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Karl Mäkler: Gespür für Schlaufen und Knoten

Vöhrum Karl Mäkler: Gespür für Schlaufen und Knoten

Vöhrum. Seeleute, so wissen Landratten, gelten als Nomaden zu Wasser. Wenn sie unterwegs sind, haben sie wenig Muße etwas für immer in Stein zu meißeln.

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Karl Mäkler.

Quelle: uj

Ist aber etwas auf ihrer schwimmenden Heimat zu befestigen, muss es im Bedarfsfall sogar noch fester halten, sich aber auch schnellstens wieder professionell trennen lassen - etwa nach dem Motto: Was der Matrose geknotet hat, soll die Landratte nicht lösen.

Und so knotet, knüpft, steckt und verbindet der Vöhrumer Karl Mäkler seit knapp 18 Jahren „Tampen“ und „Leinen“, die für die Landbevölkerung schnöde Seile und Taue sind. Dabei geht Mäklers Wissen über die im Seefahrervolk üblicher Weise gebräuchlichen „Steke“ und „Stiche“ weit hinaus. „Hätte ich die Knoten im Kopf, wäre ich verloren“, sagt der 69-jährige emeritierte Diplom-Ingenieur der Vermessungstechnik zwinkernd. Allerdings könne Mäkler, der einst lieber bei der Handelmarine angeheuert hätte, inzwischen mehr als 50 solch haltbarer Verschlingungen auswendig herstellen und lerne noch täglich hinzu.

Dem Knoten habe er sich verschrieben, als einst bei seiner Tochter Lena der Entschluss reifte, ihre Freizeit auf dem Wasser und unter Segeln zu verbringen. Um sie nicht allein den Tücken des Klabautermannes zu überlassen, belegte der Papa ebenfalls einen entsprechenden Segelkurs. Seitdem lässt ihn die seemännische Art, Provisorien dauerhaft zu sichern, nicht mehr los.

3800 Knotenarten mit 7000 Abbildungen enthält beispielsweise das Standardwerk, das Mäkler „Knotenbibel“ nennt. „Ein Universum“, sagt er und blättert scheinbar ziellos zwischen den unzähligen Lesezeichen hin und her. „Grauenhafte Erinnerungen“ hat der Experte, der auch Autor der Broschüre „Leinentraining - Hafenmanöver“ ist, an die Aufgabe in seiner Kindheit, seine Schnürsenkel zu binden. Heute verwendet er deswegen statt der üblichen Schleife lieber den sehr haltbaren „Kreuzknoten auf Slip“.

Entscheidend sei bei der Kunst zu knoten, dass das Ergebnis leicht steck-, sicher halt- und leicht lösbar sei. Seine Präsentationen von „Palstek“, „Häkelschlag mit Ruckbremse“, „Affenfäusten“ oder „Pferdedieb-Knoten“ aus blitzschnellem „einmal rum, nochmal rum, von oben rein, unten raus und dann da sichern“ erinnern eher an ausgeklügelte Zaubertricks als an hartes Seemannsbrot.

„Gehirntraining“ nennt Mäkler die vielen Abende des Fummelns und Probierens bis aus Schlaufen, Ösen und Enden sichere Verbindungen auch für Netze und sogar Strickleitern wachsen.

Seine Profession diene beileibe nicht allein dem seemännischen Alltag. Ein Tampen ließe sich ebenso effektiv als Gürtel verwenden, der Krawattenknoten habe seinen Ursprung im „Gording“ und mit einem ebensolchen Knoten ließen sich Hosenbeine von Radlern sicher und preisgünstig schürzen - vom selbst entwickelten Flaschenzug zum heimischen Dachboden ganz zu schweigen.

Sein Knoten-Hobby sei Spielerei, räumt er ein. „Wir hören ja nicht auf zu spielen, weil wir alt werden“, fügt er hinzu, „sondern erst, wenn wir aufhören zu spielen, werden wir alt.“ So diene ihm seine Knoterei auch als ein Sinnbild für das allgemeine Dasein: „Eine Kombination aus Zug, Schub und Entspannung“, erklärt er philosophische Gedanken, die ihn bei seinem Hobby begleiten, darüber hinaus Anstoß für anspruchsvolle Tischgespräche bilden und so viel mehr sind, als ein stabiles Provisorium.

uj

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