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Anschläge auf vier Peiner Geschäfte: Fall wird vermutlich niemals aufgeklärt

Peine Anschläge auf vier Peiner Geschäfte: Fall wird vermutlich niemals aufgeklärt

Peine. Verfahren eingestellt: Die Ermittlungen wegen der Anschläge auf vier ausländische Geschäfte in Peine am 21. November 2011 haben zu keinem Ergebnis geführt. Das sagte der zuständige Oberstaatsanwalt Bernd Seemann aus Hildesheim der PAZ.

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Damals: Die Polizei zeigte kurz nach den Anschlägen verstärkt Präsenz in der Peiner Innenstadt.

Quelle: Archiv

„Es konnten keine Täter ermittelt werden, und deswegen haben wir das Verfahren eingestellt“, erklärte Seemann. Auch einen rechtsradikalen Hintergrund der Taten habe nicht nachgewiesen werden können. „Das kann auch ein Streich gewesen sein.“

Das bezweifelt hingegen Geschäftsmann Osman Benzer, bei dessen Reisebüro damals die Scheiben zerstört wurden: „Ich gehe weiterhin von einem rechtsradikalen Hintergrund aus.“ Auch heute beschäftigen ihn die Anschläge noch sehr: „Soll man das runterschlucken und sich keine Gedanken mehr machen? Ich bin vorsichtiger und achtsamer. Ich fühle mich nicht sicherer als kurz nach der Tat.“

Kritik übt Benzer auch am Umgang mit den Opfern durch die Behörden: „Das war eine sehr ernstzunehmende Sache, aber wir wissen überhaupt nicht, was getan wurde. Mit uns hat danach niemand mehr gesprochen.“

Froh ist der Geschäftsmann hingegen über die Solidarität, die zahlreiche Peiner kurz nach den Taten zeigten (siehe Hintergrund). „Das hat gut getan. Viele Menschen haben ihr Mitgefühl ausgesprochen und uns Betroffenen das Gefühl vermittelt, dass wir ein Teil von Peine sind.“

Auch bei Ali Ihsan Yildirim vom Juwelier Dilan sitzt der Schrecken noch immer tief: „Der Gedanke daran wird immer im Hinterkopf bleiben.“ Angst habe er aber nicht - auch aufgrund der Reaktion vieler Peiner nach der Tat: „Die Menschen standen hinter uns, das war gut.“

Trotz der Einstellung des Verfahrens sieht Bürgermeister Michael Kessler (SPD) auch Positives. Mit Blick auf die Demo betont er: „Ganz sicher war das ein großes Zeichen und ein Signal der Solidarität gegenüber den betroffenen Händlern mit Migrationshintergrund mit dem klaren Tenor: Ihr gehört zu uns.“

js

1000 Peiner demonstrierten am 24. November 2011 nach Anschlägen gegen rechte Gewalt

Peine in der Nacht zum 21. November 2011: Ein Stein flog in das Reisebüro Benzer an der Querstraße, so dass das Schaufenster zerbrach. Auch ein Imbiss am Rosenhagen war das Ziel der Randalierer. In der Schützenstraße zerkratzten die Täter die Schaufensterscheiben eines Friseurs und eines Juweliers.

Die Polizei ging damals davon aus, dass die Täter rechtsgerichteter Gesinnung sind. Bei dem Juwelier wurden Hakenkreuze in das Schaufenster geritzt, beim Friseur hatten die Unbekannten antisemitischen Schriftzug in die Scheibe geritzt. Als Folge gab es in Peine eine Welle der Solidarität mit den türkischstämmigen Inhabern der Geschäfte und den Gemeinschaften ausländischer Mitbürger. Bürgermeister Michael Kessler (SPD) hatte damals spontan zu einer Demonstration aufgerufen. Er erwartete etwa 300 Teilnehmer – und war am Ende sehr überrascht: Denn es kamen rund 1000 Peiner, um gegen rechte Gewalt in Peine Flagge zu zeigen. Der stille Marsch vom Rathaus bis zum Rosenhagen verlief friedlich. Die Route führte vorbei an den vier Geschäften, auf die die unbekannten Täter Anschläge verübt hatten.

Mit der Demonstration wolle man in Peine deutlich machen, „dass Nazis, Neonazis und sonstige rechte Kräfte hier nichts verloren haben und dass wir alles dafür tun wollen, die Täter zu fassen“. Kessler hatte eine Belohnung für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, in Höhe von 1000 Euro ausgesetzt.

Die damalige Superintendentin Christa Gerts-Isermeyer sagte: „Wie erheben uns, stimmen gegen Hass und Intoleranz.“

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