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Härke in Insolvenz: Verhandlungen mit Investor laufen

Peine Härke in Insolvenz: Verhandlungen mit Investor laufen

Peine . Schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort Peine. Die in Turbulenzen geratene Privatbrauerei Härke hat Insolvenz angemeldet. „Wir führen jetzt vielversprechende Verhandlungen mit einem Investor - mit dem Ziel, die Brautradition in Peine, die Marke Härke und die Arbeitsplätze der Privatbrauerei aufrecht zu erhalten“, erklärten gestern die Geschäftsführer Matthias und Martin Härke.

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Schlechte Nachrichten: Martin (l.) und Matthias Härke mussten Insolvenz anmelden.

Quelle: pif

Den Mitarbeitern wurde dieser Schritt bei einer Betriebsversammlung knapp mitgeteilt. Später ging eine Presseerklärung der Brüder Härke raus. Im Geschäftsjahr 2012 sei die Privatbrauerei in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Die Fortführung des Betriebes aus eigener Kraft könne von Matthias und Martin Härke nicht sichergestellt werden. Als Weg aus dieser Krise habe das Unternehmen am Freitag Insolvenz angemeldet.

Besondere Umstände seien es gewesen, die diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten ausgelöst hätten. „Der Biermarkt ist seit Jahren rückläufig und damit ein hart umkämpfter Markt, was sich durch aggressive Preiskämpfe und eine Wertevernichtung des deutschen Bieres widerspiegelt“, erklärten Matthias und Martin Härke. Nationale Bier-Marken sowie „Billig-Biere“ unterböten immer stärker regionale Produkte und verdrängten mittelständische Brauereien. „Auch die demographische Entwicklung weist auf einen weiteren Rückgang des Bierkonsums hin“, so die Härke-Brüder.

Diesen Marktgegebenheiten habe sich auch die Privatbrauerei Härke nicht entziehen können. Matthias Härke: „Wir mussten in den letzten Jahren deutlich sinkende Ausstoßzahlen und damit sinkende Umsatzerlöse verkraften.“ Ein Branchenkenner berichtete gestern zudem, das Unternehmen habe sich 2008 mit dem Bau des neuen Sudhauses für 2,5 Millionen Euro „finanziell völlig übernommen.“

Zum Stand der Verhandlungen mit dem Investor gab es keine Auskunft. Fest steht, dass Matthias und Martin Härke die Zukunft noch nicht aus dem Blick verloren haben: „Wir betonen, dass geplant ist, den Geschäftsbetrieb unverändert fortzuführen und dass alle Härke-Produkte verfügbar bleiben“, so Matthias Härke. Alle Veranstaltungen wie Brauereibesichtigungen oder die Prunksitzung im Januar sollen weiterhin stattfinden.

Die Geschäftsführer bedankten sich gestern in einer Erklärung bei allen Kunden für die Treue und richteten einen Appell an alle Peiner: „Wir bitten auch für die Zukunft um Unterstützung zum Erhalt unseres Härke-Bieres und unserer Brauerei.“

bor

Reaktionen: Michael Kessler: „Ich bedaure diesen Schritt sehr“

Mit Bestürzung reagierten gestern viele Peiner, nachdem sie von Härkes Insolvenzantrag hörten. Bürgermeister Michael Kessler erfuhr die Hiobsbotschaft am Abend von der PAZ.

„Ich bedauere diesen Schritt sehr – Härke-Bier ist ein Symbol für unsere Stadt und wir waren immer stolz darauf, eine Privatbrauerei in unseren Mauern zu haben“, sagte Kessler. Er sei allerdings erstaunt, dass die Information über diese Insolvenz die Stadt über eine Presseanfrage erreichte. Der Bürgermeister: „Ich muss feststellen, dass ich keinerlei Detailkenntnisse über die Hintergründe besitze.“

Auch Bürgerschaffer Hans-Peter Männer war bestürzt, als er die Nachricht erhielt. „Ich hoffe, dass es eine Lösung mit einem Investor geben wird“, sagte er. Fest stehe, dass die Bürgerschaffer größtes Interesse haben, dass das geliebte Peiner Bier auch beim Freischießen 2013 ausgeschenkt wird.

Die Geschäftsführer Matthias und Martin Härke wollen erst heute weitere Fragen beantworten. Fest steht, dass die Härkes noch vor kurzem Zukunftspläne schmiedeten. Zum 1. Oktober 2011 hatten sie bekannt gegeben, einen Kooperationsvertrag mit der Einbecker-Brauerei geschlossen zu haben. Außerdem kündigten die Geschäftsführer ein neues Marketing-Konzept und wechselnde neue Saisonprodukte für ihr Sortiment an.

Doch diese Schritte konnten den Weg in die Insolvenz letztlich nicht verhindern. Die Privatbrauerei Härke braut 70.000 Hektoliter Bier im Jahr und hatte zuletzt 34 Mitarbeiter.

bor/pif

Kommentar

Von Dirk Borth

Diese Nachricht ist ein Schock: Die Privatbrauerei Härke hat Insolvenz angemeldet. Ob oder wie es weiter geht, steht in den Sternen.

Rückgang des Bierkonsums, sinkende Ausstoßzahlen, aggressive Preiskämpfe: Dass es die Härkes als eine der wenigen Privatbrauereien Deutschlands in Familienbesitz schwer hatten, war bekannt. Und doch bestand noch Hoffnung, dass neue Konzepte wie die Kooperation mit Einbecker das Unternehmen in sichere Fahrwasser bringen. Vergebens.

Bleibt zu hoffen, dass die Verhandlungen mit Investoren erfolgreich verlaufen und dass den Peinern ihr geliebtes Härke-Bier erhalten bleibt – irgendwie.

Die Geschichte der Peiner Brauerei Härke

Die Härke-Historie begann 1890, als Ernst Härke aus Anderten die Rauls’sche Brauerei in Peine und den dazugehörigen Bierausschank am Gröpern kaufte. 1907 erfolgte die Umfirmierung in Brauerei E. Härke. Nach dem Tod ihres Mannes übernahm Elise Härke 1914 die Geschäftsführung, nach ihrem Tod wurde 1927 ihr Sohn Heinrich Leiter der Brauerei. In dieser Zeit begann der Neubau der Brauerei.

Als Heinrich Härke 1945 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, wurde seine Witwe Änny Geschäftsführerin. 1949 wurde die Härke Bier-Vertriebs GmbH gegründet, ein Jahr später übernahm Willy Schneider die kaufmännische Leitung. 1971 erfolgte die Umwandlung in die Härke Brauerei KG (mit dem Geschäftsführer Hans-Peter Härke). 1982 kam es zur Umbenennung in Privatbrauerei Härke KG, Rainer Schneider wurde Technischer Leiter.

1997 übernahm Matthias Härke (Finanzen/Controlling) und 2002 sein Bruder Martin (Braumeister) leitende Posten. 2007 erfolgte die Umwandlung in Privatbrauerei Härke GmbH & Co. KG. Die Härke-Brüder wurden als Kommanditisten aufgenommen.

Härke ist eine der wenigen Privatbrauereien Deutschlands in Familienbesitz.

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Die Privatbrauerei Härke hat Insolvenz angemeldet. Nach Auskunft der Geschäftsführung werden bereits Gespräche mit einem Investor geführt. Ziel sei es, die Marke Härke und die Arbeitsplätze in Peine zu erhalten.

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