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Kreislandwirt: „Minister ist fachlich auf dem Holzweg“

Peine Kreislandwirt: „Minister ist fachlich auf dem Holzweg“

Kreis Peine. Verärgert reagiert Peines Kreislandwirt Wilfried Henties auf das PAZ-Interview mit dem niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne). Das Ministerium reagiert darauf.

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Kreislandwirt Wilfried Henties (kl. Bild) greift den niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer an.

Quelle: dpa / Thorsten Pifan

„Seine Äußerungen zu landwirtschaftlichen Themen zeigen, dass der Minister fachlich vielfach auf dem Holzweg ist“, sagt Henties und greift den Minister heftig an.

Der Kreislandwirt nimmt Bezug auf die Forderung von Meyer nach einer europaweiten Mengen-Anpassung in der Milchwirtschaft, um den ruinösen Preisverfall zu stoppen. „Wir wollen an den Märkten teilnehmen“, betonte Henties - auch in Absprache mit den großen Peiner Milchbauern. Denn Milch werde nicht nur in Europa produziert. Die Landwirte hätten lange den Fall der Milchquote gefordert. Zurzeit gebe es im Kreis Peine noch 26 Milchviehhalter. Henties schätzt, dass in den kommenden zehn Jahren mehr als die Hälfte die Betriebe schließen werde - weil sich nur noch moderne Viehhaltung lohne. Diese sei auch artgerecht, schließlich sollten die Kühe möglichst gesund sein und viel Milch produzieren.

Henties kritisiert vor allem die Kampagnen, die Meyer immer wieder gegen konventionelle Landwirte fahre. „Das demotiviert den Nachwuchs in den Familienbetrieben, zuletzt ist das auch ein Beitrag zum Höfesterben“, sagte der Kreislandwirt. Im Interview habe Meyer auf eine Mehrheit in Niedersachsen verwiesen, die sich mehr Tier- und Umweltschutz in der Landwirtschaft wünsche, was auf eine ökologische Landwirtschaft hinausliefe. Dazu sagt Henties: „Wir können nur produzieren, was wir auch verkaufen können. Aber 75 Prozent des Lebensmittelmarktes beherrschen die großen Discounter mit ihren Töchter-Firmen.“

Auch die von Meyer geforderte Pachtpreisbremse für landwirtschaftliche Flächen zeuge von der „Inkompetenz“ des Ministers. „In Niedersachsen gibt es kaum Probleme mit Investoren, die sich einkaufen wollen“, sagte Henties, der auch Vorsitzender des hiesigen Grundstücksverkehrsausschusses ist. Die Flächen seien hierzulande für Spekulanten viel zu klein.

Ministerium weist die Angriffe deutlich zurück

Das Landwirtschaftsministerium weist die Kritik des Kreislandwirts zurück. Dass Agrarminister Christian Meyer „Kampagnen gegen konventionelle Landwirte“ fahre, entbehre jeder Grundlage. Im Gegenteil kämpfe er „gerade in der Milchkrise für die durch die viel zu niedrigen Erzeugerpreise in ihrer Existenz bedrohten Betriebe und möchte die Wertschätzung für Lebensmittel, egal ob bio oder konventionell, deutlich erhöhen“.

Zum Thema Milch heißt es in einer Stellungnahme des Ministeriums: „Hier ist Konsens, dass wir auf europäischer Ebene eine Mengen-Reduzierung brauchen, da zu viel Milch auf dem Markt die Preise verdirbt. Jetzt zu fordern, die Hälfte der Milchviehbetriebe müsse vom Markt verschwinden, weil diese zu klein und unmodern sind, hält die Landesregierung für falsch und verheerend für den ländlichen Raum. Wenn man auf den Märkten nicht faire Rahmenbedingungen für die Milcherzeuger schafft, wird es ein großes Höfesterben geben.“ Minister Meyer teile die Auffassung der Milchbauern in den Kreislandvolkverbänden Friesland und Wesermarsch: Sie hätten sich – in geheimer Abstimmung zu Lösungen befragt – für eine entschädigungslose Mengen-Herausnahme auf europäischer Ebene ausgesprochen. Mittlerweile hätten auch die EU-Agrarminister Maßnahmen für eine Mengen-Reduktion eingeleitet und somit die Forderungen der Bundesländer nach einer dringend notwendigen Mengen-Anpassung teilweise aufgegriffen, um ein Höfesterben zu verhindern.

Weiter heißt es: „Die Forderung von Minister Meyer, dass Landwirte mehr finanzielle Anreize im Sinne des Tier- und Umweltschutzes bekommen sollen, hat nichts mit dem ökologischen Landbau zu tun. Es geht vielmehr darum, Leistungen konventionell wirtschaftender Bauern etwa für mehr Tierschutz auch zu honorieren und staatliche Subventionen stärker an ökologische Vorgaben zu binden. Bei der Ringelschwanzprämie zum Beispiel machen überwiegend konventionelle Schweinehalter mit. Ebenso ist ein Boom in Niedersachsen etwa bei der konventionellen Freilandhaltung von Legehennen zu beobachten.“ Bezüglich Pachtpreisbremse und Grundstücksverkehrsrecht teilt das Ministerium mit: „Dieses Vorhaben wird von vielen Landwirten seit Jahren gefordert. Schon jetzt wird rund ein Drittel der landwirtschaftlichen Flächen an Nicht-Landwirte verkauft. Mehr als die Hälfte der Agrarflächen in Niedersachsen gehört nicht dem bewirtschaftenden Betrieb. Das neue Gesetz soll örtliche Landwirte beim Flächenkauf privilegieren oder stärken. Was daran falsch sein soll, erschließt sich nicht. Gemeinsames Ziel in ganz Niedersachsen muss es sein, dass Bauernland in Bauernhand bleibt.“

von Thorsten Pifan

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