zu Mitgliedern der Familien geknüpft, die sie nun vertiefen will. „Ich gehe auf jeden zu“, bekräftigte sie. Ob ihr Engagement gewürdigt werde, könne sie noch nicht abschätzen.

In der türkischen Gemeinde in der Peiner Südstadt fallen die Clans ebenfalls nicht auf. Der Vorsitzende des Türkischen Kulturvereins, Deniz Saray, hat keinen Kontakt zu den Familien. „Ich kenne allerdings einige Familien, die aus der gleichen Region kommen. Diese Menschen sind in Peine gut integriert und ich treffe sie in der Moschee, im Café oder in der Kneipe“, sagte er.

rd

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