Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
„Deutschland kann sich nicht heraushalten“

Das aktuelle Interview „Deutschland kann sich nicht heraushalten“

„Nichts ist gut in Afghanistan“, sagte Dr. Margot Käßmann am Neujahrsmorgen in ihrer Predigt. Die hannoversche Bischöfin ist seit zwei Monaten Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die Debatte um die Predigt zieht weite Kreise. Fragen von PAZ-Chefredakteur Jörg Schmidt an die Superintendentin des Kirchenkreises Peine, Christa Gerts-Isermeyer.

Die Neujahrspredigt von Bischöfin Dr. Margot Käßmann löst zurzeit eine tief greifende Debatte aus. Wie stehen Sie als Superintendentin zur Debatte?

Ich weiß nicht, wer die Neujahrspredigt der Bischöfin wirklich gelesen hat. Ich habe sie gelesen. Es stand nichts drin darüber, dass sie den Abzug deutscher Soldaten aus Afghanistan fordert. Ich habe die Predigt so verstanden, dass sie dazu ermutigt, mehr Fantasie für den Frieden einzusetzen und für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen. Die Hoffnung auf Gottes Zukunft gibt schon hier und jetzt Mut dazu, schreibt unsere Bischöfin. Das sehe ich ähnlich. Unsere Soldaten sind doch nach Afghanistan geschickt worden - übrigens war der Beschluss schon im Jahr 2001 -, damit unter militärischem Schutz das verwüstete Land wieder aufgebaut werden kann: Krankenhäuser, Schulen, Polizei, Justiz, Sicherheitsdienste. Dabei ist es für die Politik und den Verteidigungsminister wichtig gewesen, dass dieser Einsatz zeitlich begrenzt werden soll. Auffällig ist jetzt allerdings, dass die militärische Präsenz zunehmend verstärkt wird. Und hier ist aus christlicher Verantwortung nachzufragen, ob damit alleine der Frieden erzwungen werden kann.

Wie sehen Sie das Verhältnis der evangelischen Christen zu einem Auslandseinsatz der Bundeswehr?

Evangelische Christen sind ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Wie Sie wissen, wird der Einsatz der Bundeswehr sehr vielschichtig diskutiert: es gibt Christen, die aus ihrer pazifistischen Überzeugung heraus den Einsatz ablehnen, und es gibt Christen, die aus ihrer Verantwortung heraus sagen, dass es richtig ist, weil Soldaten dort helfen können und Deutschland sich nicht aus der Verantwortung ziehen kann. Das ist evangelische Tradition, miteinander im Diskurs zu bleiben.
Ich sehe, dass Deutschland Teil der Weltgemeinschaft ist und Verantwortung trägt. Deutschland kann sich nicht heraushalten. Christen müssen aber aus ihrer Verantwortung heraus darüber nachdenken, wie die Weihnachtsbotschaft vom Frieden auf Erden umgesetzt und Wirklichkeit werden kann.
Wichtig für die evangelische Kirche ist, dass sie die Soldaten an ihrem Einsatzort durch ihre Seelsorger intensiv begleitet. Ich weiß, dass viele Soldaten dieses als eine große Unterstützung ansehen.

Wie beurteilen Sie den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan? Dort herrschen laut Verteidigungsminister zu Guttenberg kriegsähnliche Zustände, andere Politiker sprechen von Stabilisierungseinsatz.

Ich finde es schlimm, dass Soldaten in diesem Einsatz ihr Leben gefährden, verwundet werden und sterben müssen. Ich habe eine Familie begleitet und gemerkt, wie bedroht sie war, als der Vater in Afghanistan Dienst tun musste. Wir haben Gott gedankt, als er wieder da war.

Es ist wichtig, dass die Menschen in Afghanistan befreit werden von der Geißel und dem Schreckenssystem der Taliban. Ich denke auch gerade an die unterdrückten Mädchen und Frauen. Ich habe Sympathien dafür, dass zum Aufbau des Landes und zum Schutz der Menschen unsere Soldaten da sind. Aber ich muss auch sagen, dass der Luftangriff in Kundus wie ein Strategiewechsel wirkte. Ich finde es schwierig, wenn selbst die Verteidigungsminister nicht wussten, ob es ein Friedenseinsatz oder ein kriegsähnlicher Zustand ist.

Ich meine es geht darum, dass ein Weg eingeschlagen werden soll, der zum Frieden führt. Und darüber sollten wir uns intensiv auseinandersetzen. Jeder und jede ist hier gefordert.
In der politischen Debatte und auch im Beitrag der Bischöfin wird auf den Tod von Zivilpersonen abgehoben. Ist eine Unterscheidung zwischen Soldaten, Zivilisten und anderen ethisch vertretbar

Es ist schlimm, wenn Menschen durch Krieg getötet werden. Das soll nach Gottes Willen nicht sein. Ich möchte aber keine Unterscheidungen treffen. Jeder getötete Mensch ist eine Tragödie. Deswegen ist es so wichtig, immer auch Alternativen zu bedenken.

Wird über die Diskussion in der evangelischen Kirche im Kreis Peine gesprochen? Wenn ja, wie?

In gehe davon aus, dass diese Fragen in den Gemeinden in ganz unterschiedlicher Weise besprochen werden: im Konfirmandenunterricht, im Religionsunterricht, in der Frauen- und Männerarbeit. In den Gottesdiensten, in den Gebeten und Predigten wird darüber nachgedacht. Auch ich habe das getan.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadt Peine

Lesen Sie alles rund um das traditionsreiche Peiner Fest. mehr

157d6b0e-8102-11e7-8a9d-ecf16cf845db
„Begehbare Kunst!“: Impressionen von der Vernissage

In seinem Atelier 53 in Groß Ilsede interpretiert Fritz Lutz mit Teppichstücken Werke namhafter Künstler.

Veranstaltungen

Welche Veranstaltungen und Termine gibt es im Peiner Land? In unserer Datenbank finden Sie alle Infos. mehr

Sudoku

Das Zahlenrätsel Sudoku in verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Kinoprogramm

Jeden Donnerstag neu: alle Filmstarts in Peine und Umgebung