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Kessler: "Für meine Nachfolge gibt es weder Kronprinz noch Kronprinzessin"

Interview Kessler: "Für meine Nachfolge gibt es weder Kronprinz noch Kronprinzessin"

In genau zwei Jahren endet die achtjährige Amtszeit von Bürgermeister Michael Kessler (63), der danach aus Altersgründen nicht wieder antreten kann. Von Amtsmüdigkeit kann bei Kessler jedoch keine Rede sein. Im großen PAZ-Interview mit den Redakteuren Thomas Kröger und Dirk Borth spricht der Bürgermeister über seine wichtigsten Aufgaben und seine aktuellen politischen Ziele. Und er spricht darüber, warum er seinen Job als großes Glück empfindet.

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Treffen im Büro des Bürgermeisters (v.l.): Dirk Borth, Michael Kessler und Thomas Kröger.

Quelle: Janine Kluge

Die SPD hat seit der letzten Wahl keine absolute Mehrheit mehr - wie beurteilen Sie die neuen Mehrheitsverhältnisse im Rat ?

Für alle Vorlagen, für jegliche Gestaltung der Politik benötigt man Mehrheiten im Rat. Wenn die nicht gegeben sind, geht gar nichts mehr in der Stadt. Nachdem die SPD die absolute Mehrheit knapp verloren hat, musste sie sich umschauen und hat mit der CDU einen verlässlichen Partner gefunden, der vor allem bereit war, die in 2011 gemeinsam verabschiedete Haushaltskonsolidierung mitzutragen. Unter der früheren Fraktionsvorsitzenden Doris Palandt war die CDU-Fraktion für mich schwer einschätzbar - das hat sich mit dem Fraktionsvorsitzenden Christoph Plett geändert.

Sie setzen aber nicht nur auf die CDU...

Die Entscheidung in Sachen Goltz-Platz zum Beispiel ist mit den Grünen zusammen entschieden worden - es kann also durchaus wechselnde Mehrheiten geben. Im Übrigen: unterschätzen Sie bitte nicht, dass auch in der eigenen Fraktion in allen Fragen ein Konsens herbeigeführt werden muss - hier ist die sehr enge und hervorragende Zusammenarbeit zwischen mir und Fraktionschef Bernd-Detlef Mau ausschlaggebend. In meiner Familie wird schon gefrozzelt, dass ich mit ihm häufiger rede als mit meiner Frau.

Die Stadt hat zum wiederholten Mal einen nicht ausgeglichenen Haushalt vorgelegt und muss angeblich immer noch keine Kredite aufnehmen - das ist schwer verständlich.

In der Tat ist es ungewöhnlich, dass eine Kommune dreimal eine deutliche Haushaltsschieflage aufweist und trotzdem noch eine ausreichende Liquidität besitzt. Es ist letztendlich kompliziert, aber am einfachsten kann man es damit erklären, dass es sich hier um „Reserven“ handelt, die sich erst Zug um Zug verbrauchen. Die Liquidität wird natürlich geringer, aber erst langsam.

Das ist aber nicht die ganze Erklärung, oder?

Hinzu kommt, dass wir in der jüngsten Zeit mehrfach zwischendurch für Neuansiedlungen Gewerbegebiet verkauft haben - dabei geht es um Millionenbeträge -, die wir nicht gleich durch Neukäufe kompensiert haben. Die bleiben natürlich - im Gegensatz zu anderen Zuwendungen - eins zu eins im Stadtsäckel. Von der Gewerbesteuer hingegen wandern rund 38 Prozent zum Landkreis. Das ist im Vergleich zu anderen Kommunen aber zugegebenermaßen immer noch eine Traumsituation.

In der Bebauung des Goltzplatzes gab es gewisse Turbulenzen - nehmen Sie die Einwände der Kritiker ernst?

Das sollte man grundsätzlich schon, aber es sind die gleichen Argumente wie vor fünf Jahren und wir haben das damals bereits abgewogen. Wir werden nicht alle überzeugen können, aber erfahrungsgemäß sind die an die Wand gemalten Szenarien im Nachhinein nicht so schlimm - speziell was die Eingriffe in die Krötenpopulation angeht, haben wir die Rückendeckung der Naturschutzbehörde.

Und was den Sportverein betrifft...

... führen wir die nächste öffentliche Sportbeirats-Sitzung bewusst im PTC-Heim durch - da kann sich jeder davon ein Bild machen, dass wir dem Verein nicht minderwertige Räume anbieten. Andere Sportvereine haben sich solche Möglichkeiten unter enormer Eigenleistung erst schaffen müssen. Nach dieser jetzt eindeutigen Entscheidung im Rat wird der Plan umgesetzt - natürlich stehe ich zu Gesprächen im Detail bereit.

Haben Sie eine Meinung zu Ihrer Nachfolge?

Seit vorigem Jahr gibt es ein Gesetz, das bestimmt, dass der Kandidat höchstens 64 Jahre alt sein darf. Damit ist das Thema für mich gelaufen - wobei ich zugestehe, dass diese Entscheidung bei einer Wahlperiode von acht Jahren auch vernünftig ist, denn sonst wäre ein Bürgermeister in meinem Fall am Ende über 70, was bei dem eingleisigen Amt, sprich Stadtdirektor und Bürgermeister in einer Person, schon von der Belastung her problematisch ist.

Und wer soll Ihr Nachfolger werden?

Was meine Nachfolge angeht, so stelle ich fest, dass es in meiner Partei keinen Kronprinzen oder eine Kronprinzessin gibt, das heißt, die SPD muss sich diesbezüglich erst einmal finden. Das gilt natürlich auch für die anderen Parteien. Bei meiner Wahl damals hatte ich ja immerhin vier Gegenkandidaten. Ich möchte in dieser Frage aber keine persönlichen Prioritäten bekannt geben, das gehört sich nicht.

Haben Sie nach sechs Jahren manchmal „die Nase voll“ von dem Job?

Klares „Nein“ - der Politik galt immer mein Hauptinteresse, mein ganzes Leben lang. Und dass ich noch einmal diese Chance der Gestaltung erhalten würde, habe ich als sehr großes Glück empfunden.

Aber Sie haben für den Job auch viel Freizeit geopfert...

Natürlich muss man in dieser Position starke Abstriche bezüglich Freizeit und spontaner Zeitgestaltung machen. Meine Frau hat mir gerade eine Schürze geschenkt mit der Aufschrift „Selten dahoam“ - aber sie ist Gott sei Dank eine Person, die sehr gut alleine zurecht kommt. Ich hoffe nur, dass der alte Freundeskreis „stehen“ bleibt, denn dessen „Pflege“ ist mit diesem Amt nicht vereinbar.

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