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Freitag: Peiner bogen sich vor Lachen

Peine Freitag: Peiner bogen sich vor Lachen

Peine . Ein Kellerraum, alte Farbeimer, Malerzubehör und jede Menge Kisten: Thomas Freitag war auf der Suche nach einem Schreiben von 1972 für die Rentenversicherung. Dieses Problem kannten sicherlich die meisten der Zuschauer im ausverkauften Forum, die am Freitagabend zum politischen Kabarett „Nur das Beste“ von Thomas Freitag gekommen waren.

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Thomas Freitag: Auf der Bühne im Peiner Forum...

Quelle: rb

Er habe auch schon im Kanzleramt angerufen, aber es sei nur der Pförtner am Hörer gewesen. Aber so sei das in einer Demokratie. Alles sei geregelt, aber nichts sinnvoll.

„Ich habe von einer 105-Jährigen gehört. Die sollte zur Schule gehen, schließlich sei sie im Jahre 99 geboren worden. Nach drei Schreiben war das Problem gelöst, aber erst nachdem sich ihre Eltern beschwert hatten“, verballhornte Freitag den deutschen Staat.

Und es kam noch besser: „Nur weil der Oberministrant 60 geworden ist, macht man ihn doch nicht gleich zum Bischof“, nahm Freitag Stellung zu Rainer Brüderle, dem Vorsitzender der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag. Das Publikum war begeistert.

„Es wäre alles so traurig, wenn wir nicht die Familienministerin hätten“, ironisierte Freitag weiter. „Und aus PR-Gründen hat sie ein Baby bekommen. Aber Merkel wird das schon mal halten, und Westerwelle wird ihm Englisch beibringen.“ Das Publikum konnte sich kaum noch halten vor Lachen.

Geschickt schwenkte Thomas Freitag zum nächsten Sarkasmus über: Im Umzugskarton fand er ein Kinderfoto von sich. Das ließ ihn an die Beichten in seiner Kindheit denken. Er habe immer eine Sünde erfunden, weil ihm keine eingefallen sei.
Als er die Situation nachstellte, saß er auf einem Farbeimer, und ein Malergitter stilisierte den Beichtstuhl. Mithilfe dieser kleinen Anekdote ging es weiter zur Frustration der heutigen Pfarrer.

Und als einer von diesen ihm im Beichtstuhl seinen ganzen Frust erzählt hatte, vergaß Freitag seine eigentliche Beichte und nahm dieselbe wie früher: „Ich habe meinem Freund vor’s Schienbein getreten.“ Freitags Humor kam an: Die Zuschauer bogen sich vor Lachen.

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PAZ-INTERVIEW:
Kabarettist - Irgendwann bei sich selbst ankommen

Am Freitag gastierte der bekannte Kabarettist und Schauspieler Thomas Freitag im ausverkauften Peiner Forum. Kurz vor seinem Auftritt hat er sich die Zeit für ein Interview mit der PAZ genommen.

Kennen Sie Peine schon ein bisschen? Wie oft waren Sie schon hier?
Ich war schon zweimal hier und kenne auf jeden Fall mehr als den Veranstaltungsort. Heute bin ich direkt aus Hamburg angereist. Hier ist immer ein tolles Publikum, und die Stadt ist sympathisch. Morgen werde ich gleich noch einige Dinge in der Stadt einkaufen.

Was ist für Sie im Moment das wichtigste Thema, mit dem Sie sich befassen?
Ganz klar die Finanzkrise. Es verblüfft mich, dass es anscheinend nicht möglich ist, einfachste Zusammenhänge zu begreifen. Man kann Griechenland nicht helfen, indem man Geld gibt. Das hilft nur dem Euro, dessen Nutznießer wir hier in Deutschland sind.

Welche Persönlichkeiten reizen Sie besonders zu Satire?
Es müssen Leute sein, die Gewicht haben und die Entscheidungsträger sind – im Prinzip alle Regierenden von der Kanzlerin abwärts. Ich finde, die könnten schon ein bisschen mehr machen, dafür dass sie gewählt sind, aber es kommt sehr wenig. Bestes Beispiel ist doch der Gesundheitsminister, der schon wieder ein Reförmchen machen möchte. Das kann doch gar nicht funktionieren, wenn man nicht zum Beispiel die Pharma-Industrie an den Kosten beteiligt.

Was ist die größte Herausforderung für Sie?
Der Kulturverlust! Die Lebenskultur geht immer mehr verloren und wir haben den infantilen Hang, alles mit Geld kaufen zu wollen. Eltern kaufen sich frei von der Pflicht zur Erziehung ihrer Kinder, der Staat von der Pflicht, eine Haltung zu haben. Eine Gesellschaft, die nur noch von Kohle zusammen gehalten wird, kann nicht gut sein. Das ist eine Wirtschaftsdiktatur, in der die politische Klasse nur noch Possentruppe zum Zeitvertreib ist.

Haben Sie schon Pläne für ein neues Programm?
Ja, das wird im nächsten Herbst fertig sein. Nachdem ich mich nun jahrelang an Sachthemen abgearbeitet habe, wird es dann etwas philosophischer.

Verraten Sie uns, wie Sie ihre Freizeit gern verbringen?
Ich bin gern auf dem Wasser und Skipper geworden. Dabei kann man wunderbar dem Größenwahnsinn der Bühne die Demut vor dem Wasser entgegensetzen. Demut – ein wunderbares Wort, mit dem aber wohl heute kaum noch jemand etwas anfangen kann.

Schenken Sie uns abschließend noch ihr Lebensmotto?
Irgendwann bei sich selbst ankommen!

Interview: Dr. Nicole Laskowski

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