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Der „Eiserne Gustav“ spannte auf seiner Paris-Kutschfahrt im Weißen Schwan aus

PAZ-Spezial Der „Eiserne Gustav“ spannte auf seiner Paris-Kutschfahrt im Weißen Schwan aus

Peine. Der große Volksschauspieler Walter Plathe hat den „Eisernen Gustav“ auf der Bühne der Peiner Festsäle verkörpert. Was viele Peiner aber nicht mehr wissen: Heute vor exakt 86 Jahren, am 12. April 1928, hat der Berliner Wannsee-Droschkenkutscher Gustav Hartmann hat auf seiner berühmten Reise von Berlin nach Paris mit seiner Kutsche und dem Wallach „Grasmus“ leibhaftig in der Fuhsestadt Station gemacht.

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Der Vater von Barbara Müller sah den Eiserner Gustav leibhaftig.

„Vor 86 Jahren spannte er im Weißen Schwan aus. Mein Vater Otto Horn erlebte ihn bei seinem Großonkel Richard Lauenstein, den damaligen Wirt des Schwans“, erinnert sich Barbara Müller. Der damals 18-Jährige habe das Pferd gestreichelt und sei von der imposanten Erscheinung Hartmanns mit Frack und weißem Zylinder beeindruckt gewesen.

In der Peiner Zeitung vom Freitag, 13. April 1928, steht: „Da zog gestern Nachmittag, so gegen 6 Uhr, der Wannsee-Droschkenkutscher Gustav Hartmann im historischen Kutscherdress und den hohen weißlackierten Zylinder auf dem Kopf über die Peiner Breite Straße. Man sieht, wer mit der Kutsche von Berlin nach Paris will, muss durch unsere Stadt.“ Als er Quartier im Weißen Schwan bezog gab „der rüstige Alte mit rötlichem Bart und frischem Antlitz“ an: „Gustav Hartmann, Fuhrunternehmer in Wannsee, 68 Jahre alt, verheiratet, Söhne und Töchter. Aber dat ist viel zu viel, als Eiserner Gustav bin ick überall bekannt.“

Gut 2000 Kilometer legte Gustav Hartmann bei der Hin- und Rückfahrt zurück, fünf Monate dauerte die Reise. Diese Fahrt sollte eine Aktion gegen den Niedergang des Droschkengewerbes und die steigende Zahl von Autos darstellen. Entgegen der Darstellung in Hans Falladas Roman „Der Eiserne Gustav“, lehnte Hartmann Kraftfahrzeuge im Droschkenwesen keineswegs kategorisch ab.

Von 1960 bis 1975 bewirtschafteten Müllers Eltern Otto und Mimi Horn den Weißen Schwan. „Wir gehen zu Otto“, sagten die Leute damals. „Es war eine andere Zeit. Das Publikum war bunt gemischt - Schüler, Studenten, Dachdecker, Anwälte, Ärzte oder Professoren spielten zusammen Karten und keiner fragte den anderen, was er ist“, schildert die heute 67-Jährige. Auch prominente Gäste gab es. Müller nennt den Schauspieler Burkhard Driest oder den Zirkusdirektor Gerd Simoneit-Barum.

jti

INFO

Der "Eiserne Gustav"

Gustav Hartmann wurde am 4. Juni 1859 als Sohn eines Kutschers in Magdeburg geboren und starb am 23. Dezember 1938 in Berlin. Er war Berlins bekanntester Droschkenkutscher und wurde als „Eiserner Gustav“ weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt.

Zunächst absolvierte Hartmann in Magdeburg eine Bäckerlehre, zog dann aber nach Berlin, wo er ein Lebensmittelgeschäft eröffnete. Als der erhoffte geschäftliche Erfolg ausblieb, ermöglichte ihm seine Familie durch finanzielle Unterstützung die Gründung eines Fuhrunternehmens, das er „Wannseedroschken“ nannte. Am 2. April 1928 brach Hartmann zu seiner Reise nach Paris auf mit seiner Pferdedroschke und dem Wallach Grasmus. Begleitet wurde er vom Journalisten Hans Hermann Theobald von der Berliner Morgenpost, so war die Fahrt von Anfang an ein Medienereignis. Durch die tägliche Berichterstattung stieg die Zahl der Begeisterten stetig an sowohl entlang der Wegstecke als auch in Paris, das er am 4. Juni, pünktlich zu seinem Geburtstag, erreichte. Hier wurde er ebenso gefeiert wie bei seiner Rückkehr in Berlin, wo ihn am 12. September 300 000 Anhänger bei seinem Einzug durch das Brandenburger Tor bejubelten. Seine spektakuläre Aktion brachte dem Eisernen Gustav nicht nur Ruhm ein sondern auch Geld, mit dem er unter anderem die Gustav-Hartmann-Stiftung gründete, die Hinterbliebene von im Dienst ums Leben gekommenen Droschkenfahrern finanziell unterstützte. Seine letzte Ruhe fand Hartmann auf dem Alten Friedhof Wannsee in Zehlendorf, wo er ein Ehrengrab der Stadt belegt.

INFO

Der Weiße Schwan

Der „Weiße Schwan“ an der Breiten Straße ist Peines ältestes Gebäude. Das Haus stammt aus dem Jahr 1594 und wurde nach dem verheerenden Stadtbrand von 1592 neu errichtet. Nach Angaben des Archäologen Thomas Budde handelte es sich bei dem Vorgängergebäude mit hoher Wahrscheinlichkeit um eines von mindestens 30 Brauhäusern im Peiner Stadtgebiet. Im Stadtarchiv gibt es einen Auszug aus dem Contractbuch der Stadt Peine 1758 bis 1773 aus dem hervorgeht, dass das Haus von den Geschwistern Budde an Christian Rebentisch inklusive Braupfanne und Braugeräten verkauft wurde. Dies ist die erste Erwähnung, dass dort gebraut wurde. Aus dem Brandkataster Nr. 355 geht hervor das dies im Jahr 1761 geschah und der Kaufpreis 1900 Reichstaler betrug. Die Schankerlaubnis muss 1886 erteilt worden sein. Seit 2001 steht das Konzept für die Sanierung und den Umbau. Die Sanierung, inklusive Abriss des Nachbargebäudes – ehemals Mode-Martin – verschlang bis 2006 etwa 2,2 Millionen Euro. Dafür wurde ein Durchgang zum Innenhof geschaffen und der Hof als Biergarten für die Gaststätte neu gestaltet. Vor allem der Prachtgiebel an der Seite des Gebäudes trat nach dem Abriss des Nachbarhauses zu Tage. Die Gaststätte wurde zunächst von Ina und Michael Müller betrieben, die Anfang 2008 aufgeben mussten. Ende 2008 öffnete dort das India Haus. Ende Februar 2012 haben die Betreiber den Vertrag mit der Privatbrauerei Härke gekündigt. Die Brauerei stieg Ende Oktober aus dem Pachtvertrag mit der Stadt aus, wenige Tage später meldeten die Brauerei-Geschäftsführer Insolvenz an.

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