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Auf den Spuren der Stederdorfer Burg

Peine Auf den Spuren der Stederdorfer Burg

Stederdorf. Der Schulneubau am Südrand des alten Dorfes von Stederdorf wird vom Peiner Archäologen Thomas Budde archäologisch begleitet. Grund ist die vermutete Burgstelle der Herren von Oberg im Bereich des Gemeindehauses „Wallhof“ an der Straße „Am Wehrturm“.

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Aus der Graben- oder Grubenfüllung (Foto oben): Hans-Jürgen Sonnenberg mit einem Teil der Funde des 17. und 18. Jahrhunderts.

„Darauf deutet neben dem Namen Wallhof ein Gewölbekeller unter dem Südostteil des Fachwerkhauses hin“, berichtet Budde, „außerdem die leicht aufgehügelte Lage und die nachweisliche frühere Nutzung als Gerichtshaus der Herren von Oberg, ferner der Flurname Burgkamp‘“.

Der Überlieferung zufolge wurden die „turres lapidae“ (Steintürme) der Herren von Oberg in Stederdorf und Oberg um 1306 nach einer verlorenen Fehde des Bischofs Siegfried III. von Hildesheim, auf dessen Seite sie standen, gegen Herzog Heinrich dem Wunderlichen von Braunschweig-Lüneburg als Sühneleistung abgebrochen - und im Falle Stederdorfs offenbar nicht wieder aufgebaut. Auch ist der anschließende Reihehof Nr. 1, wie der Stederdorfer Heimatforscher Jürgen Sonnenberg berichtet, mit einem Adelshof und Rittergut in Verbindung zu bringen.

Budde: „Es sprechen also triftige Argumente dafür, die Stederdorfer Burgstelle an dieser Stelle zu vermuten.“ Der Gewölbekeller allein sei jedoch nicht beweiskräftig. Er könnte auch aus der frühen Neuzeit stammen, als der Wallhof als Gerichtshaus diente. „Da der Grundschulneubau direkt an das Wallhofgrundstück heranreicht und von den Erdarbeiten teils berührt wird, bestand die Aussicht, den letzten und endgültigen Beweis archäologisch zu führen“, so der Archäologe.

Inzwischen sind die betreffenden Erdarbeiten des Schulneubaus abgeschlossen. Nachdem die Baugruben, abgesehen von einzelnen mittelalterlichen Scherben, nur neuzeitliches und modernes Fundmaterial und Befunde erbrachten, wurde für den Kran-Standort das Erdreich der östlichen Wallhofanschüttung bis knapp sechs Meter vor den Gewölbekeller auf größerer Fläche abgetragen.

Budde berichtet: „Überraschend zeigte sich bei der Untersuchung, dass die Anschüttung im oberen Bereich modern ist und im unteren Bereich mit Funden des 17. bis 19. Jahrhunderts durchsetzt.“ Auch wurde keine Spur eines Burggrabens oder sonstiger Befunde, die mit einer Burg in Verbindung zu bringen wären, festgestellt.

Ein Suchschnitt unter der Straße am Wehrturm, direkt vor dem Wallhof, brachte dann doch noch sehr Interessantes: Im Bereich vor der Grundstücksmauer konnte in 1,20 bis 1,60 Metern Tiefe, wo bereits Grundwasser auftrat, eine mit Sand verfüllte Grube oder Graben entdeckt werden - mit zahlreichen gut erhaltenen Funden aus dem 17. bis 18. Jahrhundert.

Dabei handelt es sich um Fragmente von Haushalts- keramik und Glas des gehobenen Bedarfs, darunter Fragmente von Töpfen, Schalen und Pfannen aus glasierter Irdenware, bemalte Irdenware (Malhornware) und weißen sowie braunen Steinzeugen, darunter ein guterhaltenes Salbtöpfchen.

Zu den Funden gehören auch Putzstücke mit Resten grüner und blauer Freskenmalerei. Budde: „Es scheint nur ein kleiner Teil der verfüllten Senke angeschnitten worden zu sein. Die Fortsetzung liegt unter dem Wallhofgrundstück. Falls hier im frühen 18. Jahrhundert also ein Graben verfüllt worden ist, könnte er tatsächlich zur Burg gehört haben. Der Verdacht ist jedoch vage.“

Im September sollen noch Geländearbeiten auf dem Wallhofgrundstück durchgeführt werden, die doch noch den erwarteten Beweis bringen könnten. Um eine umfangreiche Burganlage kann es sich - so viel ist jetzt schon klar geworden - nicht gehandelt haben, vielleicht aber um ein sogenanntes Turmhaus oder „Festes Haus“. Solche Anlagen werden ebenfalls zu den Burgen gerechnet. Budde sagt: „Die Existenz der Stederdorfer Burg steht freilich nicht in Frage. Wir müssen uns aber fragen, ob sie vielleicht nur kurz bestanden hat.“

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