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Das Reden der Anderen

Peiner Festsäle Das Reden der Anderen

Oscar-prämiert ist der Film „Das Leben der Anderen“ über Intrigenspinnerei und Stasi-Bespitzelung in der DDR. Als Bühnenfassung war die Geschichte am Donnerstagabend in den Festsälen zu sehen – beileibe keine leichte Kost.

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Fröstelnd in Unterwäsche stellt Petra Zwingmann in der Bühnenfassung von „Das Leben der Anderen“ den Part der Schauspielerin Christa-Maria überzeugend und als Schleuderkurs zwischen Schuld und Unschuld, Treue und Verrat dar.

Quelle: Christian Bierwagen

Peine. Der Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler wird vom Regime als besessener Dauerlauscher auf ein Künstler-Ehepaar angesetzt. Doch er verliert bei diesem Job die Distanz, meint es gut und tritt eine Katastrophe los. Die Verfilmung dieser Geschichte wurde mit einem Oscar belohnt. Eine neue Sicht auf „Das Leben der Anderen“ bietet der deutsche Dramatiker Albert Ostermaier mit seiner Bühnenfassung. Zu sehen war sie in den Festsälen.

Wir erinnern uns: Im Film spielt Ulrich Mühe den Stasi-Kontrolleur Wiesler. Thomas Thieme mimt den widerwärtigen Brutal-Minister, der sich erfolgreich sowohl Tasche als auch Bett füllt. Und Martina Gedeck und Sebastian Koch sind das Künstlerehepaar, auf das die Stasi Wiesler ansetzt.

Vier abendfüllende Monologe

Ostermaier dezimiert dieses DDR-Unsittengemälde auf jene vier Bühnenpersonen – und auf vier abendfüllende Monologe, die inhaltlich jeweils zwischen referierendem Erzählen und Sinn suchender Selbstreflexion schlingern. Was für eine Aufgabe für Luc Feit als Lauschangreifer Wiesler! Respekt: mit Bravour gemeistert! Germain Wagner mimt den schmierig-hörigen Kulturminister Hempf schon ordentlich – einen teuflisch-skrupellosen Politverbrecher stellt man sich allerdings anders vor. Und Petra Zwingmann als Schauspielerin Christa-Maria präsentiert ihren Part in Unterwäsche fröstelnd durchaus überzeugend und als Schleuderkurs zwischen Schuld und Unschuld, Treue und Verrat.

Alles andere also als ein entspannender Theaterabend für die 540 Zuschauer, denn bei aller sprachlichen Finesse ist schnelle Auffassungsgabe und hohe Konzentration gefordert. Im Vorteil sind jene, denen die Filmvorlage bekannt ist. Denn Obermaier verzichtet auf Handlung, er eröffnet dem Zuschauer den Blick von oben in die Tiefe der Seelen von Herrschern und Beherrschten. Dabei schultert das Ensemble eine immense Textlast, die wirksam zu transportieren allerdings vornehmste Aufgabe ihrer Zunft ist.

Wer sich als Zuschauer überfordert oder gar enttäuscht fühlte, saß indessen für mehr als anderthalb Stunden in der Falle: eine unbemerkte „Parkettflucht“ ließ sich nicht organisieren, denn eine Pause wäre dramaturgisch völlig unangebracht gewesen. Der Dramatiker verlängert die Geschichte ins gesamtdeutsche Heute.

Carsten Klemm als Christa-Marias Ehemann und DDR-Autor Georg Dreyman lässt er grandios scheitern, der Ex-Minister bringt sein Schäflein ins Trockene und der Abhörspezialist bekommt einen Job als Briefträger. Frei nach Bertolt Brecht: Wir sehn betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen.

Ulrich Jaschek

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