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Humoriges Bad in der muffigen Spießbürger-Welt

Hukl-Ensemble Humoriges Bad in der muffigen Spießbürger-Welt

„Mein Mann ist ein wenig voll in den Hüften, aber kurz in den Armen“, flötet die Gattin dem blasierten Herrenausstatter entgegen. Dann lässt sie sich auf einen Stuhl plumpsen und grantelt sogleich ihren linkisch-zappeligen Gemahl an, er solle doch die Fummelei an seiner Nase lassen. Willkommen im Leben von Loriot.

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Großartige, bis ins Detail überzeugende Darstellung: Die Hukl-Bühne spielt Loriot im Forum.

Quelle: im

Peine. Einen Abend mit dem unvergleichlichen Satiriker, interpretiert von der Vöhrumer Hukl-Bühne. Mehr als 350 Gäste amüsieren sich im Peiner Forum in Parterre und auf dem Rang. 14 Sketche hat das Hukl-Ensemble aus Vöhrum ausgesucht. Unter anderem bekannte Kracher wie „Kosakenzipfel“, „Das Ei“ oder der „Lottogewinner“.

Schreiend komisch bis ins Detail hinein, an denen auch das Vorbild Viktor von Bülow oft lange feilte. Neben der eigentümlich verschraubten Loriot-Sprache, die bis in hintergründigste Feinheiten saß, bestach die komplette Equipe durch eine großartige Bühnendarstellung. Diese ganzen linkisch-kreuzsteifen Posen, diese bis ins Groteske gesteigerte Stelzbeinigkeit und die immer wiederkehrende deutsche Kleinbürger-Attitüde mit Zeigefinger, Rechthaberei und kaum unterdrückten Minderwertigkeitskomplexen.

Das Publikum badet in dieser ganzen dumpf-muffigen Spießbürger-Welt, in der es andauernd sprachliche Missverständnisse gibt, in der Kommunikation einfach nicht gelingen will, weil sich die Protagonisten verkrampft bis zur kompletten Beschränktheit an feststehende Worthülsen, semantische Phrasen und tradierte Gesprächsfloskeln halten – in „die Parkuhr“ wird die Politesse am andauernden Wiederholen von Paragraphen-Sätzen verrückt.

Neben dem germanischen Reihenhaus-Bewohner, bekommen auch Medien und Politiker ihr Fett weg. In der ganzen bierernsten Aufgeblasenheit ihres Amtes geraten sich die Volksvertreter über Kleinigkeiten in die Haare, die man allenfalls auf Grundschul-Pausenhöfe findet. Herrlich, wie die Hukl-Darsteller das hinkriegen. Im Zentrum der total unpolitische Bürger Wilhelm Hoppenstedt: „Was ist der Unterschied zwischen einem Eichhörnchen und einem Klavier?“ Und zum Schluss grüßt dieser Kerl seine Tante in der DDR und wünscht sich „Alte Kameraden“. Das Publikum schreit vor Vergnügen.

Die Menschen in der szenischen Bühnenwelt des Herrn Viktor von Bülow sind schlicht nicht in der Lage, sich ihres Verstandes ohne die Anleitung eines anderen zu bedienen. Sie kopieren und übernehmen gelernte oder abgeschaute Pauschfolien, sind Rollenmodelle und keine Individuen. In dieser zuweilen beklemmenden Entlarvung menschlicher Plattitüden liegt die fast schon boshafte Komik Loriots und, auf der Bühne des Peiner Forums, die Leistung der Hukl-Theatertruppe. Erschöpft vom Lachen kehren die Gäste heim. Toller Abend!

Björn Wulfes

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