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Chronik des Peiner Kapuzinerklosters übersetzt

PAZ-Spezial Chronik des Peiner Kapuzinerklosters übersetzt

Peine. Jahrzehnte schlummerte sie im Archiv der katholischen Pfarrgemeinde „Zu den Heiligen Engeln“. Jetzt ist die Chronik des Peiner Kapuzinerklosters (1669 bis 1813) erstmals aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt worden.

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Vor dem ehemaligen Kloster (links): Pfarrer Thomas Blumenberg (l.) förderte die handgeschriebene Chronik aus dem Archiv zutage, Giselher Stoll übersetzte sie aus dem Lateinischen.

Quelle: mic

Über ein Jahr lang hat der pensionierte Lehrer Giselher Stoll daran gearbeitet - und dabei interessante Einblicke in die Geschichte der Fuhsestadt zutage gefördert.

„Die Chronik ist ein Spiegel der Geschichte, sie verdeutlicht sehr anschaulich das Leben in einer anderen Zeit“, lobte Bürgermeister Kessler gestern bei der Vorstellung der Übersetzung im Rathaus. Als der katholische Pfarrer Thomas Blumenberg die zwei Bücher Anfang 2011 aus dem Archiv holte und die PAZ darüber berichtete, bat Kessler seinen Freund, den ehemaligen Latein-Lehrer Giselher Stoll, zu prüfen, ob sich aus der Chronik Erkenntnisse im Hinblick auf die Stadtgeschichte gewinnen lassen. Gesagt getan. „Als ich das Original zu studieren begann, stellte ich schnell fest, dass die Vielzahl der geschilderten Details eine ausführliche Übersetzung der 420 Seiten rechtfertigen würde“, erzählt Stoll.

Insgesamt 14 Monate lang arbeitete er an der Übersetzung und Kommentierung, oft fünf bis sechs Stunden täglich. Als besonders schwierig entpuppte sich zum Teil das Entziffern der Handschrift des Kapuzinerpaters, der die jeweiligen Passagen verfasste. Die Besetzung in dem Kloster wechselte fast jedes Jahr. Auch die zeitgenössischen Abkürzungen bereiteten Stoll anfangs Kopfzerbrechen. Das Internet bot Hilfestellung.

Pfarrer Blumenberg ist fasziniert von der Tatsache, dass in der Zeit des Klosters jährlich eine mit großem Aufwand durchgeführte Fronleichnams-Prozession stattfand. Angeblich soll sie „feierlicher als das Peiner Freischießen“ gewesen sein. Auch der Klostergarten, den Blumenberg vor einem Jahr wieder hergerichtet hat, wird in der Chronik mehrfach erwähnt. Die Patres bewirtschafteten diesen und nutzten ihn auch zur Erholung. Das Leben der Mönche gestaltete sich nach den Überlieferungen streng und gesittet. „Sie lebten sehr spartanisch, ließen sich Bärte wachsen, trugen ihre Kutten, und wirkten dadurch vielleicht etwas unzivilisiert, gleichzeitig waren sie aber sehr gebildet und äußerst kultiviert. Das machte bei der damaligen Peiner Bevölkerung Eindruck und deshalb waren sie auch sehr beliebt“, sagt Stoll.

Als Zeichen des Dankes für die „Heidenarbeit“ überreiche Bürgermeister Kessler gestern im Rathaus eine Peiner Eule an Stoll, der Peiner Pastor im Ruhestand Alexander Rose, der Korrektur las, erhielt dieselbe eine Nummer kleiner. Stoll sagte: „Die Arbeit hat mir sehr viel Freude gemacht und mein Wissen bereichert.“

mic

Gegenreformation

Im Zuge der Gegenreformation sandte Maximilian Heinrich, Kurfürst und Erzbischof zu Köln und Hildesheim, 1669 vier Kapuzinerpatres vom Niederrhein nach Peine. Sie hatten den Auftrag, unter dem Titel einer Apostolischen Mission die „irrenden Schafe zur Herde der katholischen Kirche zurückzuführen“, denn Peine war aus damaliger Sicht „von der lutherischen Ketzerei durchdrungen“.

Die Patres traten am 15. März 1669 ihren Dienst in Peine an. Ihre Kirche war die alte Peiner Schlosskirche, die an der Stelle der heutigen katholischen Kirche, jedoch quer zu dieser, in Ost-West-Richtung stand.

Über ihr Leben in Erfüllung ihres geistlichen Auftrags berichten die Mönche in der Chronik. Sie umfasst die Jahre, in denen die Mission bestand (1669 bis 1813), und wird ergänzt durch Berichte über die Entwicklung der katholischen Gemeinde in Peine und Groß Ilsede bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Themen sind Streitigkeiten mit protestantischen Geistlichen um Taufen, Eheschließungen und Begräbnisse. Grenzstreitigkeiten mit den Hannoveranern oder der Durchzug von fremden Heerhaufen, die Gebäude zerstören, Vieh wegtreiben oder Bürger ausplündern werden ebenfalls aufgeführt.

Die Chronik ist bislang nur im Stadtarchiv einsehbar.

mic

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