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Caritasverband Peine hilft Flüchtlingen

Peine Caritasverband Peine hilft Flüchtlingen

Weinend sitzt sie auf dem Stuhl des kleinen Büros, die Hände halten ein Bündel Geldscheine, der Blick wechselt hilflos zwischen Boden und dem freundlichen Lächeln von Christiane Borchert-Edeler.

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Warten auf dem Flur: Immer mehr Ratsuchende - vor allem Flüchtlinge und Migranten - nutzen die offenen Sprechstunden des Caritasverbandes Peine. Die Beraterinnen arbeiten am Limit.

Quelle: ju

Peine. Es ist eines der wenigen vertrauten Gesichter, die die verzweifelte Frau in Peine kennt. Denn Freunde und Familie hat die junge Frau auf ihrer Flucht aus Serbien zurücklassen müssen. Nun sitzt sie allein in der offenen Sprechstunde des Caritasverbandes Peine und sucht Rat - so wie Dutzende andere Flüchtlinge und Migranten des Landkreises. Doch langsam stoßen die Berater an ihre Grenzen.

„Die Zahl der Ratsuchenden steigt immer mehr“, sagt Gerhard Nolte, Geschäftsführer des Caritasverbandes des Landkreises Peine. „Unsere vier Beraterinnen ist es kaum noch möglich, jedem Fall während der Sprechzeit gerecht zu werden. Oft müssen tiefergehende Beratungen vertagt werden.“

Besonders alarmierend: Die Sozialberaterinnen werden über Geld der EU, des Bundes, des Landes, des Landkreises sowie über Eigenmittel finanziert. Zu Jahresbeginn wurde jedoch Fördergeld gekürzt, der Beratungsbedarf aber wächst weiter. „Die reduzierte Kapazität hat zur Folge, dass aktuell eine Sprechzeit für die Flüchtlingsberatung wegfällt“, sagt Nolte. „Das ist sehr bedauerlich.“

Wie bei der Frau aus Serbien sind es oft für den Normalbürger einfache Angelegenheiten, bei denen die Menschen Hilfe benötigen. Ein Konto haben viele nicht, Anwälte und Rechnungen müssen trotzdem bezahlt werden. Anträge in einer der Menschen noch fremden Sprache müssen ausgefüllt werden, Geld für Kleidung oder für eine warme Mahlzeit fehlt. „Die Anliegen der Ratsuchenden decken die gesamte Bandbreite der Lebenswirklichkeit ab“, so Nolte.

Doch es sind oft auch Schicksale, mit denen die Beraterinnen immer wieder konfrontiert werden. Gerade wenn es um die Familienzusammenführung oder um das Aufenthaltsrecht geht, ist Fingerspitzengefühl gefragt. „Ich habe auch schon ein ganz junges Paar in der Beratung gehabt, das mir unter Tränen sagte, dass sie sich das Leben nehmen wollen“, erzählt Sozialarbeiterin Christine Limböck. „Sie sollten abgeschoben werden.“

Abschiebung - dabei bedeutet dieses Wort nicht immer, dass die Menschen zurück in ihre oft von Krieg, Hunger und Leid geplagte Heimat reisen müssen. „Oft kommen sie zurück in das Land, über das sie einst in die EU eingereist sind“, erklärt die Leiterin des Migrationsdienstes, Iris Stuke. „Dort haben sie bei ihrer Ankunft einen Fingerabdruck abgeben müssen, und dieser bindet sie nun für immer.“ Das Problem: Nicht jedes Familienmitglied reist über das gleiche Land ein. Oft werden die Familien und Freunde auf ihrer Flucht auseinander gerissen.

„Es gibt viele Fälle, die einen auch privat nicht loslassen“, erzählt Sozialarbeiterin Christine Limböck. Besonders in Erinnerung sei ihr ein junger Somalier, den sie lange begleitet habe. „Er hat sich von Anfang an sehr gut gemacht, war sehr bemüht, hat Eigeninitiative gezeigt und stand sogar kurz vor seinen Abschlussprüfungen an der Berufsschule.“ Dann erreichte den 20-Jährigen, der ganz allein nach Peine geflohen war, ein Brief. „Er wurde abgeschoben - nach Schweden, wo er einst eingereist war. Dort allerdings erwartete ihn die Abschiebehaft“, schildert Limböck. „Bis heute habe ich nie wieder etwas von ihm gehört.“

Menschen wie diese kommen Woche für Woche in die offene Sprechstunde des Caritasverbandes. Sie bekommen eine Wartenummer und suchen sich in den überfüllten Fluren einen Platz. Wenn sie an der Reihe sind, werden sie von den Caritas-Mitarbeiterinnen mit Kompetenz und viel Geduld beraten - doch die Uhr tickt, denn auf dem Flur des Caritasverbandes wartet schon der nächste ratsuchende Mensch.

2Die offenen Beratungszeiten im Migrationsdienst des Caritasverbandes Peine, Am Amthof 3: Dienstag von 9.30 bis 11.30 Uhr und Donnerstag von 14 bis 17 Uhr.

ju

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