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Debatte um Hinrich Wilhelm Kopf: Forscherin Nentwig gegen Umbenennungen

Peine Debatte um Hinrich Wilhelm Kopf: Forscherin Nentwig gegen Umbenennungen

Peine. Die jüngst bekannt gewordenen NS-Verstrickungen des früheren SPD-Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf haben auch in Peine für eine hitzige Debatte gesorgt. Denn in der Fuhsestadt sind eine Straße und eine Schule nach ihm benannt.

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Die Politologin Dr. Teresa Nentwig hielt einen sehr umfassenden Vortrag über die NS-Verstrickungen von Hinrich-Wilhelm Kopf. Mit großer Aufmerksamkeit verfolgten die Zuhörer ihre Ausführungen und nahmen an einer anschließenden Diskussion teil.

Quelle: im

Schnell kam die Frage auf: Sollte der Name Kopf in Peine von der Bildfläche verschwinden - oder eben nicht?

Gestern Abend war die Wissenschaftlerin Dr. Teresa Nentwig, die mit ihrer Doktorarbeit die Diskussion ausgelöst hatte, in Peine zu Gast, um über ihre Recherchen zu sprechen - und auch um eine Empfehlung hinsichtlich der Namensfrage abzugeben.

„Wir haben Hinrich Wilhelm Kopf als Ministerpräsident viel zu verdanken. Die Gründung Niedersachsens ist auf ihn zurückzuführen, sodass es ohne seine Arbeit dieses Bundesland vielleicht nicht geben würde.“

Trotzdem müsse man, so Nentwig, auch Kopfs Taten während der NS-Zeit berücksichtigen. Er habe vielen Polen und Juden sehr geholfen, aber auch viele Existenzen komplett zerstört.

„Kopf gehört zu unserer Geschichte und diese kann nicht einfach ausgelöscht werden“, so Nentwig. Nein, die Hinrich-Wilhelm-Kopf-Straße und -Schule sollte ihrer Meinung nach nicht umbenannt werden.

Zu diesem Ergebnis kam Nentwig in ihrem Vortrag „Hinrich Wilhelm Kopf und die deutsche Vergangenheit“ im Haus der Lessing-Loge an der Hindenburgstraße.

Die CDU-Stadtratsfraktion unter dem Vorsitz von Christoph Plett hatte zu der Veranstaltung eingeladen. Pletts Eindruck nach dem Vortrag: „Wir werden uns nun ausführlich mit dem Thema befassen. Frau Dr. Nentwig hat mit ihrem umfassenden Vortrag einen sehr guten Einblick in das Thema gegeben.“

Bürgermeister Michael Kessler resümierte: „Ich möchte meine Meinung zu dem Thema noch nicht äußern. Die Diskussion existiert noch nicht so lange, sodass sich erst ausführlich mit dem Thema befasst werden muss, um zu urteilen.“

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Politologin erklärt: So liefen die Recherchen zur Doktorarbeit

Peine . Der erste Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, Hinrich Wilhelm Kopf, ist durch die Doktorarbeit einer Politologin ins Zwielicht geraten. Die 30-jährige Teresa Nentwig vom Institut für Demokratieforschung der Georg-August-Universität Göttingen hatte sich mit den Aktivitäten des Landespolitikers befasst. Gestern sprach sie in Peine über ihre Arbeit.

Anhand zahlreicher Quellen aus dem In- und Ausland könne Nentwig belegen, dass der Politiker während der NS-Zeit aktiv an der Enteignung von Juden mitgewirkt habe. „Er war leitender Mitarbeiter bei der Haupttreuhandstelle in Berlin und hat Juden und Polen in Oberschlesien um ihren Besitz gebracht“, erklärte die Politikwissenschaftlerin im Gespräch mit der PAZ.

Zwar habe er sich nicht persönlich bereichert, aber sehr effektiv für den NS-Staat gearbeitet. „Kopf war jedoch kein NSDAP-Mitglied, und es gibt auch andere Beispiele aus dieser Zeit: So war der spätere erste Bundesgerichtspräsident Hermann Höpker Aschoff ebenfalls leitender Mitarbeiter der Haupttreuhandstelle.“

Die Verstrickung des Politikers in die Enteignungen sei übrigens schon in der Zeit nach dem Krieg bekannt gewesen. „Aber das wurde nicht wissenschaftlich erforscht. Ich bin in Archive in Polen und Großbritannien gegangen und habe dort Schriftstücke eingesehen, die die Vorwürfe bestätigen“, betont die Politologin. Wenn er sich auch für das NS-Regime nützlich machte und für mehr Effizienz bei der Enteignung sogar mehr Mitarbeiter einstellen ließ, so scheint der vor mehr als fünf Jahrzehnten gestorbene Kopf allerdings auch eine andere Seite gehabt zu haben. „Nach Aussagen von Zeitzeugen aus der Nachkriegszeit hat er manchen geholfen“, erklärt Nentwig. „Er hat wohl auch belastende Papiere verschwinden lassen und Menschen in Not, darunter Pastoren, Erleichterungen verschafft.“

Auf das Thema Hinrich Wilhelm Kopf ist die Göttingerin durch ihren Doktorvater gekommen. „Professor Dr. Franz Walter hat mich darauf gebracht, nachdem wir uns bei ihm in einem Forschungsprojekt mit den Führungsstilen niedersächsischer Ministerpräsidenten beschäftigt hatten“, berichtet die junge Forscherin, die jetzt als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut arbeitet. Nentwig weiter: „In den 1990er-Jahren hat sich schon einmal ein Doktorand mit dem Thema beschäftigt.“ Er habe damals jedoch seine Doktorarbeit nicht beendet.

sz

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