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Flucht nach Peine: Afghaninnen lernen am Ratsgymnasium

Peine Flucht nach Peine: Afghaninnen lernen am Ratsgymnasium

Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, ohne die Kultur zu kennen und ohne einen einzigen Freund sind Arzoo und Nilofar Yousofi vor einem Jahr nach Deutschland gekommen. Die beiden Teenager mussten flüchten aus ihrer krisenerschütterten Heimat Afghanistan. Jetzt leben sie in Peine - und büffeln fürs Abitur.

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Neu in Peine: Nilofar (links) und Arzoo Yousofi fühlen sich wohl, auch am Ratsgymnasium.

Quelle: mic

Bombenangriffe, das ständige Rattern von Maschinengewehren, Blut - all das haben die 14-jährige Nilofar und ihre ein Jahr ältere Schwester Arzoo noch immer im Kopf. Die Bilder und die Schreie, der Terror und die Angst waren in ihrer Heimatstadt Kabul Alltag.

Vor genau einem Jahr dann beschloss ihre Familie, nach Deutschland zu flüchten. Dorthin, wo bereits die ältere Schwester Tamana (23) lebt, dorthin, wo Krieg und Terror nicht das Leben bestimmen. Nach einigen Wochen in Berlin und im Auffanglager Friedrichstadt zog Familie Yousofi nach Peine. Mit dabei Tamanas Zwillingsbruder Fardien und der kleine Ferdaus (11), der seit dem Herbst die Wallschule besucht.

„Es ist erstaunlich, wie schnell sich die Mädchen eingelebt haben und welche Leistungen sie in der Schule erbringen“, sagt Jan Eckhoff, Schulleiter des Ratsgymnasiums. Dort besuchen Arzoo und Nilofar, die auch gerade das Schwimmen erlernt haben, die siebte Klasse. „Wir haben nach unserer Ankunft in Peine sofort Deutschunterricht bekommen“, erzählt Arzoo. Die Caritas Peine ermöglichte den Kindern der Familie die Sprachförderung, denn einen Rechtsanspruch auf einen Integrationssprachkurs hat die Familie nicht, da das Asylverfahren noch läuft.

Mit Hilfe der Förderung waren die beiden binnen kürzester Zeit reif fürs Gymnasium. Seit September nun pauken Nilofar und Arzoo am Ratsgymnasium Mathe, Bio und Co. „Die deutsche Grammatik ist ziemlich schwer“, gibt Arzoo zu. Sprachintensive Fächer wie Politik und Geschichte fallen den Schwestern daher noch schwer. „Aber in Mathe und Kunst sind beide sehr begabt“, sagt Studiendirektorin Gabriela Fellmann. Und in einem Punkt sind sich Arzoo und Nilofar mit ihren Mitschülern schon ganz einig: „Am besten gefällt mir die Pause“, sagt Nilofar etwas verlegen. „An afghanischen Schulen gibt es das nicht.“

In ihrer Heimat haben beide eine Mädchenschule besucht - ohne Tische und Stühle und mit zum Teil prügelnden Lehrern. In Peine angekommen, sind die beiden schüchternen Mädchen aber noch immer sehr diszipliniert. „Ich möchte Medizin studieren“, begründet Arzoo ihren Fleiß. Die kleine Schwester lernt, um einmal Zahnärztin werden zu können.

Doch zuerst kommt das Abitur - und darauf können sich die beiden Mädchen, deren Vater in Afghanistan als Kfz-Mechaniker und die Mutter als Näherin gearbeitet hat, nun in aller Ruhe vorbereiten. „Am Anfang war ich krank vor Angst, dass wir nicht in Deutschland bleiben dürfen“, schildert Arzoo. „Ich vermisse meine Freunde. Doch die Taliban wollen meine Familie töten, deshalb können wir nicht zurück.“

ju

Nach Jahren des Bürgerkriegs ergriffen im Jahr 1996 die Taliban die Macht in Afghanistan. Das Land sollte zu einem Gottesstaat werden: Musik, Sport, Bilder und Fernseher wurden verboten. Die meisten Schulen und Universitäten wurden geschlossen. Frauen konnten sich fortan nur in Ganzkörperverschleierung und männlicher Begleitung auf die Straße wagen.

Dem internationalen Terrorismus boten die Taliban Unterschlupf: Die Anschläge vom 11. September wurden in Afghanistan geplant. Als Reaktion griffen im Oktober 2001 die USA und Großbritannien das Land an und stürzten gemeinsam mit der Nordallianz das Taliban-Regime. Über 40 Länder beteiligen sich seitdem am Wiederaufbau Afghanistans: Staatliche Strukturen sollen geschaffen, Schulen, Straßen und Krankenhäuser gebaut werden.

Deutschland hat versprochen, vor allem beim Aufbau der afghanischen Polizei und Armee zu helfen. Mit rund 3500 Bundeswehr-Soldaten stellt Deutschland das drittgrößte Kontingent an der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF). Doch immer wieder erschüttern Anschläge der Taliban das Land. Mit ihrer Terror-Strategie des „Mordens und Zerstörens“ wollen sie die afghanische Bevölkerung einschüchtern, im Westen Zweifel am Sinn der Afghanistan-Mission schüren und die Macht im Land zurückerobern.

bpb

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