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Die Huntetuk lässt’s krachen

Mittellandkanal Die Huntetuk lässt’s krachen

Eis splittert unter 100 Tonnen Stahl, ein Meter hohe Wellen schlagen an die Spundwände des Mittellandkanals. Der Eisbrecher Huntetuk und seine zwei Mann Besatzung sind bei Frost im Dauereinsatz. Wenn auf der längsten künstlichen Wasserstraße Deutschlands nichts mehr geht, kommen sie – und lassen es ordentlich krachen.

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Mit der Huntetuk, einem 50 Jahre alten Eisbrecher, halten die Kapitäne Johann Besener (rechts) und Günther Braasch, beide 71, den Mittellandkanal zwischen Braunschweig und Hannover befahrbar.

Quelle: cb

Peine . Eigentlich sind sie schon längst im Ruhestand. Doch die Minusgrade der vergangenen Wochen haben dafür gesorgt, dass die Kapitäne Johann Besener und Günther Braasch, beide 71, sowie die 50 Jahre alte Huntetuk vorübergehend wieder in Dienst gestellt wurden. Ihre Mission: Den Mittellandkanal eisfrei halten. Zwei Wochen lang ging das auf ihrem Abschnitt zwischen Hannover und Braunschweig gut.

Gestern war dann Schluss, die Eisdecke auf dem Kanal wurde zu dick, das Wasser- und Schiffahrtsamt in Braunschweig ließ den Verkehr auf der 324 Kilometer langen Wasserstraße komplett einstellen. Doch bis dahin hatten Besener und Braasch noch einige Dienststunden und Rettungseinsätze vor sich.

„Wir fahren hier hoch und runter, mehr müssen wir eigentlich nicht machen“, erklärt Besener, während er den Getriebehebel betätigt und der 800 PS starke Eisbrecher an der Schleuse bei Wedtlenstedt ablegt. Lose Eisschollen schwimmen auf dem Wasser. Hier gibt es wenig zu tun. „Da sind wir ja auch gerade schon mal lang“, sagt der 71-Jährige aus Elsfleth bei Oldenburg mit norddeutschem Akzent, lacht und zündet sich eine Zigarette an.

Die Brücke des 21 Meter langen und sechs Meter breiten Schiffes wirkt etwas in die Jahre gekommen. Riesige verchromte Anzeigetafeln, Uralt-Instrumente und abgenutzte Holzkonsolen kennzeichnen die Inneneinrichtung. „Die neueren Eisbrecher laufen natürlich komfortabler, aber der hier ist auch in Ordnung“, sagt Besener, der früher in der Hochseefischerei bei Grönland tätig war.

Bis zu 18 Stunden dauern die Einsätze der beiden Senior-Kapitäne. „Wir sind das gewohnt“, sagt Besener, der sich mit Kaffee und Zigaretten wach hält. An Bord gibt es außerdem immer etwas zu tun – ob an der Technik, auf dem Deck oder Essen zubereiten. Besener: „Als Schiffer ist man Mädchen für alles. Ich hab’ im Laufe der Jahre viel gerlernt. Außer Bügeln, das macht meine Frau.“
An der Gabelung Stichkanal Salzgitter/ Mittellandkanal wird der Eisbrecher plötzlich langsamer, die etwa 30 Zentimeter dicke Eisschicht bremst die Fahrt. „Jetzt merkt man, dass er arbeitet“, sagt Besener. Das Schiff verbraucht auch bei höchster Beanspruchung „nur“ 60 Liter Diesel pro Stunde. Die Zentrale meldet sich per Funk: Einsatz bei Braunschweig, ein Schiff steckt fest.

Besener wendet die Huntetuk neun Kilometer vor Peine. Doch wenige Minuten später hat sich die Sache erledigt. Ein anderer Eisbrecher, die „Seewolf“, die der Huntuk wenige Minuten zuvor entgegen gekommen ist, ist schon vor Ort. „Das geht hier manchmal den ganzen Tag so. Erst soll man dahin, dann dorthin, je nachdem wo’s brennt“, erzählt Besener. Neulich, nachdem er und sein Kollege schon ein paar Tage unterwegs waren und ein neuer Auftrag reinkam, winkten die beiden ab: „Wir müssen ja schließlich auch mal duschen und die Klamotten wechseln“, sagt der 71-Jährige und schmunzelt.

Wenn es die Gesundheit zulässt, wollen die beiden Kapitäne noch ein paar Winter Eisbrecher fahren, gestern, nach der 18-Stunden-Schicht, wollten sie aber nur nach Hause und schlafen.

mic

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