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„Autogenes Training kann Stress vorbeugen"

Interview mit Dr. med. Harald Walter „Autogenes Training kann Stress vorbeugen"

Peine. Stress ist zum ständigen Begleiter im Alltag geworden. Allenthalben fühlen sich Menschen überlastet von Informationen, Nachrichten und Aufgaben, was letztlich auch krank macht.

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Gibt seit 25 Jahren Kurse für Autogenes Training: Dr. Harald Walter.

Quelle: Thorsten Pifan

Diagnosen wie „Burn-Out-Syndrom“, „chronisches Erschöpfungs-Syndrom“ oder „Überlastungs-Syndrom“ mehren sich. Dabei lässt sich bereits im Alltag gegensteuern. Die PAZ sprach mit dem ärztlichen Psychotherapeuten Dr. Harald Walter.

Was führt dazu, dass wir uns im Alltag immer mehr gestresst fühlen?
Ganz aktuell sind sicher die Auswirkungen eines unsachgemäßen Gebrauchs digitaler Medien, zum Beispiel mit sozialen Netzwerken - nicht nur bei Jugendlichen. Hinzu kommen Ursachen wie Suchtverhalten, andere Erkrankungen, Konflikt im sozialen Umfeld oder ein gestörtes berufliches Umfeld. Die Liste lässt sich noch weiter fortsetzen.

Wie macht sich der unsachgemäße Umgang mit digitalen Medien bemerkbar?
Digitale Medien suggerieren, dass der Mensch mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen kann. Das kann unser Gehirn aber nicht, dessen müssen wir uns bewusst sein. Wir sind nicht Multitasking fähig. Weil wir aber immer mehr Informationen bekommen und verarbeiten wollen, geraten wir in eine chronische Stress-Situation.

Was ist eigentlich Stress?
Der Körper reagiert auf Belastung und Gefahren mit der Ausschüttung der Hormone Adrenalin und Cortisol. Das ist zunächst sinnvoll, weil Abwehr oder Flucht ermöglicht werden. Wenn aber in der Folge hoher Blutdruck, Erhöhung der Muskelspannung und die verstärkte Bildung von Magensäure aber zum Dauerzustand werden, ist das schädlich.

Da müsste man dann einfach mal abschalten, oder nicht?
In dieser Bemerkung stecken schon drei eklatante Fehler drin: Wer ist „man“? Ich jedenfalls nicht! Und was heißt „müsste“? Der Konjunktiv spricht schon mal für keine große Wahrscheinlichkeit! Und was bedeutet „abschalten“? Wer möchte schon „abgeschaltet“ werden? Ein lebendiger Körper jedenfalls nicht! Umschalten ist das Gebot der Stunde!

Was bedeutet „umschalten“ konkret?
Das bedeutet, unserem Körper beizubringen, im Bedarf von Belastung auf Ruhe und Erholung „umzuschalten“, wofür das Autogene Training wie geschaffen ist. Es ist nämlich ein Irrglaube, dass es möglich ist, in der Meditation oder Entspannung an Nichts zu denken! Das kann unser Gehirn nicht! Die moderne Gehirnforschung hat uns gezeigt, dass unser Gehirn immer „in action“ ist, selbst im Tiefschlaf! Wir benötigen folglich eine Methode, die präventiv als auch im Schadensfall machbar und wirksam ist. Das ist das Autogene Training, das der Nervenarzt Johann Heinrich Schultz in den 1920-ern entwickelt hat.

Was macht das Autogene Training so wirkungsvoll?
Wie der Name schon sagt, ist es eine Macher-Methode: Autogen heißt „Ich mache selbst“. Wichtig dafür ist natürlich, dass der Dozent seinen anfangs eingesetzten fremdsuggestiven Einfluss in Form autosuggestiver Fähigkeit auf die Übenden übergehen lässt.

Sie sagen, das Autogene Training lässt sich auch im Alltag einsetzen. Wie geht das?
Es ist eine diskrete Methode. Wer es gelernt hat, sollte es im Sitzen, Liegen, Stehen auch unbemerkt einsetzen können - wann immer und wo immer sie oder er möchte. Deshalb übe ich das mit meinen Klienten auch stets in Alltagskleidung und im Sitzen. Wer geübt ist, kann das Autogene Training auch in langen Sitzungen oder bei längeren Autofahrten einsetzen, um zu entspannen.

Was ist entscheidend für das Autogene Training?
Effektive Entspannung ohne intensive Beschäftigung mit der Atmung ist nicht möglich. Die ungestörte und freie Atemtechnik spielt beim Autogenen Training eine wichtige Rolle.

Sie haben gesagt, Autogenes Training lässt sich auch präventiv einsetzen.
Das ist richtig. Es kann daher positiven Einfluss auf Herz-Kreislaufprobleme nehmen, es fördert die Verdauungsprozesse, und die abendliche Übung kann Einschlafstörungen beseitigen. In den Kursen geht es entsprechend auch darum, selbstschädigende Angewohnheiten im Alltag aufzudecken, um dadurch eine Selbsttherapie zu erreichen. Ein geübter Leiter kann das Autogene Training in zehn bis zwölf Sitzungen von 60 bis 90 Minuten Dauer vermitteln. Diese Kurse werden mittlerweile von allen Krankenkassen finanziell unterstützt.

Interview: Thorsten PIfan

Zur Person Dr. Harald Walter

Dr. Harald Walter gibt seit 25Jahren Kurse für Autogenes Training und ist seit 20Jahren zugelassen, Weiterbildungen für angehende Psychotherapeuten zu übernehmen. Sein Wissen hat der Mediziner von einem Schüler des Entwicklers des Autogenen Trainings, dem Berliner Nervenarzt Josef Heinrich Schultz.

  • Der nächste Kurs Autogenes Training beginnt am Donnerstag, 14. Januar. Anmeldungen im Physio-Fit unter 05171/ 580358.

pif

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