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DRK-Präsident Horst Horrmann aus Peine: „Wir sind und bleiben nah am Menschen“

Peine DRK-Präsident Horst Horrmann aus Peine: „Wir sind und bleiben nah am Menschen“

Peine. Das Deutsche Rote Kreuz feiert 150-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wird heute ein großes Fest mit 1200 ehrenamtlich Engagierten im Kuppelsaal des Hannover Congress Centrums HCC unter dem Motto „Entdecke das Wir in dir“ gefeiert. Mit dabei sind der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil und der DRK-Präsident Dr. Rudolf Seiters. Aus dem Hilfsverein für Kriegsverwundete wurde eine große und bedeutende Organisation, die vielfältige Aufgaben übernommen hat. Die PAZ sprach mit Horst Horrmann, Präsident des DRK-Landesverbandes Niedersachsen.

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Seit 2005 DRK-Präsident: Horst Horrmann aus Peine im PAZ-Interview.

Quelle: pif

Vom Hilfsverein für Kriegsverwundete bis zur weltweit größten Hilfsorganisation - wo steht das Rote Kreuz heute?

Das internationale Rote Kreuz und der Rote Halbmond sind in 186 Nationen vertreten. Allein in Deutschland haben wir 3,5 Millionen Mitglieder sowie 400 000 ehrenamtliche und 140 000 hauptamtliche Mitarbeiter. In Niedersachsen gibt es 48 Kreisverbände mit 1200 Ortsvereinen. Hier engagieren sich 300 000 Freiwillige und mehr als 14 000 Hauptamtliche. Im Kreis Peine arbeiten 250 hauptamtliche Mitarbeiter und 700 Menschen engagieren sich ehrenamtlich, dazu kommen 9000 Fördermitglieder.

Mit der Größe sind auch die Aufgaben gewachsen. Welches sind die wichtigsten?

Wir sind führender Wohlfahrtsverband und Hilfsgesellschaft. Beim Katastrophenschutz während des jüngsten Elbehochwassers waren 500 Ehrenamtliche des Landesverbandes unermüdlich im Einsatz. Das DRK deckt bundesweit 60 Prozent des Rettungsdienstes und qualifizierten Krankentransportwesens ab. Im Kreis Peine arbeiten im Rettungswesen Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund und die Firma Daetz zusammen. Das DRK betreibt Sozialstationen, Senioren- und Pflegeheime sowie Kindertagesstätten. Im Kita-Bereich sind wir im Peiner Raum zwar nicht aktiv, aber im Nachbarkreis Gifhorn sind wir Hauptanbieter. Im Landesverband haben wir 340 Kitas. Dieses Aufgabenfeld ist massiv gewachsen und das DRK hat hier Pionierleistungen erbracht. Ich bin sehr stolz darauf, dass Hauptamtliche an der Konzeption zur Betreuung von unter Dreijährigen wegweisend mitgearbeitet haben. Bei den Ehrenamtlichen ist der Blutspendedienst zu nennen, der logistisch ausschließlich von freiwilligen Helfern organisiert wird. Die Blutspende ist zu 70 Prozent in DRK-Hand.

Bedeutet Größe auch gesellschaftliches und politisches Gewicht?

Ja, eine wichtige Aufgabe ist die Lobby-Arbeit. So wollte die EU zum Beispiel das Rettungswesen privatisieren, zu Bedingungen, die wir nicht akzeptieren konnten. Es drohte Lohndumping zu Lasten der Qualität. Dazu sollte eine Transportrichtlinie verabschiedet werden. Dann wäre es im Prinzip egal gewesen, ob man eine Fuhre Holz oder einen Krankenwagen fährt. Aber hier sind wir auf einem guten Weg. Generell müssen wir die Qualitätsstandards im Auge behalten. Wir müssen ferner für qualifiziertes Personal attraktiv bleiben und dies auch entsprechend bezahlen. Als Leistungsanbieter sind wir ständig in Verhandlungen mit den Pflege- und Krankenkassen als Leistungsbezahler. Die Menschen werden älter und der Pflegebedarf steigt und damit auch der Bedarf an hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helfern. Aber trotz aller wirtschaftlichen Erfordernisse steht über allem die Grundsätze des Roten Kreuzes. Das heißt, die Bürger müssen darauf vertrauen können, das dort wo Rotkreuz drauf steht, auch Rotkreuz drin ist. Die unternehmerische Tätigkeit muss sich aus sich selbst heraus finanzieren können.

Apropos Mitgliederbeiträge. Wie schaffen Sie es, Menschen für das Rote Kreuz zu begeistern?

Der demografische Wandel, die Fülle von Angeboten, die Anonymität der Großstädte und die abnehmende Bindungsfähigkeit der Menschen machen es uns nicht leichter, neue und jüngere Mitglieder zu gewinnen. Zuallererst sind unsere Ortsvereine gefordert, ihre Arbeit weiter vorzustellen, wie neulich in der Peiner Fußgängerzone. Wir gehen in die Schulen und bilden Jugendliche im Schulsanitätsdienst aus, mit dem Ziel, dass sie sich später in den Bereitschaften engagieren. In Niedersachsen sind dies mehr als 300 Schulen, in der Region Peine beteiligen sich zehn Schulen daran. Bei den Blutspendeterminen werden wir stärker unser gesamtes Leistungsspektrum vorstellen. Zielgruppen, wo wir uns stärker öffnen und zum Engagement motivieren sollten, sind ältere Menschen im Ruhestand und Menschen mit Migrationshintergrund. Das Deutsche Rote Kreuz ist politisch neutral und unabhängig sowie frei von ideologischen oder religiösen Zwängen. Wir müssen deutlich machen, dass es eine große Freude und ein Wert an sich ist, anderen in Notsituationen zu helfen.

