Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
„Das ist wie Witwenverbrennung“

Arbeitsgericht Braunschweig „Das ist wie Witwenverbrennung“

Der vorweihnachtlich-friedliche Vergleich schien in greifbarer Nähe: Er scheiterte zum Schluss an nackten Zahlen. Über sie konnten sich die Betriebsinhaber eines Seniorenheims im Peiner Land und eine von dem Unternehmen gekündigte Pflegedienstleiterin gestern vor dem Arbeitsgericht Braunschweig nicht einigen.

Braunschweig. Der Streit im Altenheim ging bis vors Arbeitsgericht: Welche Hintergründe die Angelegenheit allerdings hat, wurde auch beim gestrigen Gütetermin in Braunschweig nicht klar. Irgendwie, so scheint es, stimmt die Chemie in der Belegschaft des Seniorenheims nicht. Über die Klägerin hätten sich mehrfach andere Beschäftigte beschwert, erklärte Christoph Plett, der Anwalt der Arbeitgeberseite. „Sie haben gesagt, dass die Zusammenarbeit nicht erfreulich ist“, begründete er die Kündigung recht vage.

Die Fragen rund um das Arbeitsverhältnis der Frau sind damit aber beileibe nicht beantwortet. Dazu gehört auch die Formulierung des Kündigungsschreibens. „So richtig schlagkräftig scheint mir das nicht zu sein“, sagte Richter Lutz Bertram. Unter anderem seien die Formulierungen über die Art der Kündigung nicht eindeutig.

Schlecht ist die Position der Frau anscheinend nicht. Als langjährige leitende Mitarbeiterin stünden ihr im Falle der Entlassung mindestens etwa 32 000 Euro als Regelabfindung zu. „Ich könnte mir etwa das eineinhalbfache dieses Betrages vorstellen„, steckte Rechtsanwalt Wilfried Ganz als Prozessbevollmächtigter der Klägerin seine Vorstellungen ab, versicherte aber, er lasse darüber noch mit sich handeln. Außerdem vermute er einen ganz anderen Grund hinter der Kündigung: „Das ist so etwas wie eine Witwenverbrennung. Da soll beim Wechsel des Betriebsinhabers auch gleich die Führungsriege ausgetauscht werden.“

Man sei zwar verhandlungsbereit, aber so hoch müsse die Abfindung nicht sein, sagte Ganz' Kontrahent Plett. Schließlich habe die Klägerin beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt: „Im Bereich der Altenpflege werden hoch qualifizierte Mitarbeiter gesucht.“ Die Frau werde daher vermutlich schnell eine gleichwertige Stelle finden.

Beide Rechtsanwälte legten daraufhin eine Bedenkpause ein, an deren Ende ein Kompromissvorschlag stand: Falls die Klägerin einverstanden sei, ihre Stelle schon zum Jahreswechsel und nicht erst Ende Mai zu räumen, solle sie eine Zahlung von 40 000 Euro erhalten.

Es sah so aus, als sei die Sache damit vom Tisch. Dann scheiterte der Vergleich letztlich doch noch, obwohl beide Parteien beteuerten, ihre Vorstellungen lägen nicht mehr sehr weit auseinander. Richter Bertram setzte einen Verhandlungstermin für Ende März an. Dass der erforderlich ist, glaubt Anwalt Ganz offenbar nicht. „Wir telefonieren noch mal“, verabschiedete er die Vertreter der Gegenseite.

jkr

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadt Peine

Lesen Sie alles rund um das traditionsreiche Peiner Fest. mehr

157d6b0e-8102-11e7-8a9d-ecf16cf845db
„Begehbare Kunst!“: Impressionen von der Vernissage

In seinem Atelier 53 in Groß Ilsede interpretiert Fritz Lutz mit Teppichstücken Werke namhafter Künstler.

Veranstaltungen

Welche Veranstaltungen und Termine gibt es im Peiner Land? In unserer Datenbank finden Sie alle Infos. mehr

Sudoku

Das Zahlenrätsel Sudoku in verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Kinoprogramm

Jeden Donnerstag neu: alle Filmstarts in Peine und Umgebung