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„Es ist wichtig, die Erinnerung an den Krieg und seine Schrecken lebendig zu halten“

Spezial: U-Boot-Fahrer im Zweiten Weltkrieg „Es ist wichtig, die Erinnerung an den Krieg und seine Schrecken lebendig zu halten“

„Die Zeitzeugen sterben aus“, sagt Heinrich Ruhe nachdenklich. „Daher ist es wichtig, die Erinnerung an den Krieg und seine Schrecken lebendig zu halten.“ Vor 66 Jahren ist Ruhe aus der Kriegsgefangenschaft in England nach Deutschland und in seine Heimatstadt Peine zurückgekehrt. Er war U-Boot-Fahrer. Über die Zeit von Mai 1945 bis Dezember 1948 hat der heute 89-Jährige Tagebuch geführt.

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Zeitzeuge: Der 89-jährige Heinrich Ruhe mit seinen Aufzeichnungen.

Quelle: jti

„Ich habe 24 Exemplare gemacht, vorrangig für die Familie, aber einige gehen auch nach Amerika, England und Frankreich. Sein drei Jahre älterer Bruder Hermann, ebenfalls U-Boot-Fahrer, kam nicht aus dem Krieg zurück. Er starb bei der Versenkung von „U 352“ am 9. Mai 1942 vor Cap Lookout an der amerikanischen Ostküste.

Im April 1937 hat Ruhe zum ersten Mal ein U-Boot gesehen und war begeistert. Es war „U 5“ von der Flotille „Weddigen“. „Ich war fasziniert von der Technik auf einem U-Boot, es gibt Chemie, Physik und Mechanik, dies waren meine Beweggründe zur Marine zu gehen“, sagt Ruhe, der nach dem Krieg die betriebliche Ausbildung im Stahlwerk bei P+S geleitet hat.

Ruhe wurde als Obergefreiter Besatzungsmitglied auf „U 963“, einem sogenannten Atlantikboot, das am 30. Dezember 1942 in Hamburg vom Stapel lief und am 17. Februar in Dienst gestellt wurde. Neun Feindfahrten wurden unternommen im Atlantik, in der Biscaya und der irischen See, aber kein Schiff versenkt. „Wir haben vier Torpedos abgeschossen, ohne Erfolg – zum Glück“, sagt Ruhe. Ironie des Schicksals: Am 20. Mai 1945 ließ der damalige Kommandant Wentz „U 963“ bei Nazaré vor der portugiesischen Küste selbst versenken. „Wir wussten wegen technischer Ausfälle auf unserem Boot noch nicht, dass der Krieg vorbei war und es sollte nicht dem Feind in die Hände fallen“, schildert Ruhe.

„Im Mai 1945 wurde ich in Portugal interniert, obwohl das Land neutral war“, erinnert sich der heute 89-Jährige an die große Enttäuschung. Über das Militärgefängnis in Gibraltar kam er zunächst ins Camp 196 bei Coventry und später ins Camp 93 bei Durham. Die meiste Zeit bis Dezember 1948 arbeitete er auf einer Farm in Edmundbyers. Die Arbeit war hart, manche Umstände nicht einfach, aber das Positive überwog für Ruhe. Er beschäftigte sich intensiv mit Landwirtschaft und Pädagogik. Es wurden Freundschaften geschlossen, und noch heute bestehen Kontakte nach England. Ruhe: „Viel hat sich verändert, deutsche und englische Urenkel treffen sich im Internet und spielen gemeinsam Playstation.“

jti

„Es gibt kein Grab für Hermann Ruhe und kein Kreuz“

Peine. Am 9. Mai 1942 ist Heinrich Ruhes älterer Bruder Hermann im Alter von 20 Jahren vor Cap Lookout an der amerikanischen Ostküste gefallen, als der US-Kutter „Icarus“ das deutsche U-Boot „U 352“ versenkte. Von den 45 Mann Besatzung kamen 33 mit dem Leben davon. 50 Jahre später im Jahr 1992 suchte Heinrich Ruhe die Stelle im Atlantik auf, wo das U-Boot-Wrack in 35 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund liegt, und übergab einen Kranz an die Fluten. „Es gibt kein Grab für Hermann Ruhe und kein Kreuz“, hieß es seinerzeit in der PAZ, die über den Besuch in den USA berichtete.

Bei Heinrich Ruhe waren 1992 die amerikanischen Marine-Veteranen Ted Leland und Walter Bryle, der Funker auf der „Icarus“ war. Aus den Feinden von einst wurden Freunde, denen es darum ging, aus dem Krieg zu lernen und deutlich zu machen, dass es keine Kriege mehr geben darf.

Das Treffen wurde von amerikanischer Seite perfekt organisiert und fand auch in der US-Presse Beachtung. Bei vielen offiziellen Anlässen fassten sich die ehemaligen Kriegsgegner bei den Händen, bildeten Menschenketten gegen den Krieg und in ehrendem Gedenken an Männer wie Hermann Ruhe.

Gefunden wurde das Wrack von „U 352“ im Jahr 1975 vom Hobbytaucher und Fotoreporter Ed Caram. In seinen Dokumentationen griff er auch auf Bildmaterial und Informationen von Heinrich Ruhe zurück.

jti

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