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Ariosto Müller Alarcón wird 70

Peine Ariosto Müller Alarcón wird 70

Mitte der 1970iger-Jahre schaffte es Ariosto Müller Alarcón, aus den Fängen der Diktatur zu flüchten und landete schließlich nach einer langen Reise in Peine. Am Sonnabend (25.10.) feiert der Chilene 70. Geburtstag.

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Bekannte Peiner: Ariosto und Ursula Müller Alarcón.

Quelle: mgb

Es ist der 11. September 1973, der das Leben von Ariosto Müller Alarcón maßgeblich verändert hat: An diesem Tag erlebte sein Heimatland Chile den blutigen Militärputsch gegen Salvador Allende und seine sozialistische Regierung. Nach dem Tod des Präsidenten kam der Diktator Augusto Pinochet an die Macht und versetzte das Volk ins Angst und Schrecken. Etwa anderthalb Jahre später schafft es Müller Alarcón, der damals als Journalist tätig war, aus den Fängen der Diktatur zu flüchten und landete schließlich nach einer langen Reise in Peine. Heute feiert der Chilene seinen 70. Geburtstag und an seinen Ruhestand will er noch lange nicht denken.

Aufgewachsen ist er mit seinen vier Brüdern in der ärmlichen Kleinstadt Lota, die für den Steinkohle-Abbau bekannt ist. „Mein größter Traum war es, Lehrer zu werden. Ich habe nämlich bereits mit sieben Jahren meinem älteren Bruder Nachhilfe gegeben und später auch meinen Cousinen“, erinnert sich Müller Alarcón.

Nachdem der Chilene schließlich in der etwa 40 Kilometer entfernten Stadt Concepción Pädagogik studiert hatte, arbeitete er als Grundschullehrer. Etwas später entwickelte er eine große Leidenschaft für den Journalismus, schrieb Artikel für die Tageszeitung „El Sur“ und war politisch engagiert. Und das brachte ihn beim Putsch am 11. September in große Gefahr: Nach acht Tagen Ungewissheit, wurde er festgenommen und kam in ein Konzentrationslager, auf der Insel Quiriquina. Dort standen Folter und Zwangsarbeit auf der Tagesordnung. Ziel der Maßnahmen war es, die Gefangenen „zum Reden“ zu bringen und von weiterer oppositioneller Arbeit abzuhalten. Die Methoden reichten von Schlägen, über Scheinhinrichtungen bis hin zu sexueller Gewalt.

„Genau ein Jahr und vier Monate später konnte ich das Konzentrationslager verlassen“, so Müller Alarcón. Allerdings wurden alle seine Schritte geheim überwacht. Der eigentliche Grund für seine Freilassung war, dass die Identität seiner politisch engagierten Bekannten aufgedeckt werden sollte. Glücklicherweise konnte der 70-Jährige aber dank der kirchlichen Organisation „Pro Paz“ unerkannt in die chilenische Hauptstadt Santiago flüchten. Dort tauchte er mit weiteren gesuchten Chilenen unter, dessen Namen er aber aus Sicherheitsgründen nie erfahren durfte. Etwas später ermöglichte ihm die UNO-Flüchtlingsorganisation die Ausreise nach Argentinien. „Bis heute weiß ich noch nicht, wie mir ein gefälschter Reisepass besorgt werden konnte“, erinnert sich der Chilene.

In Argentinien angekommen, war der Chilene zwar in Freiheit, hatte jedoch keine Unterkunft und musste mehrere Monate in U-Bahn-Stationen schlafen, bis er als politisch Verfolgter vom UNHCR (der UNO-Flüchtlingshilfe) registriert wurde. Durch einen glücklichen Zufall erlangte später eine Arbeitsgenehmigung bei den Peiner Stahlwerken. „Den Flug musste ich allerdings selbst bezahlen, weshalb ich mehrere Jobs bei Zeitungen annahm“, so Müller Alarcón. 1975 war dann das Jahr, in dem der Chilene wieder aufatmen konnte: „Als ich schließlich bei den Peiner Stahlwerken anfing, bekam ich von meinen Kollegen viel Unterstützung“, sagt der 70-Jährige. Zu der Zeit lernte er auch seine Frau Ursula kennen, die eine große Stütze für ihn geworden war. Sie heirateten und leben noch heute gemeinsam in Peine. Der 70-Jährige genießt hier großes Ansehen: Nach seiner Pensionierung gibt er weiter Spanisch-Unterricht an verschiedenen Volkshochschulen, leitet ein Übersetzungs-Büro und arbeitet als Übersetzer sowie Dolmetscher. Körperlich fit hält er sich durch seine morgendlichen Schwimmeinheiten im Peiner Hallenbad.

Zurück nach Chile will der 70-Jährige nicht mehr: „Peine ist meine Heimat geworden.“

mgb

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