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Flashmob: Peiner zeigten Solidarität mit "ihrem" Härke

Peine Flashmob: Peiner zeigten Solidarität mit "ihrem" Härke

Große Unterstützung für die Privatbrauerei Härke, die heute vor einer Woche einen Insolvenzantrag gestellt hat (PAZ berichtete). Bei einem Flashmob, einem spontanen Treffen nach einem Aufruf im Internet, kamen gestern viele Härke-Fans auf den Brauerei-Hof, um sich aus Verbundenheit zu dem Unternehmen eine Kiste Bier zu kaufen.

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Brauerei-Chef Matthias Härke freute sich am Freitag über die Solidarität vieler Peiner.

Quelle: pif

Die beiden Geschäftsführer Martin und Matthias Härke gaben persönlich die Kisten an die Kunden aus. Doch auch einige der Härke-Mitarbeiter unterstützten die Aktion und machten gestern Nachmittag freiwillig Überstunden.

Matthias Härke zeigte sich erfreut über den Aufruf und auch über die vielen warmen Worte, die viele Kunden beim Kauf der Kiste der Familie Härke mit auf den Weg gaben. So lud ein Vertreter der Junggesellschaft Abbensen die Härkes sogleich wieder für das kommende Schützenfest in der Ortschaft ein. „Für uns gibt es nur Härke, sonst nichts“, sagte er.

Solidarisch mit dem Traditionsunternehmen zeigten sich auch die beiden Landtagskandidaten Matthias Möhle (SPD) und Christoph Plett (CDU). Auch Bürgermeister Michael Kessler ließ es sich nicht nehmen, nach dem Feierabend im Rathaus auf dem Weg nach Hause noch einen Kasten Härke mitzunehmen.

Im Internet besonders im sozialen Netzwerk Facebook rollt weiter eine Solidaritätswelle für das heimische Peiner Bier. Einige Härke-Fans, die gestern keine Zeit hatten, zeigen dort Bilder von Kisten, die sie im Supermarkt erstanden haben, um beim gestrigen Flashmob zumindest in Gedanken dabei gewesen zu sein.

pif

Kommentar

Von Thorsten Pifan

Härke verbindet

Viele Peiner kamen gestern auf den Hof der Härke Brauerei, um sich aus Solidarität mit dem Traditionsunternehmen eine – oder vielleicht sogar zwei – Kiste(n) Bier zu kaufen. Das ist wichtig in der Krise.

Wir Peiner können stolz sein auf die Brautradition in unserer Stadt. Und wir können stolz sein auf „unser“ Bier, das uns bei vielen Gelegenheiten verbindet. Aber wir müssen weiter zu unserem Bier stehen – auch an der Ladenkasse.


Interview mit Michael Scherer vom Brauer-Verband

„Harter Wettbewerb auf dem Biermarkt“

Der deutsche Bier-Markt ist stark umkämpft. Vor allem mittelständische Brauereien haben es schwer – besonders in unserer Region. Eine Analyse von Michael Scherer, Geschäftsführer der Sozietät Norddeutscher Brauereiverbände.

Die Insolvenz der Privatbrauerei Härke wird vor allem mit dem hart umkämpften Bier-Markt begründet. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Eine mittelständische Brauerei wie die Privatbrauerei Härke steht mit ihren Vertriebskanälen dauerhaft im Wettbewerb mit regionalen und insbesondere nationalen Anbietern. Härke kann zum Beispiel weniger in die Gastronomie investieren als größere Brauereien. Und dort sinken zudem seit Jahren die Umsätze, weil sich die Trink- und Ausgehgewohnheiten geändert haben. Da macht sich auch der demografische Wandel bemerkbar.

Härke verkauft aber auch Flaschen für den Endverbraucher.

Dieser Markt ist genauso schwierig. Es herrscht ein harter Wettbewerb, der nicht nur von den Brauereien forciert wird. Die Vollsortimenter und die Discounter bestimmen oft den Preis. Um als Produkt gelistet zu sein und auch für die Platzierung in den Märkten müssen die Hersteller oft zusätzlich bezahlen. Das können große Brauerei leichter leisten als mittelständische Hersteller.

Welche Vorteile haben die großen Brauereien?

Sie produzieren eine viel größere Menge Bier, haben aber im Vergleich zum Ausstoß wesentlich geringere Personalkosten. Zudem können sie Rohstoffe wie Malz weitaus günstiger einkaufen, weil sie größere Mengen abnehmen. Bei Härke spielt aber auch die besondere Lage in der Region Hannover-Braunschweig eine entscheidende Rolle.

Welche Auswirkungen hat denn der Standort auf die wirtschaftliche Lage einer Brauerei?

Die Privatbrauerei Härke muss nicht nur gegen die großen Wettbewerber, die sogenannten Fernsehbiere bestehen. Sie hat auch regionale Konkurrenz – gerade in der Region. Im Frankenland oder im Allgäu gibt es regionale Brauereien, deren Marktanteil deutlich höher ist, weil die Konkurrenz nicht so groß ist.

Spielt auch die Betriebsgröße der Härke Brauerei eine Rolle?

Ganz sicher. Kleine Gasthaus-Brauereien haben ganz andere Vertriebswege, weil sie direkt an den Endverbraucher verkaufen. Deshalb sind sie vom Preiskampf auf dem Markt weitgehend unberührt. Diese Brauereien haben keine Fassabfüllung für andere Gastronomiebetriebe und verkaufen keine Flaschen über den Einzelhandel. In Deutschland gibt es rund 1300Brauereien. Diese Zahl ist seit Jahren konstant. Auffällig ist jedoch, dass die Zahl der ganz kleinen Brauereien steigt, während die Zahl der mittelständischen Brauereien stetig zurück geht.

Haben mittelständische Brauereien also keine Chance mehr?

Es gibt mittelständische Brauereien, die gutes Geld verdienen. Wichtig ist, dass sie verstehen, die Kunden regional zu binden. Da muss ihre Stärke liegen, indem sie lokale Vereine fördern oder attraktive Veranstaltungen organisieren und den Schwerpunkt ihres Vertriebs auf die Heimat konzentrieren und das gleiche Kostenbewusstsein an den Tag legen, wie Großbrauereien.

Interview: Thorsten Pifan

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