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Gute Versicherung, segensreiche Ehe und ersprießliche Kontakte

Gerhard Lucas Meyer Gute Versicherung, segensreiche Ehe und ersprießliche Kontakte

Wer mit süßen 23 Jahren in eine völlig überschuldete und desolate Chemiefabrik als Teilhaber einsteigt, ist - zumindest aus heutiger Sicht - entweder verrückt oder völlig ahnungslos.

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Das repräsentative Wohn- und Geschäftshaus der Meyers in Celle. Dort lernte er auch seinen späteren besten Freund Justizrat Carl Haarmann kennen.

Quelle: Repro

Peine. Gerhard Lucas aber packt an und bringt seine Erfahrungen ein. Wiederum verkleinert er die Produktpalette und steigert die Produktivität. Das führt allerdings zum Krach mit den Mitinhabern.

Und wieder ist Vater Meyer da. Denn als Gerhard Lucas schließlich die Fabrik allein übernimmt, unterstützt ihn sein Vater großzügig mit einer Finanzspritze aus dem Erlös der Meyerschen Weberei. Der Jungunternehmer indessen bringt mit harschen Tönen sein Personal auf Trab und steuert den desolaten Betrieb tatsächlich in die Gewinnzone. Eine gute Basis, endlich beim Herrn Advokaten Schimmelpfeng um die Hand seiner Tochter Emilie anzuhalten.

Zuvor hatte der im Grunde nüchtern planende junge Unternehmer einen intensiven Briefwechsel mit Emilie geführt - voll tiefer Empfindungen, einfühlsamer Worte und einem unerschütterlichen Gottvertrauen.

1855 wird Verlobung gefeiert, für den 4. Juni 1857 die Hochzeit geplant. Was folgt, ist der Stoff, aus dem Romane sind: Kurz vor dem großen Fest brennt die florierende Fabrik samt aller Nebengebäude und der inzwischen komplett eingerichteten Wohnung der künftigen Eheleute nieder. Spielende Kinder hatten offenbar auf dem Nachbargrundstück Stroh in Brand gesetzt. Aber Gerhard Lucas Meyer wäre nicht er selbst, hätte er nicht kurz zuvor, wie er in seinen Erinnerungen schreibt, „alle Gebäude für die Versicherung neu taxieren lassen“.

Die jungen Leute lassen sich nicht beirren: Es wird wie geplant geheiratet und das gemeinsame Leben neu ausgerichtet. Mit den Ersatzleistungen der Versicherung lässt sich der Betrieb wieder errichten, aber der 27-jährige Unternehmer hat trotz des Erfolgs seine wirtschaftliche Weitsicht nicht verloren: ökonomisch sieht er nämlich kaum noch Chancen für die Farbenherstellung aus Tierknochen und entschließt sich kühn zur unternehmerischen Neuorientierung.

In Celle steigt er diesmal als Teilhaber in einen angesehenen Landprodukte-Handel ein und ist nun für den Vertrieb von Honig, Wolle und Wachs zuständig. Die jungen Meyer-Eheleute sind inzwischen in das damals von „Kastendenken“ geprägte Celle umgezogen.

Zunächst leben sie „aus Sorge vor Zurücksetzungen, lästigen Bekanntschaften und wegen der bescheidenen Einrichtung, welche keine Erwiderung gesellschaftlichen Entgegenkommens erlaubte“, sehr zurückgezogen, notiert Gerhard Lucas in seinen Lebenserinnerungen.

Aber der Kaufmann Meyer arbeitet nicht nur, er beteiligt sich auch am öffentlichen Leben vor Ort, hält Vorträge und ist sogleich Mitglied des örtlichen Kaufmanns- und Handwerkervereins und macht sich darüber hinaus als „Sachverständiger in Handelsfragen“ einen Namen.

Als Kaufmann ist er längst nicht nur überregional bekannt, sondern gilt auch als kenntnisreicher Wirtschaftsberater. Er rettet beispielsweise mit nachhaltigem Erfolg chemische Fabriken in Bad Oeynhausen und Nienburg.

1861 kommt der 31-Jährige erstmals als Mitglied der Gutachterkommission der Georgsmarienhütte mit der Stahlindustrie in Kontakt. Die Aktiengesellschaft war damals in eine schwere wirtschaftliche Schieflage geraten. Meyers Sanierungsvorschläge retten das Stahlunternehmen, die Georgsmarienhütte erholt und behauptet sich am Stahlmarkt - und besteht noch heute!

Meyer aber findet Gefallen an Stahl und Aktiengesellschaften und lernt in Celle Justizrat Carl Haarmann kennen. Die Freundschaft der Männer wird im Wortsinne „stahlhart“, denn Meyers bester Freund ist niemand anderer als einer der Gründer der Ilseder Hütte von 1858.

Von Ulrich Jaschek

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