Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Brandstiftung im Sägewerk: Haupttäter zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt

Lengede-Broistedt Brandstiftung im Sägewerk: Haupttäter zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt

Peine . Zu drei Jahren und sechs Monaten Haft sind gestern zwei der drei Brandstifter (21 und 19) verurteilt worden, die im Dezember am Sägewerk Borchard in Broistedt ein Feuer mit verheerenden Folgen gelegt hatten. Es entstand Schaden in Millionenhöhe. Der dritte Täter (20), der die beiden angestiftet haben soll, kam mit einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung davon. Er muss aber vier Wochen Jugendarrest abbüßen. Alle drei waren Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr.

Voriger Artikel
Unfallflucht: Polizei sucht silberfarbenen VW
Nächster Artikel
Erheiternd und ernst zugleich: „Kalender Girls“ regte zum Nachdenken an

Langeweile, der Adrenalin-Kick und die Möglichkeit, sich endlich bei einem großen Feuerwehr-Einsatz zu bewähren: Das war die Motivation für die jungen Männer aus Groß Ilsede und Lengede, das Sägewerk in Broistedt in Brand zu setzen. Auf Initiative des 20-Jährigen hatten die Angeklagten das Gelände schon Ende Oktober per Fahrrad ausgekundschaftet. Am 11. November stand der 21-Jährige Schmiere, während der 19-Jährige einen ersten Versuch startete, zwei Stapel Paletten mittels Haarspray und Deospray anzuzünden, aber der einsetzende Starkregen löschte die ersten Flammen.

Beim zweiten Versuch am 15. Dezember verschafften sie sich mit einem Bolzenschneider Zutritt zum Firmengelände und übergossen Palettenstapel mit Benzin und legten Grillanzünder hinein. Der Ältere der beiden holte daraufhin das Auto und gab dem anderen per Handy das Signal, das Feuer zu legen. Die Lagerhalle mit Tausenden von Holzpaletten sowie eine weitere Halle und der Holzschuppen eines benachbarten Wohnhauses wurden ein Raub der Flammen.

„Sie haben es billigend in Kauf genommen, dass Menschenleben gefährdet werden“, sagte die Richterin. Denn die Bewohner des Hauses waren anwesend, wie auch die Brandstifter festgestellt hatten. Das Paar hatte damals das Feuer bemerkt, den Notruf abgesetzt und sich in Sicherheit gebracht. Nicht nur das Ehepaar, sonderen auch ihre eigenen Feuerwehrkameraden hätten die drei durch ihre Tat unschätzbaren Gefahren ausgeliefert.

Die Angeklagten hatten schon mehrfach gezündelt. Auch der Brand von 80 Strohballen in Groß Bülten am 8. Oktober 2013 geht auf das Konto des 21-Jährigen und des 19-Jährigen. Während die beiden seit der Festnahme im Dezember 2013 in Untersuchungshaft sitzen, engagiert sich der 20-Jährige in der Jugendwerkstatt der Caritas im Bereich Hauswirtschaft. Er hat einen Ausbildungsplatz als Koch in Aussicht und ist wie auch der 19-Jährige nach Jugendstrafrecht verurteilt worden. Der kann in der JVA Hameln ebenfalls eine Ausbildung absolvieren. Diese Möglichkeit wird auch dem 21-Jährigen in der JVA Hannover gegeben, bei ihm kam das Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung.

hui

Mehr als zehn Millionen Euro Schaden durch den Großbrand

Peine . „Der Brand hätte für das Sägewerk in Broistedt das Aus bedeuten können“, sagte Sven Pietzsch, Geschäftsführer der Hildesheimer Firma Ch. Borchard Holzwerk, zu der auch das Sägewerk in Broistedt gehört. 40 der 137 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Sie und ihre Familien hat der vernichtende Brand besonders getroffen, machte Pietzsch jetzt als Zeuge vor Gericht deutlich – vor allem in Richtung der drei Angeklagten. Die hatten sich nach eigenen Angaben keinerlei Gedanken über die möglichen Konsequenzen ihres Handelns gemacht, wie sie kleinlaut zugaben.

Noch liegt das abschließende Gutachten nicht vor, berichtete Pietzsch. Gleichwohl geben erste Untersuchungsergebnisse annähernd Kenntnis über die Schadenssumme. So schlagen die verbrannten Holzpaletten mit 427.000 Euro zu Buche. Der Wiederaufbauwert der Gebäude beträgt etwa 2,1 Millionen. Nicht enthalten in dieser Summe sind die Beseitigungskosten für den Brandschutt, die wegen der asbesthaltigen Dachplatten mit einer Million Euro extrem hoch ausfallen. Zudem sind Mehrkosten infolge behördlicher Auflagen einzukalkulieren, beispielsweise für eine Löschwasserversorgung, Kosten: 300.000 Euro.

5,1 Millionen fallen für Maschinen und Betriebsausstattung an. Die Betriebsunterbrechungskosten werden mit maximal 1,8 Millionen Euro beziffert. Der Betrieb arbeite derzeit in einer so genannten Notposition mit 15 Mann. „Weil die Polizei die Täter mit Hochdruck sehr schnell ermittelt hat, ist die Versicherung gleich eingesprungen. Anderenfalls säße jetzt nicht ich, sondern ein Insolvenzverwalter hier“, sagte Pietzsch. „Wogegen man sich aber nicht versichern kann, sind weg bleibende Kunden und verlorene Marktanteile. Wenn wir die nicht zurückgewinnen, könnten wir trotz neuer Gebäude und Maschinen in drei Jahren pleite sein.“

Die Angeklagten werden für alles einstehen müssen, so die Staatsanwaltschaft.

hui

  • Dieser Text wurde aktualisiert
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Lesen Sie alles rund um das traditionsreiche Peiner Fest. mehr

Bombendrohnung in der Peiner City
Veranstaltungen

Welche Veranstaltungen und Termine gibt es im Peiner Land? In unserer Datenbank finden Sie alle Infos. mehr

Sudoku

Das Zahlenrätsel Sudoku in verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Kinoprogramm

Jeden Donnerstag neu: alle Filmstarts in Peine und Umgebung