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Knorpelige Entenfüße und Kapitalismus pur

Das aktuelle Interview Knorpelige Entenfüße und Kapitalismus pur

Politisch heftig umstritten war die Reise einer Peiner Delegation in die chinesische Metropole Nanchang. Hat sich die Reise gelohnt? Was haben die Peiner erlebt? Was sind die Ergebnisse? Und wie schmeckte das Essen? Fragen von Thomas Kröger (PAZ) an den Peiner Bürgermeister, Michael Kessler (SPD).

I m Vorfeld der China-Reise wurde im Landkreis Peine heftig darüber diskutiert, ob man mit einem Staat, der Menschenrechtsverletzungen begeht, eine Partnerschaft eingehen darf. Wie stehen Sie zu diesem Thema?

Ich respektiere diese Ansicht, halte sie aber für falsch. Jeglicher Kontakt mit dem Westen schleift die Dominanz der kommunistischen Alleinherrschaft, die mit einem Meinungs-Monopol gekoppelt ist.

Schon jetzt sind Internet-Kontakte nicht mehr vollständig zu kontrollieren, schon jetzt führen Tausende Begegnungen zu einer Aufweichung der vorgegebenen offiziellen Meinung, und auch unser Schüleraustausch wird dazu beitragen, dass junge Chinesen die westliche Welt kennen- und schätzenlernen . Nur so kann es gehen.

Eine Isolation nützt dem chinesischen Volk gar nichts und führt nur zur Verhärtung der Strukturen. Wandel durch Annäherung ist die Devise.

Kritiker sprechen von einer reinen „Lustreise“ der Teilnehmer. War es eine „Vergnügungsreise“ für Sie, auch wenn der Landkreis die Reise bezahlt hat?

Ob Stadt oder Landkreis – Steuergeld ist es in jedem Fall, insofern muss man diese Frage ernst nehmen. Man kann solche Partnerschaften nicht ohne gegenseitige Besuche in die Wege leiten.

Und der Landrat kann auch nicht allein reisen – zum Einen, weil dies international absolut unüblich ist und zum Zweiten, weil die Einschätzung einer Situation von mehreren, auch von mehreren politischen Strömungen begleitet sein sollte.

Zudem werden in jeder Kommune jährlich Tausende Euros für bestehende Partnerschaften ausgegeben. Warum also nicht für China? Der Kontakt mit dieser fremden Kultur ist in hohem Maße anregend, und zur größten Nation der Welt sollte auch unsere Jugend Kontakt bekommen.

Was immer man unter einer „Lustreise“ versteht – Freizeit gab es auf dieser Reise nicht bis auf wenige Stunden in Shanghai, ansonsten war Programm rund um die Uhr. Für mich war es aber durchaus eine „Lust“, an diesen Gesprächen und Verhandlungen teilnehmen zu dürfen und einen tiefen Einblick in das Land gewinnen zu können.

Natürlich ist es ein Privileg, an einer solchen Reise teilzunehmen und die Strapazen – wir haben immerhin 30 Stunden gebraucht, um von Peine nach Nanchang zu kommen – vergisst man dann.

Hat sich die Reise also gelohnt?

Ich denke schon. Wir haben uns Mühe gegeben, möglichst viel für den Landkreis herauszuholen, und hier muss ich Landrat Franz Einhaus loben – er hat als Delegationsleiter die Chance insbesondere gegenüber dem Parteichef von Nanchang sehr geschickt genutzt, die zunächst allgemein gehaltenen Aussagen in konkrete Zusagen umzumünzen. Jetzt müssen wir schauen, ob die Chinesen sich an die Vereinbarungen halten.

Wie bewerten Sie die wirtschaftliche und politische Entwicklung in China?

In China spielt sich derzeit das spannendste gesellschaftspolitische Experiment ab, das es auf unserem Globus gibt: Die klassisch kommunistische Alleinherrschaft öffnet sich gegenüber dem freien kapitalistischen Markt. Bislang Unvereinbares wird kombiniert. Wer Shanghai erlebt hat, weiß, dass es Kapitalismus pur gibt – und das in einem kommunistischen Staat!

China erlebt eine Modernisierung im Zeitraffer. Nanchang beispielsweise hat in den vergangenen neun Jahren ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 20 Prozent gehabt – das ist auch für chinesische Verhältnisse außergewöhnlich. Nanchang ist eine Metropole mit mehr als 4,5 Millionen Einwohnern, die in ihrer Planung weit vorausdenkt und offensichtlich eine Modellstadt in China ist. Vermutlich erhält sie für diese ehrgeizigen Projekte Staatsgeld.

Doch ohne, dass wir dies sehen konnten, besteht offenbar ein starkes Stadt-Land-Gefälle. Auf dem Land ist nach allem was man hört, Armut noch stark verbreitet.

Eine persönlich Frage zum Schluss: Sind Sie eigentlich mit dem chinesischen Essen klarge- kommen?

Im Großen und Ganzen ja. Die Chinesen verwerten die Tiere allerdings kompletter als wir und lieben Fett und Knorpel. Auf knorpeligen Entenfüßen können sie stundenlang genussvoll herumkauen.

Eine angebliche Delikatesse wie Seegurke ist mindestens von der Konsistenz her im Mund gewöhnungsbedürftig und unsere Hunde, die genauso wie Esel dort durchaus auf der Speisekarte auftauchen, betrachte ich nach der Reise unter anderen Gesichtspunkten.

tk

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