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"Die Solidarität der Peiner bestärkt uns, weiter zu kämpfen"

Interview mit den beiden Härke-Geschäftsführern "Die Solidarität der Peiner bestärkt uns, weiter zu kämpfen"

Peine . Nach Bekanntgabe des Insolvenzantrags der Privatbrauerei Härke haben die Geschäftsführer Matthias und Martin Härke geschwiegen. Gestern stellten sie sich drängenden Fragen im großen PAZ-Interview.

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Im PAZ-Interview: Martin und Matthias Härke.

Quelle: A

PAZ: Dass sich die Härke-Brauerei in schwierigem Fahrwasser bewegt, war bekannt, wie ist es letztlich zu dem Insolvenzantrag gekommen?
Martin Härke: Die ganze Entwicklung war in den letzten Tagen sehr turbulent. Wir haben lange gekämpft und in den vergangenen Wochen und Monaten intensive Gespräche mit potenziellen Investoren geführt. Wir haben nach Möglichkeiten gesucht, wie es eventuell auch ohne Insolvenz geht. Am Ende haben wir erkannt, dass die beste Chance, das Unternehmen weiterzuführen, die Insolvenz ist. Wir wollen die Insolvenz als Instrument benutzen, um einen Neustart des Unternehmens hinzulegen. Die Insolvenz ist eigentlich nichts Ehrenrühriges - für uns ist es der Ausweg aus der Krise.
Matthias Härke: Man muss sagen, dass es für uns ja schon in den vergangenen Jahren ein harter Kampf war. Irgendwann war für uns der Zeitpunkt da, an dem wir erkannten: Wir können es nicht aus eigener Kraft schaffen, also suchen wir diese Sanierungsmöglichkeit.

PAZ: Sie nannten am Montag aussichtsreiche Verhandlungen mit einem möglichen Investor. Hat es sich dabei um Ihren Kooperationspartner, die Einbecker Brauerei gehandelt, bei der Peiner Bier auch abgefüllt wird?
Matthias Härke: Da Einbecker sich selbst schon geäußert hat, ist es kein Geheimnis mehr. Ja, wir haben Gespräche geführt.

PAZ: Warum hatten die Gespräche im Vorfeld keinen Erfolg, warum musste der Insolvenzantrag gestellt werden?
Martin Härke: Dazu möchten wir uns nicht äußern.  

PAZ: Es gab immer wieder Gerüchte, dass die Probleme hausgemacht sind. Als Beispiel wird die 2,5-Millionen-Euro-Investition ins neue Sudhaus vor vier Jahren genannt.
Martin Härke: Wir haben die Hälfte der Investition aus dem Eigenkapital bestritten und die andere Hälfte langfristig finanziert. Mit der neuen Technik haben wir 70 Prozent der Energiekosten eingespart, im Gesamtgasverbrauch macht das 30 Prozent aus. Mit den gesparten Energiekosten konnten wir die Tilgung und die Zinsen bezahlen. Die Technik des alten Sudhauses stammte aus den 1960er-Jahren. Wir hätten für die folgenden Jahre immense Reparaturkosten einplanen müssen.

PAZ: Viele sehen auch die Kooperation mit Einbecker als falsche Entscheidung. Dort werden jetzt die Flaschen abgefüllt.
Martin Härke: Um den eigenen Flaschenkeller mit der Abfüllung auf den heutigen Stand zu bringen, hätten wir fünf Millionen Euro investieren müssen. Solch eine Investition muss sich rentieren, das hat der stetig rückläufige Markt nicht hergegeben.

PAZ: Mit welchen Absatzverlusten hatten Sie denn in den vergangenen Jahren zu kämpfen?
Matthias Härke: Wir haben kontinuierlich vier bis fünf Prozent Hektoliter Absatz pro Jahr verloren. Das ist der Markttrend und geht schon seit Jahren so.

PAZ: Wie hoch ist Ihr aktueller Ausstoß und wie hoch war er zu Spitzenzeiten?
Martin Härke: Aktuell produzieren wir 60.000 Hektoliter Bier. 1972 hatte die Brauerei ihren größten Ausstoß, damals produzierten wir 200.000 Hektoliter.

