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Die grenzenlose Fabulierlust des Wladimir K.

Peine Die grenzenlose Fabulierlust des Wladimir K.

Bis ans Limit! Dieser Satz traf für die Lesung des russischen Autors Wladimir Kaminer in der Peiner Buchhandlung Gillmeister in doppelter Hinsicht zu: Mit 150 Gästen waren die Kapazitäten ausgereizt. Und auch die Lachmuskeln wurden gnadenlos beansprucht.

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Testete die Leistungsgrenzen der Lachmuskeln aus: „Russendisko“-Autor Wladimir Kaminer bei Gillmeister.

Quelle: cb

Peine . Aufgeregte Gespanntheit bei Gillmeister. 150 Gäste plaudern und kichern durcheinander, warten auf den russischen Autor, der diese haarsträubend-komischen Bücher schreibt. Und dann: Fahrstuhl kommt, die Tür zischt auf – da ist er: der Wahlberliner Wladimir Kaminer. Klein, drahtig, verschmitzt lächelnd. Kurze Laudatio und schon geht’s los.

Der Autor hat einen Stoß zusammengetackerte Skripte dabei. Viele ganz neue Geschichten, eine sogar vom selben Tag: Ein Brief an die Englischlehrerin seines Sohnes, die diesen beim Abschreiben erwischt hat. „Ich lese am liebsten meine aktuellsten Sachen“, erklärt er und dann geht es hinein in den absurden und völlig übergeschnappten Kaminer-Kosmos.

In der literarischen Welt des 43-Jährigen werden scheinbar unverdächtige Begebenheiten, wie ein Tagesausflug mit der Schulklasse seiner Tochter in den Kletterwald, zu einer überhitzten Revue hintergründiger Beobachtungen eines unbefangenen Schelmen, der die Hörer dazu zwingt, lachend die Absurdität deutscher Realität zu überdenken.

Da werden elterliche Einverständniserklärungen – ein Wort, dass es im Russischen nicht gibt – gefordert, für den Fall dass das Kind im Kletterwald zu Boden fällt und entzweigeht.
Auch zollt Kaminer den Lernleistungen der heutigen Jugend großen Respekt: „Sie können sich spielend große Datenmengen merken – das aktuelle Fernsehprogramm etwa und sind durch Computerspiele versiert im Umgang mit automatischen Handfeuerwaffen.“

Zur Höchstform läuft der Autor auf, wenn er über seine Kindheit in der Sowjetunion räsoniert. Etwa von Juri Gagarin, der während seines Weltraumfluges erklärte, die Welt sei doch ein Quadrat und würde von einer kolossalen Schildkröte geschleppt.

Es gibt haarsträubende Anekdoten seines russischen Landsmannes André, eines geselligen „Vorzeige-Integrierers“, der die „Big-Brother Formate“ als Spracherwerbesendung nutzt und Zeugen Jehovas wochenlang in seiner Wohnung einschließt, um mit ihnen über Gott und die Welt zu reden.

Nach zwei Stunden sind alle bedient, kaputt vom Lachen. Das Beste, neben dem Witz, sind die Bilder und Typen die Wladimir Kaminer vor den Augen der Hörer erschafft: sympathische Käuze, die man nicht vergisst und unbedingt kennenlernen möchte.

Björn Wulfes

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