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Grubenunglück: Tochter erinnert sich an Vater

Telgte Grubenunglück: Tochter erinnert sich an Vater

Telgte. Traurige Gedanken hat die Berichterstattung zum 70. Gedenktag an das Telgter Grubenunglück (26. Januar 1946) bei Wilma Stehula ausgelöst. Im Artikel war von einem weiteren Bergmann die Rede, der dort unten verschüttet wurde und nie geborgen werden konnte. Dieser Bergmann war Heinrich Borowietz. Ihr Vater.

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Der Gedenkstein an Heinrich Borowietz steht jetzt auf dem Telgter Friedhof.

Quelle: bol

„Immer wenn sich das Grubenunglück jährt, denke ich besonders an meinen Vater. Obwohl er dabei nicht ums Leben gekommen ist, sondern am 16. September 1944. Ich erinnere mich daran, als sei es gestern gewesen. Meine Mutter kam am Morgen zu uns. Sie nahm uns in den Arm und sagte, der Papa ist tot. Damals war sie gerade einmal 30 Jahre alt, ich war neun. Sie hatte fünf Kinder“, berichtet Stehula im Gespräch mit der PAZ.

Heinrich Borowietz wurde 1911 geboren und kam 1939 aus Westfalen nach Peine. Er war maßgeblich am Teufen des Schachtes Telgte beteiligt. „Er hatte aber immer Respekt vor dem Schacht und meinte, er geht da nicht gerne hinein. Es knackt immer so, sagte er“, erinnert sich Stehula und berichtet weiter: „Am Unglückstag ging er morgens aus dem Haus. Er kam noch einmal zurück und nahm meine Mutter fest in den Arm. Als hätte er etwas gewusst. Wir haben ihn nie wiedergesehen.“

Wegen sogenannter Gebirgsbewegungen mussten Ende 1943 Reparaturarbeiten an der Schachtröhre Peine 1 vorgenommen werden. Das schadhafte Mauerwerk wurde stückweise herausgenommen und neu ausgebaut. Am 16. Februar 1944 um 23 Uhr gab der Schachtausbau nach und ging zu Bruch. Heinrich Borowietz wurde in 500 Meter Tiefe verschüttet, kam ums Leben und konnte nie geborgen werden. Viele Jahre erinnerte ein Gedenkstein auf dem Werksgelände der Schachtanlage an den Bergmann. Es befindet sich heute auf dem katholischen Friedhof in Telgte.

„Nach dem Unglück brachten viele Leute Kränze vorbei. Aber es gab ja kein Grab. Meine Mutter hat die alle im Keller aufbewahrt. Das war schlimm“, erzählt Stehula und eine Träne fließt über ihre Wange. „Damals arbeiteten viele Kriegsgefangene im Schacht, und mein Vater war sehr beliebt. Er sagte zu Hause immer, meine Mutter solle mehr Brote schmieren. Er mochte nicht essen, wenn andere ihm hungrig zuschauten“, so Stehula. „Zum Glück haben wir einen sehr guten zweiten Vater bekommen“, erzählt die heute 80-Jährige, die später selbst einen Bergmann heiratete, weiter. „Er hat sich sehr gut um meine Mutter und meine Geschwister gekümmert und hat aus Liebe zu uns sogar in der Grube gearbeitet, obwohl er eigentlich Gutsverwalter war. Nur so aber war es meiner Familie möglich, hier in der Siedlung wohnen bleiben zu können.“

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