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Aus dem Trott: Massenphänomen Burnout

Peine Aus dem Trott: Massenphänomen Burnout

Sie fühlen sich leer, hoffnungslos überfordert, gestresst, ausgebrannt. Für solche Gefühle, die der nicht betroffene Zeitgenossen kaum nachvollziehen kann, hat sich seit der Mitte der 70er-Jahre ein Anglizismus eingebürgert, der dennoch verständnisvoll und mitfühlend nicken lässt: Burnout. Der Peiner Psychotherapeut Dr. Harald Walter beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema – und empfiehlt Betroffenen, sich Hilfe zu suchen. 

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Burnout: Gestresste junge Frau an ihrem Arbeitsplatz, links: Der Peiner Psychotherapeut Dr. Harald Walter.

Quelle: oh/cb

Peine. „Ausgebrannt“ fühlt sich der offenbar einst für die Sache brennende Mensch, dem der Arbeitsalltag trotzdem das Nervenkostüm zernagt hat  und der nun unter dem Eindruck der Leblosigkeit, verminderter Leistungsfähigkeit und Erschöpfung leidet. „Modediagnose   Burnout“ titelte dagegen das Deutsche Ärzteblatt im November, einige Experten bezeichnen die Wortschöpfung als „sozial akzeptierte Entschuldigung für ein schlechtes Einteilen der eigenen Kräfte“.

Auch für Dr. Walter ist Burnout „eher ein verbaler Schmuck, mit dem viele sich eher wichtig machen, als wirklich daran zu leiden“. Darüber hinaus sei Burnout keine anerkannte Diagnose, aus der sich ein Behandlungsanspruch auf Kosten der Krankenkasse herleiten lasse.

Ernst zu nehmen seien die Beschwerden allerdings schon. Darum rät der Facharzt allen, die sich leer, hilflos und eben ausgebrannt fühlten, dringend zu ärztlicher Hilfe. Denn hinter dem, was derzeit Burnout genannt werde, könnten sich unterschiedliche Ursachen wie eine verfestigte Depression, eine Angstneurose oder auch lediglich ein lästiges aber behebbares Arbeitsplatzproblem verbergen.

So seien selbst harmlose und nicht krankhafte Ursachen in der Lage, chronische Stresszustände auslösen, die wiederum ernste psychische Erkrankungen verursachen könnten. Jene münden womöglich in psychosomatische Leiden, die sich unbehandelt beispielsweise in Bluthochdruck, Ess- und Magen-Darmstörungen, Herzrhythmusstörungen, Tinnitus oder chronischen Kopfschmerzen auslösen.  Für besonders gefährdet hält Walter alle Berufstätigen mit sozialem Engagement und „Menschen mit besonderem Leistungsanspruch an sich selbst“, die beispielsweise ihre Freizeit lieber mit dienstlichen Belangen füllten, anstatt sich davon zu erholen.

Aber auch die Entfremdung vom Arbeitsprozess oder die durch Arbeitsplatzabbau erforderliche Mehrbelastung der verbliebenen Mitarbeiter führe nach seiner Erfahrung zu vermehrten Krankmeldungen aus psychischen Gründen. „Dazu kommt, dass Vorgesetzte oft mit Menschenführung überfordert seien und die nonverbalen Signale ihrer Mitarbeiter nicht zu deuten wissen.“

Zu „professioneller Hilfe“ rät der Experte Betroffenen, die an sich unklare körperliche Beschwerden, Freudlosigkeit, Unlust oder gar Angst vor der Arbeit feststellen. Auch Familienmitglieder, Kollegen und Vorgesetzte seien zum Eingreifen in der Pflicht.

„Wer sich für gefährdet hält, sollte sofort Arbeit und Freizeit umgestalten, ausreichende Erholungsphasen einplanen und das ‚Nein sagen‘ trainieren.“

uj

Autogenes Training

Für eine ideale Strategie zur Stressbewältigung hält Walter autogenes Training. Hiermit lasse sich sowohl der Entfremdung oder gar Missachtung der eigenen Körpersignale entgegenwirken als auch Vertrauen in die Körperfunktionen vermitteln. „In Kursen, dessen Kosten die Krankenkassen zu einem großen Teil übernehmen, entdecken die Teilnehmer selbstschädigende Angewohnheiten im Tagesrhythmus, Essverhalten oder Affekterleben“, berichtet Walter. Das autogene Training ist eine auf Autosuggestion basierende Entspannungstechnik. Es wurde vom Berliner Psychiater Johannes Heinrich Schultz aus der Hypnose entwickelt. Heute ist das autogene Training eine weit verbreitete und anerkannte Psychotherapiemethode.

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