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Blutfusion von lustigen Leuten

„Griechische Lösung“ Blutfusion von lustigen Leuten

„Ich wollte immer schon was schreiben“, plaudert Frauke Sack ganz natürlich und unaufgesetzt drauflos. In ihr, sozusagen einer Lebensabschnitts-Peinerin, reifte das Bestreben, ein Buch zu schreiben. Das liegt nun unter dem Titel „Griechische Lösung“ vor.

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Autorin Frauke Sack mit Buch und Ehemann Dr. Tilmann Sack.

Peine. „Das Land der Griechen mit dem Herzen finden“: Frauke Sack, die lange Jahre in Peine lebte, hat die „Griechische Lösung“ geschrieben. Gemeinsam mit ihrem Mann Dr. Tilmann heckte sie schon Drehbücher in Kladde aus, später beendete sie ihr Berufsleben als Medizinisch-technische Assistentin und Zytologin und verfasste tatsächlich ein Buch.

Die gebürtige Grazerin, Jahrgang 1942, lernte 1981 einen Mann lieben, der ihr Cousin ist: Dr. Tilmann Sack, der Augenarzt. Die Verwandtschaft führte 1984 zur Eheschließung, und das Paar lebte bis 1997 hier in Peine, siedelte dann nach Pöllau/ Steyermark um, wo der Mediziner noch heute praktiziert.

Die Vita seiner Frau verlief großflächig. Sie hatte in Paris gearbeitet und in Quebek, sie spricht fast alle europäischen Sprachen, kultivierte eine multikulturelle Ausdrucksweise. Da ärgerte sie sich darüber, dass sie des Griechischen nicht mächtig war. Um Abhilfe zu schaffen, schrieb sie sich bei Berlitz als Schülerin ein und lernte mit so viel Erfolg, dass sie russische Weltliteratur in der Sprache der Helenen lesen kann.

„Klick!“ hat es gemacht

Dann querte eine junge Griechin den Lebensweg des Paares, die in Deutschland studierte. Man besuchte deren Heimat, und da muss es „klick!“ gemacht haben. Jedenfalls bauten Sacks sich ein Haus auf Euböa. Frauke Sack erzählt das alles mit viel Charme (Graz!) und unverstelltem Humor. Macht nichts, wenn die Österreicher beim Namen Frauke an Eskimos denken. Wichtiger, dass es auf der Welt Leute gibt, „die sind so lustig, da möcht´ i´ a´ Blutfusion von ham“.

Jochen Westendorff

„Das Land der Griechen mit dem Herzen finden“

Per Schablonierung „leichte Kost“ lässt sich ein ganzes Segment Literatur spielend abtun. Dabei ist doch leichte Kost gesünder als schwere.

Die Debüt-Erzählung von Frauke Sack, „Griechische Lösung“, ist gesund und frei von Nebenwirkungen.

„Dieses Buch dient allein zur Unterhaltung“, stellt die Autorin fest und nimmt Tiefschürfern – schwuppdiwupp! – das Werkzeug aus der Hand. Frauke Sack sucht das Land der Griechen weniger mit der Seele als - konkreter - mit dem Herzen. Sie findet es abseits der Touristenströme auf Schotterwegen und in Kneipen, und sie vermag es solcherart amüsant zu beschreiben, weil es ihr um die Menschen geht: die ganz lieben und die ganz gerissenen. Ein Griechenlandbuch, aber kein Sachbuch, mehr ein Sackbuch.

Der Leser lernt Menschen kennen, die ihren Hund Sokrates nennen; das können nicht die Dümmsten sein, und auch der Hund wirkt im Kopf ganz auf Zack, macht der Handlung manchmal Beine und kann sich so bannig freuen, dass sein Autorenfrauchen beobachtet: „Der Hund wedelte mit dem ganzen Körper“. Ist doch deutlich mehr noch, als würde nur der Schwanz mit dem Hund wedeln.

Geschildert wird ein Abenteuerurlaub der unspektakulären Art.

Die Reisende, Familienstand: nur ganz wenig noch verheiratet, bekommt Probleme; aber gegen die gibt es in Griechenland überall einen Griechen. Und wenn nicht, hat sich längst ein internationaler Freundeskreis gebildet, der eine nicht im Stich lässt.
Frauke Sack versteht es, die Landschaft zu beschreiben und alles, was darin kreucht und fleucht. Noch eindringlicher schildert sie die Menschen. Nach wenigen Seiten kennt man die Typen und nimmt sie, wie sie sind, die Wirte und die Widerlinge, die Domestiken und die Dealer, die Muffelköppe und die Mafiosi.

Die Charaktere sind das Schönste an diesem Buch; Tucholsky hätte es ein „Menschenbuch“ und deshalb gut genannt.

Die „Griechische Lösung“, rät die Autorin, sei geschrieben, um die Zeit im Zug zu verkürzen, zum Beispiel zwischen Graz und München. Stimmt auch im übertragenen Sinn: Ich las es in einem Zuge. Las es wie einen Wachtraum. Und ich stimme nach der Lektüre zu: „Unter allen Völkerschaften haben die Griechen den Traum des Lebens am schönsten geträumt.“

Steht übrigens nicht bei Frauke Sack, steht bei Johann Wolfgang von Goethe (Maximen und Reflexionen, 435).

Jochen Westendorff

Frauke Sack, Griechische Lösung, Weishaupt Verlag, ISBN 978-3-7059-0287-9, 14 Euro.

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