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Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren

PAZ-Interview mit Kreis-Sozialdezernent Dr. Detlef Buhmann Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren

Kreis Peine. Kaum ein anderes Thema schlägt derzeit mehr Wellen als die Flüchtlingspolitik. In einer „Hauruck-Aktion“ verteilt das Land derzeit zusätzlich mehr als 3000 Flüchtlinge auf die Kommunen. Der Landkreis kritisierte diese ohne Absprache erfolgte Verteilaktion.

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Sozialdezernent Dr. Detlef Buhmann.

Quelle: A

Die PAZ sprach mit Kreis-Sozialdezernent Dr. Detlef Buhmann über die Situation der Flüchtlinge im Landkreis.

Wie stellt sich die Lage der Flüchtlinge aktuell dar?

Bisher ist es gut gelungen, alle ankommenden Flüchtlinge, etwa in den Gemeinschaftsunterkünften im Lehmkuhlenweg, der ehemaligen PTC-Halle, in Groß Lafferde sowie in gemeindeeigenen und privaten Wohnungen unterzubringen. Wenn die Zahl der Flüchtlinge weiterhin steigt, wird es allerdings in 2016 eng mit den räumlichen Kapazitäten. Für die nächsten Monate bedarf es daher einer vorausschauenden Planung, denn wir wollen die Flüchtlinge menschenwürdig unterbringen und den Bau von Containern ebenso vermeiden wie die Nutzung von Turnhallen.

Wie reagieren die Peiner auf die Flüchtlinge?

In der Bevölkerung stellen wir eine große Hilfsbereitschaft fest, und wir haben viel ehrenamtliches Engagement. Dass das so gut funktioniert, darauf dürfen wir richtig stolz sein. Das vielfältige ehrenamtliche Engagement wollen wir noch stärker bündeln und mit den professionellen Hilfen verzahnen. Diese Aufgabe wird Emime Öztürk übernehmen, gerade beim Landkreis frisch eingestellt für Migration und Teilhabe.

Wie lange werden die Flüchtlingen bleiben?

Viele der Flüchtlinge werden lange Zeit oder auf Dauer bei uns bleiben. Wir werden uns darum kümmern, dass ihre Integration gut gelingt. Viele der Flüchtlinge, nicht nur die aus den Balkanstaaten, werden uns aber auch wieder verlassen. Ohne eine abgestimmte Asylpolitik und ohne beschleunigte Asylverfahren werden Unterstützer und Helferkreise frustriert, wenn sie erfahren, dass ihre Integrationsbemühungen ins Leere laufen. Hier liegt politisch noch einiges im Argen.

Der Zustrom der Flüchtlinge sorgt aber auch für Probleme und ruft Ängste hervor.

Ein Zustrom von Flüchtlingen in diesen Dimensionen verläuft niemals glatt. Er ruft immer auch Spannungen, Ängste und Konflikte hervor. Denken Sie doch an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Herausforderungen hat man damals gemeistert, und bisher haben wir die Situation im Landkreis auch ganz gut hinbekommen.

Was hat der Landkreis Peine bisher unternommen?

Eine ganze Menge. Wir bezahlen die in der Stadt und in den Gemeinden für die Asylbewerber tätigen Sozialpädagogen und begleiten deren Arbeit. Wir haben dezentral in der Stadt und den Gemeinden Deutschkurse eingerichtet, und wir haben den Kommunen Mittel zur Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit zur Verfügung gestellt. Wir finanzieren den Einsatz der Kulturdolmetscher und haben die Beratungskapazitäten der Caritas aufgestockt, sowie runde Tische und Patenschaften angeregt. Und mit alledem sind wir als Kreis in Vorleistung gegangen, da die Mittel von Bund und Land bei uns noch nicht angekommen sind.

Wo ist dringender Handlungsbedarf?

Die Asylverfahren dauern bis zu zwei Jahre. Das ist viel zu lang. Wir würden gern eine elektronische Gesundheitskarte einführen, aber dafür brauchen wir das Land. Wir müssen die Deutschkurse intensivieren, denn Voraussetzung für berufliche und gesellschaftliche Integration ist die Kenntnis der deutschen Sprache. Die Arbeitsaufnahme muss erleichtert werden, darauf dringen auch Wirtschaft und Handwerk. Denn es ist doch besser, wenn Asylbewerber mit Bleibeperspektive in unsere Sozialkassen einzahlen, als wenn sie Leistungen aus unseren Sozialsystemen erhalten.

Was sind die nächsten Schritte hier im Landkreis?

Als nächstes wollen wir unser Augenmerk auf die 18- bis 25-Jährigen legen, herausfinden, welche Qualifikationsprofile sie haben und anschließend mit dem Handwerk und anderen aus der Wirtschaft darüber reden. Denn wir wissen, ohne Einwanderung können wir langfristig unseren Wohlstand nicht halten. Ferner wollen wir uns um die Vier- bis Fünfjährigen kümmern, um deren Kita-Besuch, damit sie mit ausreichenden Deutschkenntnissen zur Schule kommen.

Interview: Thorsten Pifan

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