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Bürgerbefragung: Senioren stehen im Fokus

Peine Bürgerbefragung: Senioren stehen im Fokus

 Die Bevölkerung wird immer älter, der demografische Wandel ist in vollem Gange. Das bedeutet auch für die Stadt Peine große Herausforderungen, um das Leben in der Fuhsestadt für ältere Bürger attraktiv zu erhalten.

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Demografischer Wandel: Es gibt immer mehr Senioren in Deutschland.

Quelle: A

Peine. Wie bereits angekündigt, möchte Peines Bürgermeister Michael Kessler (SPD) dafür auch gerade die befragen, die das betrifft: die Peiner Senioren.

Die PAZ sprach mit dem Verwaltungschef über die geplante Bürgerbefragung.

Was ist der Hintergrund der geplanten Befragung?

Von der demografischen Entwicklung ist natürlich auch die Stadt Peine erfasst, das heißt der Anteil der älteren Menschen nimmt beständig zu. Das Durchschnittsalter in Peine beträgt 43 Jahre und ist sogar noch positiv geprägt durch recht viele Kinder aus den Familien mit Migrantengeschichte. Im Gegensatz zu vielen Städten im Osten oder im Harz sind wir allerdings nicht belastet durch Abwanderung - die Stadt Peine hat sogar in 2014 nach rund zehn Jahren Einwohnerverlust erstmalig wieder etwas zugelegt. Trotzdem möchte die Verwaltung dem Problem nähertreten, um herauszufinden, ob für die älteren Einwohner Handlungsbedarf besteht, der durch die Stadt gelöst werden kann.

Wann soll die Befragung durchgeführt werden?

Nach Voruntersuchungen gehe ich davon aus, dass eine Befragung in der zweiten Jahreshälfte erfolgen kann.

An welche Zielgruppe richtet sich die Befragung?

Zu dieser Frage haben wir noch kein abschließendes Urteil. Früher hätte man die Zahl 65 genannt, aber da die Senioren immer agiler werden, kann es sinnvoll sein, eine Befragung erst ab 70 vorzunehmen, da diese Altersgruppe an den „Seniorenproblemen“ näher dran ist. Machen Sie doch einmal eine Umfrage unter Ihren Lesern, wer sich ab welchem Alter zu den Senioren zählt. Ich treffe immer nur Menschen im Rentenalter, die mir sagen: „Ich fühle mich nicht alt!“

Welche einzelnen Punkte könnten beispielsweise abgefragt werden?

Wohnen im Alter - haben wir da die richtigen Angebote? Mobilität und Nahverkehr - können die älteren Menschen sich noch gut genug von A nach B bewegen, wenn sie nicht mehr selbst fahren wollen? Ist ein Nahversorger in erreichbarer Nähe? Stimmt die medizinische Versorgung - sollte das Thema Tele-Medizin angeschoben werden? Auch Bildung im Alter - unser Alltag wird immer mehr durch EDV bestimmt, speziell was Smartphones angeht. Hier muss es eine bessere Schulung für die Senioren geben, damit die nicht den Anschluss verlieren. Und natürlich die Frage nach Problemen, die wir nicht kennen.

Muss die Politik einer solchen Befragung zustimmen beziehungsweise wäre dafür ein Ratsbeschluss erforderlich?

Eine solche Untersuchung gehört zum Geschäft der laufenden Verwaltung - erst wenn sich daraus konkrete Maßnahmen ergeben sollten, muss der Rat eingeschaltet werden.

Gibt es eine ähnliche Befragung aus einer anderen Stadt, die Sie sich zum Vorbild genommen haben?

Einige Städte haben sich unter dem Druck der Verhältnisse bereits auf den Weg gemacht - hier werden wir Erkundigungen einziehen.

Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich durch die Befragung und inwiefern könnte diese in konkrete Projekte münden?

Ich will der Befragung nicht vorgreifen. Aber lassen Sie mich ganz allgemein Folgendes bemerken, was mir am Herzen liegt: der „Stellenwert“ der Älteren in unserer Gesellschaft ist leider nicht hoch. „Alt sein“ löst in unserer Gesellschaft keine positiven Assoziationen aus. „Alt sein“ heißt bei uns: leicht vertrottelt, nicht mehr ganz zurechnungsfähig. Genau aus diesem Grund will keiner alt sein, sondern alle geben sich jung. Viele Ältere sind bunt und flippig angezogen, wogegen nichts zu sagen ist, aber das Motiv ist: „Hauptsache jung“. Jeder Ältere will dynamisch wirken. Der Jugendkult führt zu ständigen optischen „Verjüngungs“-Eingriffen. Botox ist gesellschaftsfähig geworden. Fettabsaugen, Hautstraffungen im Gesicht bis zu maskenhaften Verzerrungen, die den Menschen gar nicht mehr erkennbar werden lassen.

Das ist ein seltsames Erscheinungsbild der modernen Gesellschaft. In anderen Kulturen - früher auch bei uns, bei den hiesigen Migranten übrigens heute noch so - genießen die Älteren eine höhere Anerkennung. Man hatte Respekt vor der Lebenserfahrung und hörte auf den Rat. Der „Ältestenrat“ ist ein Produkt dieser Einstellung. Interessanterweise erkennt mittlerweile die Wirtschaft den Wert erfahrener Mitarbeiter und merkt, dass man viele viel zu früh in Rente geschickt hat und damit Erfahrung en masse „versenkte“. Eine Beschäftigung mit dem Thema „Demografie“ kann also durchaus auch das Ziel haben, den Alten - ich wähle die Bezeichnung bewusst - wieder etwas mehr „Würde“ und eine andere Stellung zu verschaffen. Man kann von ihnen nämlich viel mehr „profitieren“, als wir denken. Ein wenig habe ich den Traum von Patenschaften zwischen Jung und Alt im Hinterkopf - aber das ist noch unausgegoren.

Interview: Michael Lieb

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