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Erinnerungen an den Gründer der Ilseder Hütte

Gerhard Lucas Meyer Erinnerungen an den Gründer der Ilseder Hütte

Am 30. Dezember 1916 starb Gerhard Lucas Meyer, der Gründer der Ilseder Hütte und Initiator des Peiner Walzwerkes. Der Peiner Adolf Stöhr recherchierte über das Leben des Visionärs. Die PAZ widmet ihm eine vierteilige Serie.

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Diese historische Aufnahme zeigt das Ilseder Hüttengelände.

Peine. Ungewöhnliche Karrieren entwickeln sich oft in unscheinbaren Gegenden. Als sich am 6. Mai 1830 im nordholländischen Zype bei Burgerbrug der deutsche Tuchhändler Johann Gerhard Meyer und seine Ehefrau Anna Margaretha über die Geburt ihres Sohnes Gerhard Lucas freuten, ahnte niemand, welche wahrhaft ungeheure Bedeutung dieses Kind besonders für das Peiner Land und seine Bewohner bis heute haben würde.

Dabei lebten die Meyers trotz ungebrochenen Fleißes in eher dürftigen sozialen Verhältnissen. Acht Jahre vor Gerhard Lucas Geburt waren die Eheleute aus ihrer deutschen Heimat Berge im Landkreis Bersenbrück ins Ausland umgesiedelt, weil sie hofften, die in ihrer heimatlichen Weberei erzeugten Stoffe in Nordholland besser verkaufen zu können. Die Landschaft, in der Gerhard Lucas mit seinen beiden Brüdern und der Schwester aufwächst, beschreibt er als „schrecklich einförmig“. Aber die Meyer-Kinder genießen ihre Freiheiten in diesem von Landschaft und Natur geprägten Gebiet. Besonders Mutter Meyer gab ihr tiefes Gottvertrauen an ihre Kinder weiter und legte, wie ihr Mann, größten Wert auf eine streng konservative Erziehung.

Beide vermittelten ihren Sprößlingen Frömmigkeit, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft und legten damit offenbar den Samen auch für die soziale Verantwortung, für die Gerhard Lucas im Peiner Land bis heute sprichwörtlich steht.

Der Junge erweist sich indessen als das, was man heute womöglich als hochbegabt bezeichnen würde. Mit vier Jahren wird er einer von 100 Schülern einer primitiven einklassigen Dorfschule in Burgerbrug, die ihn aber zu erstaunlichen Leistungen bringt.

Die Bibel dient als Lesebuch, als Elfjähriger zieht er Quadrat- und Kubikwurzeln. In seinen Lebenserinnerungen erwähnt Gerhard Lucas seinen Lehrer Meester Jan als einen „ganz vorzüglichen Schulmeister“, der sieben Jahre das zarte Pflänzchen Bildung hegte und pflegte, das in späteren Schul- und Studienjahren reichlich aufgehen sollte.

Aber die Meyers hält es nicht mehr in der nordholländischen Einöde. Gerhard Lucas ist elf Jahre alt, als die Familie besonders auf Mutters Drängen wieder nach Berge umsiedelt. Vater Meyer führt dort mit seinem älteren Sohn die Weberei weiter, Gerhard Lucas hilft dabei und bei der Feldarbeit und pflegt dort seine Naturverbundenheit, die ihn sein Leben lang begleitet.

Zur Schule muss er trotzdem. Es ist eine Privatschule, auf die ihn seine Eltern für noch weitere vier Jahre schicken. Der Schulbesuch endet mit der „Confirmation“, an die sich der inzwischen 15-Jährige als an ein noch nie erlebtes „gottseliges, freudiges Gefühl“ erinnert, „als ich zum ersten Mal zum Tisch des Herrn trat“.

Dass aber der Abschluss der Privatschule nicht das Ende des Bildungsweges gewesen sein konnte, versteht sich von selbst. Während er, „um nicht müßig zu sein“ beim Amtsvogt Abschreibearbeiten erledigt, erkennen seine Eltern die technischen Begabungen ihres Jungen. Er wird Student am Polytechnikum in Hannover.

Was sich aus heutiger Sicht leicht liest, ist für Gerhard Lucas der Beginn eines Abenteuers. Mit Samtrock und 80 Reichstalern in Silber macht er sich auf den durch deutsche Kleinstaaterei zerklüfteten Weg, wird an nicht weniger als vier Zollgrenzen genauestens durchsucht und steht am Ende doch mittellos am Ziel.

Wie erwartet, arbeitet er sich sehr interessiert durch das Studium, das allerdings immer wieder durch Wirren, Aufstände und Kämpfe der 1848 ausbrechenden deutschen Revolution unterbrochen und 1849 endgültig verhindert wird. Die bis dahin erreichte gesellschaftliche und technische Bildung kann Gerhard Lucas jedoch niemand mehr nehmen, als er im gleichen Jahr nach Berge zurückkehrt, um nach dem Selbstmord seines Bruders den Vater aus der kritischen Situation, in welche die Weberei inzwischen geriet, zu helfen.

Von Ulrich Jaschek

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