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Brüder Sadinam lasen am Silberkamp

Peine Brüder Sadinam lasen am Silberkamp

Peine. Was eine 34-jährige Mutter, die im Iran ihren Berufswunsch Ärztin begraben musste, und ihre Kinder als Asylbewerber mit den deutschen Behörden erlebten, haben sie in dem Buch „Unerwünscht“ aufgeschrieben. Die Zwillingsbrüder Mojtaba und Masoud Sadinam lasen am Donnerstagabend im Gymnasium am Silberkamp nicht nur vor, sondern stellten sich dem Dialog.

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Lesung: Die Zuhörer erfuhren, wie es Asylbewerbern in Deutschland ergehen kann.

Quelle: im

Was die beiden Elfjährigen und ihr kleiner Bruder (9) im Iran der 1980er-Jahre nicht wissen: Ihre Eltern sind Regimekritiker. Es kommt, wie es kommen muss: Die Mutter fliegt 1996 nach einer illegalen Flugblattaktion auf, versteckt sich drei Monate mit den Kindern, bis sie ein Schlepper für 15 000 Dollar nach Deutschland verfrachtet.

„Asyl bedeutet Schutz und ein neues Leben“, hatte die Mutter den drei Jungen auf dem Weg nach Deutschland versprochen. Die Aufzeichnungen der drei Autoren belegen, dass es 16 Jahre dauerte, bis das Gastland dieses Versprechen einlöste. Zuvor „ein Leben wie in einer Kutsche, deren Weg ich nicht kenne, nicht beeinflussen kann und nicht weiß, wohin sie mich bringt“, wie Masoud es beschreibt.

Dabei klingen die jungen Männer, die inzwischen nach Einser-Abituren studieren und promovieren, erstaunlich sachlich und überhaupt nicht bitter. Ganz im Gegenteil.

Einen Hauch von Ironie leisten sie sich gelegentlich in der Beschreibung jener, denen sie ausgeliefert sind: Lehrern beispielsweise und Sachbearbeitern von Ausländerbehörden, deren „Augen so leblos wirken, wie die Plastikpflanze hinter ihnen“. Die Männer erzählen von Hoffnung und quälender Ungewissheit, vom Behörden- und Gerichtsmarathon, von irrwitzigen Widersprüchen, aber auch von Erfolgen: Gegen alle behördlichen Widerstände darf die Mutter eine Ausbildung zur Krankenschwester beginnen.

Dass zum „guten“ Schluss aus Sicht der drei Ich-Erzähler die Geschichte mit der Einbürgerung in Deutschland endet, sei nicht etwa dem Selbstmordversuch der Mutter zuzuschreiben sondern diversen Zufällen, Gesetzesänderungen und den vielen Menschen, auf die sie sich hätten verlassen können.

Das Buch beeindruckt nicht nur aufgrund seinen Inhalts, sondern wegen der eleganten sprachlichen Degenführung der Autoren, die erst vor 16 Jahren begannen, die Sprache ihres „Gast“-Landes zu lernen. Respekt!

uj

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