Wie sehen Sie die Zukunft des Deutschen Roten Kreuzes?

Wir werden unseren hohen Standard halten, davon bin ich fest überzeugt. Das DRK ist als starke nationale Hilfsorganisation auch ein bedeutendes Mitglied im internationalen Verbund. Bei der internationalen Katastrophenhilfe bei Erdbeben oder Tsunamis sind wir führend. Auch bei der Spendenbereitschaft in derartigen Situationen vertrauen uns die Menschen in besonderem Maße. Die Organisation steht und fällt mit dem Ehrenamt. Alle Organe wie Präsidium und Präsidialrat, wo strategische und verbandspolitische Ziele gesetzt werden, sind in der Hand von Ehrenamtlichen, die durch ihre persönliche Lebensleistung und Erfahrung einiges an gesellschaftlichem Gewicht haben. Hauptamtliche haben hier kein Stimmrecht. Überhaupt ist der föderale Aufbau unsere großen Stärke. Durch die Organisation bis in die Ortsvereine sind und bleiben wir nah am Menschen.

Interview Jan Tiemann

ZUR PERSON

Horst Horrmann

Horst Horrmann wurde am 3. Mai 1941 in Poppendorf in Ostpreußen als Sohn eines Landwirts geboren. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Nach dem Studium in Göttingen war er von 1966 bis 1970 Realschullehrer in Groß Ilsede. 1968 begann er neben dem Beruf an der TU Braunschweig das Studiums für höheres Lehramt. Von 1970 bis 1974 unterrichtete er am Gymnasium in Groß Ilsede. Der Christdemokrat wurde 1972 in den Schmedenstedter Gemeinderat und den Peiner Kreistag gewählt. 1974 wurde er in den Landtag gewählt und blieb dort mit einer kleinen Unterbrechung bis 2003. Von 1988 bis 1990 war er Niedersächsischer Kultusminister im Kabinett von Ernst Albrecht. Horst Horrmann gehörte 34 Jahre dem Peiner Kreistag an, davon 22?Jahre als Fraktionsvorsitzender der CDU. Er beendete 2006 seine politische Laufbahn. Seite 2005 ist Horrmann ehrenamtlicher Präsident des DRK-Landesverbandes Niedersachsen.

jti

Die lange Geschichte des DRK: Wichtige Rolle seit 1863

Die Ursprünge des Roten Kreuzes gehen auf den Schweizer Kaufmann Henry Dunant aus Genf zurück. Er wurde am 24. Juni 1859 im kleinen italienischen Ort Solferino Zeuge des Endes einer Schlacht zwischen Frankreich und Österreich. Die Truppen ließen mehr als 40 000 Tote, Sterbende und Verwundete auf dem Schlachtfeld zurück. Das Leid berührte Dunant zutiefst und er rief die Menschen der umliegenden Gemeinden dazu auf, Hilfe zu leisten. Gemeinsam versorgten sie etwa 10 000 Verletzte so gut es ging. Seine Eindrücke hielt er im Buch „Erinnerungen an Solferino“ fest. Das Engagement fand ein weltweites Echo und führte schließlich zur Gründung des Roten Kreuzes. Die Grundsätze sind Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität.

Bereits 1863 gründet sich in Genf das „Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege“. Die Geschichte des Roten Kreuzes in Deutschland beginnt bereits am 12. November 1863 mit der Gründung des Württembergischen Sanitätsvereins. Er ist die erste nationale Rotkreuzgesellschaft weltweit. Ende 1867 entstand in Hannover ein „Provinzialverein zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger für die Provinz Hannover“. Ab 1873 entwickelten sich aus diesem Hilfsverein Kreis- und Lokalvereine und Ende 1897 erfolgte die Einführung der Bezeichnung „Rotes Kreuz“.

In Peine wurden am 16. und 17. April 1912 ein Zweigverein und eine Sanitätskolonne des Roten Kreuzes gegründet. 1948 wurde das Deutsche Rote Kreuz in Peine als Kreisverband ins Vereinsregister eingetragen. Etwa zur gleichen Zeit wurde das DRK mit dem Krankentransport im Landkreis beauftragt.

Ein besonderes Ereignis war das Grubenunglück in Lengede Ende Oktober 1963. In der ersten Phase waren 66 Helfer und 15 Fahrzeuge im Einsatz. In der zweiten Phase kamen 84 Helfer hinzu. Außer den Peiner Kräften waren auch Helfer des DRK aus Hannover, Gifhorn und Wolfenbüttel anwesend. Es wurden 4680 warme Essen und 6750 kalte Essen, 8150 Liter Tee und 4908 Liter Kaffee ausgegeben – insgesamt 53 672 Einzelportionen. Insgesamt wurden ehrenamtlich 1880 Einsatzstunden erbracht.

Heute ist der DRK-Kreisverband Peine eine vielseitige, moderne Organisation. Das Angebot umfasst Erste Hilfe, Blutspenden, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, ambulante und stationäre Pflege, Betreutes Wohnen und Reisen, Gesundheitsprogramme, Kleidershops, Menüservice sowie Aktivitäten für junge Leute und für Senioren.

jti

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