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„Die Päpstin“: Eine Sternstunde des Theaters

Peine „Die Päpstin“: Eine Sternstunde des Theaters

Peine. Heute würde sie vermutlich auf Krankenkassen-Kosten eine Geschlechtsumwandlung durchführen lassen, um die bildungsferne Familie zu verlassen, sich wunschgemäß zu bilden und um die Karriere zu machen, die ihr als Frau (womöglich heute noch!) sonst versagt bliebe.

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Theater als Gesamtkunstwerk: Brillante Darsteller mit Holzkästen, die Requisiten und Kulisse gleichzeitig sind, versetzten das Publikum in eine geradezu starre Dauerspannung.

Quelle: Foto: im

Im Jahr 814 soll es der Legende nach eine Frau Johanna Anglicus besonders schwer gehabt haben. Als Mann „Johannes“ verkleidet habe sie es aber durch die Verkettung aberwitzigster Umstände sogar bis auf den heiligen Stuhl geschafft, wie Donna W. Cross in ihrem Bestseller über „Die Päpstin“ berichtet und es der gleichnamige popcornselige Kino-Historienschinken visualisiert.

In den Festsälen präsentierte nun „Theaterlust“ aus München unter der Regie von Thomas Luft seine zu Recht preisgekrönte Bühnenadaption - wobei nicht das „Was“ die Überraschung des Abends ist, sondern das „Wie“.

In der an sich trivialen Erzählung mit ihren diversen Verwicklungen, himmelschreienden Ungerechtigkeiten und der geradezu Brechreiz erregenden Bigotterie agieren die Mimen um Hauptdarstellerin Anja Klawun in ihren diversen Mehrfachbesetzungen brillant.

Geradezu berauschend für die Sinne ist jedoch der dramaturgische und darstellerische Rahmen, der wie auf Millimeterpapier von Geburt bis Tod inszeniert ist. Apropos Rahmen: In unterschiedliches Licht oder Video-Installationen getauchte offene Holzkästen sind Requisiten und Kulisse gleichermaßen, symbolisieren je nach Wahrnehmung Enge, Weite, und immer wieder diese untragbaren Bürden.

Die Darsteller leisten damit, darin und darauf ineinander verschmelzende, überlappende und getrennte Bewegungsmuster sowie Übergänge gleichsam zu einem Kanon aus Form und Bewegung, von Zeit und Raum, Licht und Kraft und versetzen das Publikum somit in eine geradezu starre Dauerspannung.

Georg Karger formt und verbindet unterdessen mit seiner modernen Musikkomposition und der Gambe als historischem und live dazu gespieltem Instrument sowohl die Dramaturgie als auch die Blickrichtung des Publikums über die Bühne hinaus - auf die derzeitige, ebenfalls von vielen als unerträglich empfundene Wirklichkeit.

Was sich in den knapp drei Stunden auf der Bühne abbildet, ist ein veritables, vor Kreativität und Symbolik überschäumendes und rhythmisch durchkomponiertes Gesamtkunstwerk aus unverzichtbar und stimmig miteinander verwobenen Elementen; ein Spiel aus Kraft, Bewegung, Form und Licht in dem praktisch jeder noch so unbedeutend erscheinende Part zur Hauptrolle aufstrebt, die sich dann mit unerhörter Spielfreude und Ausdruck füllt.

Der zunächst unsicher und brüchig scheinende Applaus steigert sich nach und nach in stürmisches und rhythmisches Klatschen.

Das Publikum hat verstanden: Eine Sternstunde des Theaters! Danke!

uj

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