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Grubenunglück jährt sich heute zum 70. Mal

Peine-Telgte Grubenunglück jährt sich heute zum 70. Mal

Telgte. Heute jährt sich das Telgter Grubenunglück zum 70. Mal. Der tragische Unglücksfall, bei dem 44 Bergleute starben, wäre zu verhindern gewesen.

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Telgte: Das Bild zeigt die Schachtanlage im Jahr 1961.

Die damals Verantwortlichen wurden später verurteilt. Der Fahrersteiger erhielt eine dreijährige Haftstrafe, der Schlosser neun Monate, beide auf Bewährung.

Während der Schicht wurde damals das Seil des Förderkorbes gekürzt. Denn eine Woche später sollte erstmals nach Kriegsende die Wiederaufnahme der Erzgewinnung erfolgen. Anschließend hätte, gemäß den Vorschriften, der Korb zwei Stunden unter voller Belastung herunter- und hinaufgefahren werden müssen. Im späteren Gerichtsverfahren stellten Experten fest, dass zwei vollbeladene Erzwagen ausgereicht hätten, um den Förderkorb absacken zu lassen.

Am 22. Januar 1946 wurde diese Vorschrift nicht befolgt - mit fatalen Folgen. Das Förderseil löste sich aus der Verankerung des Korbes. Die 45 Kumpel rasten in die Tiefe. 44 starben.

Überlebt hat den Unglückstag nur ein Kumpel: Karl-Heinz Meine. Er war mit seinen gerade einmal 17 Jahren der jüngste der Bergleute und der einzige Überlebende. Meine stand direkt unter einer Klappe im Korb. Als der Korb wegsackte und im freien Fall in die Tiefe stürzt, ging er instinktiv in die Hocke. Durch den Luftdruck muss Meine durch die Klappe geschleudert worden sein. Gleichzeitig muss der Luftdruck den Fall abgefedert haben. Eine andere Erklärung für sein Überleben gibt es nicht, heißt es im späteren Gerichtsverfahren. Wie durch ein Wunder kam er mit leichten Verletzungen davon, musste aber zwei Tage in der Grube verharren. Direkt nach dem Unglück näherten ihm sich zwei Kumpel, die nicht bei der ersten Seilfahrt mitgenommen werden konnten. Sie brachten Meine und sich selbst in einen Seitenstollen. Dort war es nicht so kalt. Die Fahrkörbe des Schachtes I waren wegen Vereisung nicht einsatzbereit und so mussten der Überlebende und die beiden anderen Kumpel zwei Tage ausharren.

In der Vöhrumer Chronik steht geschrieben: „Die Ausmaße des Unglücks wurden mir erst so recht bewusst, als ich nach meinen Kameraden fragte und ich erfuhr, dass außer mir keiner überlebt hatte.“ Neun Jahre später, am 22. März 1954 wurde Meine, der inzwischen verstorben ist, unter Tage von einer Lore erfasst und verlor sein linkes Bein.

In diesen Tagen erinnert sich auch Helmut Woyth aus Telgte an das Unglück. Er war damals ein Kind. „Man hat das schon wahrgenommen“, erinnerte er sich, „wir hörten, dass ein schweres Unglück passiert ist. Ich weiß noch, dass ein Kumpel nicht geborgen werden konnte und da noch liegt“, berichtete er weiter. Woyth arbeitete selbst von 1955 bis 1962 in der Telgter Grube. Das Unglück habe ihn nie davon abgehalten, selbst unter Tage zu arbeiten. „Es gab damals keine andere Arbeit. Wir waren froh überhaupt Geld verdienen zu können“, sagte er.

Der Eisenerzbergbau auf Telgte spielte mehr als drei Jahrzehnte lang eine wichtige Rolle. In den Hochzeiten um 1957 waren hier mehr als 900 Bergleute beschäftigt, 924 Arbeiter und 51 Angestellte. Dabei wurden besonders Flüchtlinge, Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten, als Arbeiter gewonnen. 1968 wurde der Schacht Peine stillgelegt und 1974/75 abgerissen.

Von KATHRIN BOLTE

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