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Kessler: „Jetzt freue ich mich auf die freie Zeit“

Interview zum Abschied Kessler: „Jetzt freue ich mich auf die freie Zeit“

Peine. Jetzt heißt es Abschied nehmen: Nach zehn Jahren im Dienst endet am Freitag die Amtszeit von Bürgermeister Michael Kessler (67). Damit geht in Peine eine besondere politische Ära zu Ende. Kessler war nicht nur äußerst erfolgreich mit seinen Projekten wie Integration, Gewerbe-Ansiedlungen oder dem Lindenquartier - er war auch außergewöhnlich beliebt.

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Im Interview: Michael Kessler sprach über seine Zeit als Peiner Bürgermeister und politische Meilensteine der vergangenen zehn Jahre.

Quelle: Isabell Massel

Im PAZ-Interview spricht der SPD-Politiker über politische Meilensteine, seine Pläne für den Ruhestand und verrät, mit wem er jetzt mehr Zeit verbringen will.

Herr Kessler, Sie waren zehn Jahre Bürgermeister der Stadt Peine. Wie fühlt es sich an, jetzt Ihr Büro zu räumen?

Nach dieser Zeit den Bürgermeisterstuhl zu verlassen, ist naturgemäß mit einem weinenden und lachenden Auge verbunden. Ich verlasse einerseits einen sehr interessanten Beruf und andererseits freue ich mich darüber, dass ich in Zukunft die Zeit doch freier gestalten kann. Ich werde nicht mehr so sehr von dem bisher straff durchorganisierten Tagesablauf abhängig sein.

Was werden Sie vermissen?

Als Bürgermeister habe ich Zugang zu vielen Themen, Informationen, Erkenntnissen und Gestaltungsmöglichkeiten, das ist schon sehr spannend. Das fällt nun von heute auf morgen weg - was sicher gewöhnungsbedürftig ist.

Welche Pläne haben Sie für den Ruhestand?

Ich freue mich darauf, dass ich mit meiner Frau mehr spontan verreisen kann und darauf, dass ich Bücher vielleicht nicht mehr nur kaufe, sondern auch zu Ende lese (lacht). Und ich freue mich natürlich auch sehr darauf, meine kleine Enkelin intensiver beim Großwerden in Berlin zu beobachten und zu begleiten. Wichtig ist mir auch, den Kontakt zu privaten Freunden, der während der Amtszeit doch sehr zurückgestellt werden musste, wieder zu intensivieren.

Werden Sie sich in irgendeiner Form weiter für Peine engagieren?

Man sollte sich als ehemaliger Bürgermeister aus dem politischen Tagesgeschäft zurückziehen und sich auch zurückhalten. Es kann Ausnahmen geben, wenn die eigene frühere Politik beleuchtet wird. Ein neuer Bürgermeister muss aber frei sein in seiner Gestaltung. Mich in ehrenamtlicher Form zu engagieren, schließe ich nicht aus. Dennoch möchte ich erst einmal eine Pause machen und abwarten, wie die Zeit auf mich wirkt.

Integration war Ihnen schon immer wichtig und ein Kernthema Ihrer politischen Arbeit. Waren Sie erfolgreich?

Ob ich erfolgreich war, vermögen andere besser zu beurteilen, aber ich hoffe, dass ich einen Anstoß gegeben habe, der in dieser Frage etwas ins Rollen gebracht hat.

Sie hatten einen guten Draht zu den Moschee-Gemeinden in der Peiner Südstadt. Wie ist es Ihnen gelungen, dort das Vertrauen zu gewinnen und eine Brücke zu bauen?

Es begann damit, dass vor zehn Jahren die türkisch-stämmige Bevölkerung in der Peiner Südstadt sehr dominant war. Um diese Mitbürger zu erreichen, erschien mir die Zusammenarbeit mit den Moscheen am besten geeignet. Ich habe daraufhin mehrfach in Moscheen geredet und deutlich gemacht, dass wir alle die deutsche Sprache beherrschen müssen und dass ansonsten Toleranz zwischen den unterschiedlichen Kulturen notwendig ist. Wir haben dann Sprachlehrgänge für Kinder und Jugendliche gestartet.

