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Internet: "Chance für Peiner Händler"

Peine Internet: "Chance für Peiner Händler"

Viele Peiner Kaufleute beklagen sich, dass die Konkurrenz durch den Internet-Handel immer größer wird. Die PAZ sprach mit Bürgermeister Michael Kessler (SPD) über dieses zunehmende Problem.

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Ein Blick in die Versandabteilung des Amazon-Logistikzentrums in Pforzheim (Baden-Württemberg).

Quelle: dpa

Wie bewerten Sie die Entwicklung des Internet-Handels?

Der Anteil des Internet-Handels lag in 2012 bei knapp acht Prozent des bundesweiten Handelsvolumens. Bei diesen acht Prozent muss man aber bedenken, dass es auch früher einen Versandhandel wie etwa Quelle gegeben hat, der damals schon bei rund drei bis vier Prozent des Handelsvolumens lag. Mithin wird prozentual immer noch relativ wenig im Internet gekauft. Unübersehbar aber sind die extrem hohen jährlichen Zuwachsraten, bei denen niemand weiß, wo sie enden.

Welche Branchen werden besonders durch den Internet-Handel bedroht?

Man muss differenzieren: Die einzelne Branchen sind völlig unterschiedlich stark betroffen - allen voran der Buchhandel. Das verwundert zunächst, denn der Buchhandel kennt auch heute noch eine sogenannte Preisbindung, das heißt Bücher dürfen nicht unter Preis verkauft werden. Normalerweise ist das Kaufmotiv ja der günstigere Preis. Im Buchhandel scheint somit die Motivation, im Internet zu kaufen, ein reines Bequemlichkeits-Moment zu sein. Zwar ist auch die Bekleidungsbranche vom Internet betroffen, sieht sich aber auch in Zukunft dadurch geschützt, dass die weitaus meisten Menschen lieber die Teile sehen, anprobieren möchten und gerne shoppen gehen, gerade auch als gemeinsames Erlebnis.

Doch auch die Internet-Händler haben Probleme. Welche sind das?

Nicht übersehen darf man, dass die kostenlosen Rücksendungen die Internet-Firmen sowohl logistisch als auch personell stark belasten und oftmals den Gewinn auffressen. Selbst für Amazon ist dies ein Riesenproblem geworden - schließlich muss jede Rücksendung auf Zustand geprüft werden und oft sind kleine Beschädigungen zu erkennen, die schwer nachweisbar und einklagbar sind. Bei manchen Schuhversendern kann man die Ware dreimal kostenfrei hin- und her senden, bis der Schuh passt. Insider berichten von „Zalando“, dass sie eine Rücklaufquote von weit über 50 Prozent haben. Ich will auch nicht unerwähnt lassen, dass große, weltweit agierende Internet-Anbieter hier meist keine Steuern zahlen, aber unsere Infrastruktur benutzen, von den jüngst bekannt gewordenen Arbeitsbedingungen ganz abgesehen. Hier hat der deutsche Verbraucher eigentlich eine große Macht - er muss sie nur nutzen.

Wie können Peiner Geschäfte den Internet-Handel nutzen?

Bemerkenswert ist, dass etliche namhafte Einzelhandelsgeschäfte in Peine sich mittlerweile ebenfalls im Internet tummeln, das heißt zweigleisig agieren. Wenn man es geschickt macht, vergrößert man mit dem Internet-Angebot ja auch den stationär zwangsläufig begrenzten Markt. Für etliche Geschäfte liegt der Erfolg vielleicht gerade in der Mixtur von beidem. Interessanterweise werden laut Handelsreport in Großbritannien bereits 70 Prozent des Internethandels mit örtlichen Händlern getätigt.

Wie kann dieser Mix aussehen?

Dazu liefere ich gerne ein konkretes Beispiel: Man kauft im Laden und erhält einen Gutschein für den Internet-Einkauf, weil dort ein anderes Sortiment erhältlich ist oder man kauft im Internet und erhält einen Gutschein für den Einkauf vor Ort im stationären Handel. Mir erzählte neulich jemand, dass er eine Hose im Internet bestellt habe, die in die örtliche Filiale zum Anprobieren geliefert wurde. Er muss sie dann nicht selbst zurückschicken, wenn sie ihm nicht passt. De facto hat er aber die Hose genommen und noch zwei Hemden dazu gekauft, die ihm im Geschäft gefallen haben. So profitieren alle davon.

Wie lautet Ihr Fazit?

Insgesamt kann ich nur an die Solidarität aller Peiner appellieren, möglichst viel vor Ort zu kaufen. Eine bessere Unterstützung für die Stadt beziehungsweise Innenstadt gibt es nicht. Und: Internet-Handel muss für die Peiner Geschäftsleute nicht zwingend ein Nachteil sein, sondern kann große Chancen bieten.

Interview: Thomas Kröger

INFO

Internet-Handel

Der Internet-Handel mit Waren hat in 2012 in Deutschland einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht und den Umsatz um 5,9 Milliarden Euro oder 27 Prozent auf 27,6 Milliarden Euro gesteigert. Das teilte der Bundesverband des Deutschen Versandhandels mit. Darin noch nicht enthalten seien Umsätze von 9,7 Milliarden Euro für Leistungen wie Flug- und Bahntickets, Reisen und Eintrittskarten. Am meisten bestellt werden online Kleidung, Computer und Elektronik aller Art sowie Bücher. In diesem Jahr wird mit einer Umsatzsteigerung von 21 Prozent auf 33,5 Milliarden Euro gerechnet. Weltweiter Marktführer ist der Versandhändler Amazon.

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