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Giselher Stoll präsentierte die Chronik der Kapuzinerresidenz

Peine Giselher Stoll präsentierte die Chronik der Kapuzinerresidenz

Peine. Hätten die in Peine von 1669 bis 1805 wirkenden Kapuziner-Patres geahnt, dass kein Geringerer als der Groß Ilseder Ex-Schulmeister und Latein-Enthusiast Giselher Stoll ihre in Latein gehaltene Chronik mehr als 350 Jahre nicht nur lesen, sondern auch ins Deutsche übersetzen würde - sie hätten sich schon aus Nächstenliebe stets der Schönschrift bedient.

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Gut 100 Zuhörer waren zu Giselher Stolls (links) Vortrag über die Chronik der Kapuziner-Patres ins Kreismuseum gekommen.

Quelle: rb

So las, entzifferte, rätselte und grübelte Stoll auf Wunsch von Bürgermeister Michael Kessler in und an der im Archiv der katholischen Kirchengemeinde „Zu den heiligen Engeln“ verwahrten Chronik über den einstigen Auftrag Maximilians, Erzbischof und Kurfürst von Köln, in Peine die „von der katholischen Religion abgeirrten Schafe wieder in die Herde zurückzuführen.“

Das Ergebnis seiner 14-monatigen Fleiß- und Forschungsarbeit stellte der leidenschaftliche Lateiner - „Es ist eine herrliche Sprache und das meine ich ernst!“ - auf Einladung des Kreisheimatbundes im Kreismuseum vor gut 100 Zuhörern vor.

„Ozean an Informationen“ nennt Stoll das, was ihm die Kapuziner in ihren Aufzeichnungen in „überwiegend schlichter Sprache“ geliefert haben, die „mit klassischem Latein nicht vergleichbar ist“.

Aber wenn Stoll eintaucht in seinen Ozean an Informationen, dann spritzt es nur so vor Jahreszahlen, da schäumt der Religionskrieg und da wogt es nur so vor Spektakel. „Reine Freude“ habe Stoll bei seiner Arbeit empfunden, lässt er immer wieder durchblicken, deckt - ganz Latein-Pauker - mit spitzer roter Feder „missglückte Vokabelkenntnis“ auf, freilich, ohne sich daran festzuhalten.

Spannend seine Zitate über glänzende Fronleichnamsprozessionen mit Kanonendonner und deren tragische Folgen, über Alltagssorgen der Brüder, ihre freundschaftlichen Zusammentreffen mit „Nichtkatholiken“ und besonders natürlich über spektakuläre Stadtgeschichte.

Die Enthauptung eines 13-jährigen Mädchens am 19. Februar 1671 etwa, das - absichtlich oder nicht - einen Bauernhof in Flammen aufgehen ließ, der Verkehrsunfall mit vier Toten vom 28. April 1687 oder das zermürbende Kirchenasyl von 1749.

Aber auch das angeblich Unscheinbare wie Wetterbeobachtungen über Schneefall im September, kalte Winter mit vom Himmel fallenden Vögeln oder nebenbei vermerkte Landschaftsbeschreibungen - es sind die vielen unterschiedlichen Horizonte, auf die man bei der Lektüre - je nach Interessenlage zuwandert: Das damals angeblich schlechte Peiner Bier beispielsweise, dem die Ordensbrüder mit einem selbst gebrauten Gegenentwurf begegnen, die Sympathie und Hilfsbereitschaft, mit der Peiner „Nichtkatholiken den katholischen „Missionaren“ begegnen, auf Beschreibungen der Liturgiefeiern, des mönchischen Regelwerkes oder die Aufzählung kriegerischer Ereignisse und Unwetter: „Die Natur hat Schaudern über unsere Zeit bekommen“. Und Stoll über die Handschriften. Aber er hat sie besiegt.

uj

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