PAZ: Es gibt auch immer wieder Kritik an den neuen Etiketten, die es seit 2010 gibt.
Martin Härke: Der Relaunch hatte weder negative noch positive Auswirkungen. Wir haben damals bewusst ein Retro-Design gewählt und den Schriftzug an das Härke-Logo aus den 1950er- und 1960er-Jahren angelehnt.

PAZ: Haben Sie sich selbst etwas vorzuwerfen?
Martin Härke: Im Nachhinein kann man sich das immer fragen. Wir können mit Fug und Recht behaupten, dass wir zu allen Zeiten vernünftige und richtige Entscheidungen getroffen haben - mit den gegebenen Mitteln natürlich.

PAZ: Welche Reaktionen haben Sie nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags bekommen?
Martin Härke: Wir haben viele Solidaritätsbekundungen erhalten. Das hat uns gerührt und wir sind sehr dankbar. Die Solidarität bestärkt uns, weiterzukämpfen. Unser Ziel ist, dass es die Marke Härke auch weiterhin gibt.

PAZ: Wie können die Peiner ihren Beitrag dazu leisten?
Matthias Härke: Indem sie beim Einkaufen zum heimischen Bier greifen. Wir haben in dem negativen Markttrend permanent versucht, Kosten zu sparen. Irgendwann ist aber das Ende erreicht.

PAZ: Welchen Einfluss haben Sie bei der Entscheidung, ob es einen Investor gibt und wer das sein wird?
Martin Härke: Darauf haben wir keinen Einfluss. Das entscheidet die Insolvenzverwalterin Karina Schwarz.

PAZ: Welche Aufgaben kommen jetzt auf Sie zu?
Martin Härke: Wir müssen viele Gespräche führen und die Zahlen aufbereiten. Danach kommen die strategischen Überlegungen. Dafür ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Insolvenzverwalterin notwendig. Dazu sind wir bereit. Zudem werde ich weiter als Braumeister tätig sein und mein Bruder weiter im kaufmännischen Bereich.

Interview: Dirk Borth und Thorsten Pifan

Wolters dementiert Übernahme-Gerüchte

Die angeschlagene Privatbrauerei Härke ist offenbar auch für Investoren aus dem regionalen Markt interessant. Zwar dementiert Peter Lehna, Manager des Hofbrauhauses Wolters aus Braunschweig, Übernahme-Gerüchte, er kann sich aber einen Know-how-Transfer vorstellen. Zuvor hatte die Einbecker-Brauerei Interesse an Härke geäußert (PAZ berichtete).

„Wir investieren am Standort Braunschweig zurzeit 12 Millionen Euro in eine neue Flaschenabfüllung. Das beschäftigt uns in den kommenden Jahren“, sagt Lehna. Als Investor bei Härke scheide Wolters daher klar aus. „Wir führen auch keine Gespräche mit Härke“, sagt er. Lehna kann sich aber vorstellen, Know-how nach Peine zu transferieren, wenn sich ein Investor von außerhalb findet.

So könnten Experten von Wolters behilflich sein, zu schauen, wo in Peine dringend investiert werden muss. „Zur rechten Zeit“ hätte er sich auch eine Kooperation mit Härke vorstellen können. „Es gibt viele Bereiche, auf denen regionale Brauereien zusammenarbeiten können“, betont Lehna.

Das gehe beim gemeinsamen Einkauf los. Da ließen sich viel bessere Preise erzielen. Es sei auch möglich, zusammen als Sponsor von Großveranstaltungen aufzutreten. „Es ist mir lieber, mit einem regionalen Partner gemeinsam aufzutreten als von den Großen der Branche ausgestochen zu werden“, sagt der Manager.

Im Gespräch ist auch die Privatbrauerei Wittingen, die vor zwei Jahren die Herrenhäuser-Brauerei in Hannover übernommen hatte. Holger Bock, kaufmännischer Leiter der Privatbrauerei, sagt: „Wir führen zurzeit mit keiner anderen Brauerei Gespräche.“ Ob er künftig Interesse an der Privatbrauerei Härke haben könnte, ließ er offen. „Wir müssen jetzt erst einmal abwarten, wie das Insolvenzverfahren anläuft – was morgen ist, kann ich nicht sagen.“

pif

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