Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
„Der Ghetto-Swinger“: Von Berliner Bars nach Auschwitz

Peine „Der Ghetto-Swinger“: Von Berliner Bars nach Auschwitz

Peine. Was wäre wohl aus dem Berliner Bengel Heinz „Coco“ Schumann geworden, wäre er ein ganz „normaler“ deutscher Junge gewesen - wie er dies anfangs noch über sich selbst glaubte. Als „Halbjude“ war im „Dritten Reich“ sein erschütterndes Schicksal - schon deswegen und als späterer leidenschaftlicher Jazz-Musiker sowieso - praktisch besiegelt. Seine Lebensgeschichte hat Gil Mehmert für die Hamburger Kammerspiele als „Der Ghetto-Swinger“ glänzend inszeniert, war damit in den Festsälen zu Gast und konfrontierte etwa 400 Zuschauer mit schwer bis gar nicht zu verdauender leichter Muse in grauenhaftem Umfeld.

Voriger Artikel
Einbrecher waren im Peiner Land unterwegs
Nächster Artikel
NBC: Horneffer ist neuer Martini-König

Überzeugend: Das Ensemble erzählte die Lebensgeschichte des Musikers Heinz „Coco“ Schumann.

Quelle: rb

Helen Schneider verbindet als Sängerin und Erzählerin die Szenen, die fluffig-fröhlich swingend in den Berliner Bars beginnen und in einem braunen Albtraum münden. Konstantin Moreth spielt nicht nur seine Rolle als Coco, sondern auch Gitarre und Schlagzeug. Außerdem spannt Regisseur Mehmert auch alle Combo-Mitglieder sehr erfolgreich als Mimen ein. So entsteht ein verstörendes Erzählstück aus Gesang und Musik.

Coco trägt weder den gelben Stern noch stört er sich am Verbot der Swingmusik und verführt darüber hinaus auch noch „arische“ Frauen. Er findet sich als Häftling im Konzentrationslager Theresienstadt wieder, das die Nazis dem Ausland zynisch als „jüdisches Siedlungsgebiet“ präsentieren.

Dort trifft der Musiker seine Großeltern und seine Freunde aus Berlin wieder und spielt unter den aberwitzigsten Bedingungen sowohl seine Musik als auch um sein Leben.

Nachdem er und seine Musikerkollegen dort nicht mehr gebraucht werden, deportiert man sie ins Vernichtungslager Auschwitz, wo man sie zwingt, an der Todesrampe zu musizieren, während Menschen „selektiert“ und ermordet werden.

Die Schneider wächst sowohl in Sprech- als auch Gesangsrollen mit zeitgenössischem Jazz, Schlagern und Stimmungsliedern über sich hinaus, Moreth vollbringt das mimische Kunststück, Cocos Angst, Selbstverleugnung und Verzweiflung in den Herzen des Publikums zu bewegen. Und Violinist Christoph Tomanek tauscht immer wieder sein Instrument gegen die SS-Montur und wirkt darin beängstigend überzeugend.

Das schlichte und durch genügsame Beleuchtung überzeugend gestaltete Bühnenbild untermauert diese fatale Atmosphäre, die einem zuweilen den Atem nimmt und den Magen zusammenzieht. Belohnung für das Publikum: ein kleines und bewegendes Happy-End. Belohnung für das Ensemble: Das Publikum liegt ihm minutenlang applaudierend zu Füßen.

uj

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Lesen Sie alles rund um das traditionsreiche Peiner Fest. mehr

Konzert für Schüler in Ilsede
Veranstaltungen

Welche Veranstaltungen und Termine gibt es im Peiner Land? In unserer Datenbank finden Sie alle Infos. mehr

Sudoku

Das Zahlenrätsel Sudoku in verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Kinoprogramm

Jeden Donnerstag neu: alle Filmstarts in Peine und Umgebung