Zu wichtigen Ereignissen der Stadt haben wir Vertreter von Moscheen und Sportvereinen eingeladen, um zu verdeutlichen, dass sie ein Teil von uns sind. Zudem ist es uns gelungen, aus der Südstadt ein Sanierungsgebiet zu machen. Dies wertet die Gegend dort ungemein auf und vermittelt den Bewohnern das Gefühl der Gleichbehandlung und Gleichstellung.

Das Lindenquartier ist ein weiteres Großprojekt unter Ihrer Regie. Welche Bedeutung hat die Neubelebung dieses Stadtviertels für Peine - und wann wird das Einkaufs-Center endlich stehen?

Das Lindenquartier ist das Herzstück der Stadt Peine. Es ist ein großes Areal, auf dem sich ein Investor gut entwickeln kann. Leider hat es sehr lange gedauert, bis der Kauf der dazugehörigen Grundstücke abgeschlossen werden konnte. Mittlerweile sind die Vorverhandlungen aber recht weit gediehen. In die letzte Verhandlungsrunde ist auch mein Nachfolger Klaus Saemann (SPD) eingebunden worden, um dem Investor zu signalisieren, dass es auf unserer Seite reibungslos weiterläuft.

Zuletzt gab es starke Kritik seitens der Opposition am Vorgehen der Stadt beim Projekt Lindenquartier. Fühlten sie sich dabei ungerecht behandelt?

Ich glaube nicht, dass die Opposition die Kritik noch einmal aufgreifen wird - sie hat erkannt, dass sie in der Bevölkerung nicht gut ankam. Den Rest deckt meine beginnende Altersmilde zu.

In Ihrer Amtszeit wurden zahlreiche neue Unternehmen wie Noweda, Meyer & Meyer, DSV und auch die Bundesgesellschaft für Endlagerung angesiedelt. Das ist an sich recht erfolgreich. Aber: Geht noch mehr für Peine?

Wir hatten in der Tat viele Neuansiedlungen in dieser Zeit. Wir müssen das Ganze aber auch vor dem Hintergrund betrachten, dass immer mal Firmen in eine Krise geraten und wegbrechen können. Wichtig ist, dass wir in der Wirtschaftsförderung breit aufgestellt bleiben, um denkbaren Ausschlägen zu begegnen. Wir sind weiter gut nachgefragt: Da ist noch mehr möglich.

Als Bürgermeister waren Sie außerordentlich beliebt. Verraten Sie uns das Geheimnis Ihres Erfolges?

Es gibt kein Geheimnis. Ich freue mich sehr darüber, dass ich viel Zustimmung erfahren durfte.

Beim Peiner Freischießen gab es bereits einen sehr emotionalen Abschied, es gab ein Ständchen aller Spielmannszüge für Sie. Bleiben sie mit den Kooperierten in Kontakt?

Das ist keine Frage, ich freue mich schon jetzt auf das nächste Peiner Freischießen und werde gern daran teilnehmen. Ich habe in den Reihen der Schützen viele Freunde und Bekannte gefunden und bin selbst Mitglied zweier Korporationen. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal für die tollen Überraschungseinlagen während des Freischießens bedanken, diese Momente zählen zu den schönsten meines Lebens.

Sie sollen den Ehrenring der Stadt Peine erhalten. Sind Sie stolz darauf?

Ich denke, jeder freut sich, wenn er geehrt werden soll. Angesichts der Kritik an der Vergabe im Vorfeld war es mein Appell an die Politik, die Entscheidung in den nächsten Rat zu verlegen. Dem ist die Politik erfreulicherweise gefolgt.

Zum Abschluss: Was war das schönste Erlebnis in Ihrer Amtszeit als Bürgermeister?

Bei der Vielzahl an Erlebnissen ist dies schwer zu sagen, aber für mich war es ein großer Moment, als das erste Teilstück der Hertie-Brache erworben wurde. Es hat sehr lange und vieler Absprachen und Verhandlungen bedurft, bis dieser Kaufvertrag unterschrieben werden konnte. Dies ist für die Bevölkerung natürlich nicht sichtbar, sie sieht nur, dass es nicht weiter geht und ahnt nichts von den problematischen Hintergründen. Unvergessen bleibt für mich die Begegnung mit Otto von Habsburg. Es war sehr beeindruckend, einen so „großen“ Europäer kennenlernen zu dürfen.

Interview: Dirk Borth, Antje Ehlers

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