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Cooles politisches Aufklärungstheater für Bio-Deutsche und Migranten

Peine Cooles politisches Aufklärungstheater für Bio-Deutsche und Migranten

Peine. „Medizin muss bitter schmecken, sonst hilft sie nicht“, hieß es ja schon in der Pennäler-Komödie „Die Feuerzangenbowle.“ In der zeitgemäßen Fortsetzung „Verrücktes Blut“ wird Bildung nun mit Waffengewalt durchgesetzt: In einer Schulklasse mit einem hohen Anteil von Zöglingen, denen Deutsch als Muttersprache fremd ist, wird während des Deutsch-Unterrichtes gerempelt, geprügelt, gedroht.

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Gastspiel in Peine: „Verrücktes Blut“.

Quelle: im

Bei einer Rangelei mit der Lehrkraft entgleitet einem Schüler plötzlich eine schussbereite Pistole. Die Lehrerin greift zu, ein Schuss löst sich, der Schüler liegt blutend am Boden. Die soeben noch mit Vergewaltigung und Tod bedrohte Lehrerin ist nun obenauf und zwingt die Schüler mit vorgehaltener Pistole, Schillers „Räuber“ nicht nur zu lesen, sondern auch zu spielen.

Ihr pädagogischer Anspruch: Aus Schillers Texten mögen die Schüler ihren persönlichen Ist-Zustand ableiten, ihre Ängste erkennen und sich davon befreien. Mit dem Reclam-Heft in der Hand entwickelt sich ein vertracktes aber unbedingt sehenswertes Szenario aus Angst, Machogehabe und Gewalt.

„Es geht hier nicht um Schule, Lehrer oder Schüler, sondern nur um den Blick darauf“, hatte Regisseurin Tina Geissinger das Publikum zuvor eingeschworen. Um Klischees ginge es, also den Blick, den „Bio-Deutsche“ auf Migranten und umgekehrt richteten. Das Publikum, darunter übrigens eine Kolonie jugendlicher Kultur-Novizen, müsse allerdings, so die Regisseurin, die „ersten besonders harten zehn Minuten überstehen“.

Die Zuschauer bekommen somit generationsübergreifend und schonungslos ihre persönliche Vorstellung über Deutsche und Migranten gespiegelt. Das „geübte“ Publikum quittiert dies mit Zurückhaltung, die Schüler im Publikum lassen ihrem Empfinden freien Lauf. Nachvollziehbar, denn trotz des Ernstes verzichtet das auf Motiven des französischen Film „Heute trage ich Rock“ basierende Stück nicht auf Humor. Tatsächlich führt Schillers Brachial-Literatur den anarchistischen Haufen zu Selbsterkenntnis, friedlichem Miteinander und sogar Vergebung. „Verrücktes Blut“ kommt als cooles politisches Aufklärungstheater ohne erhobenen Zeigefinger aber knallhart und manchmal geradezu witzig an. Und wie wunderbar: es bietet Steilvorlagen in Hülle und Fülle für einen inspirierenden Deutschunterricht, an dem Schüler und Lehrer gleichermaßen wachsen können - wie die wilden Typen auf der Bühne, die mit Reclamhefen ihren Original-Schiller spielen.

Den hervorragenden und stets am persönlichen Limit arbeitenden Schauspielern und ihrer engagierten Regisseurin sei herzlich gedankt. Schier endloser Applaus im Stehen.

uj

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