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Altes Krankenhausgelände: „Erdkröten werden der Vernichtung preisgegeben“

Peine Altes Krankenhausgelände: „Erdkröten werden der Vernichtung preisgegeben“

Kreis Peine. Schwere Vorwürfe macht der Peiner Biologie-Professor Dr. Hans Oelke dem Landkreis Peine. Die Behörde habe es versäumt, die Größe des Erdkrötenbestands auf dem ehemaligen Krankenhausgelände an der Sundernstraße zu bemessen, bevor dort die Vorbereitungen für das geplante Bauprojekte (acht Häuser mit 96 Wohnungen) getroffen wurden.

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Naturschützer und Biologie-Professor Hans Oelke kritisiert das Vorgehen des Landkreises Peine.

Quelle: oh

Bereits vor einigen Wochen wurden dort mehrere alte Bäume gefällt, was Oelke ebenfalls missfällt. Bezüglich der Erdkröten hatte Oelke kürzlich im Beisein eines Mitglieds des Stadtrates Akteneinsicht beim Umweltamt des Landkreises - und dabei „erhellende Erkenntnisse gewonnen“.

In den Papieren sei festgestellt worden ist, dass der Erdkröten-Lebensraum für immer verloren gehe. Es sei aber nur eine kleine lokale, restliche Teilpopulation betroffen. Oelke weist darauf hin, dass Erdkröten nach dem Bundesnaturschutzgesetz und nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt sind.

Mit einem Art „Taschenspielertrick“ werde im Landkreis Peine der Artenschutz zugunsten finanzieller, wirtschaftlicher Interessen von den eigenen Fachabteilung ausgehebelt. „Die eingesehenen Unterlagen geben keine Auskunft darüber, wie groß der Erdkrötenbestand auf dem alten Krankenhausareal ist. Alle wichtigen biologischen Basisdaten wie Wanderwege, Laichgebiete, Lebensalter, Geschlechtsverteilung, Natalität und Mortalität fehlen“, so Oelke. Es sei durchaus möglich, dass sich im Laufe der Jahrhunderte eigene, spezielle Erdkrötenformen entwickelt haben. Der angepeilte Krötenersatzraum liege kilometerweit weg am Fuhsetalrand bei Eixe und sei biologischer Unsinn.

„Um die Zerstörung des Krötenhabitats perfekt zu machen, sind am Montag mit einem Spezialbagger auf dem ehemaligen Kreiskrankenhausgelände die Stuken der wirr und wahllos im Februar gefällten Altbäume zu einem haushohen Holzhaufen herausgerissen worden“, so Oelke, der auch einen Brief an den niedersächsichen Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) geschrieben hat. Nach Oelkes Ansicht dürfte auf dem Krankenhaus-Areal eigentlich überhaupt nicht gebaut werden. Sollten das Vorhaben wie geplant umgesetzt werden, würde das dortige Erdkröten-Vorkommen „der Vernichtung preisgegeben“.

Und das sagt der Landkreis zu den Vorwürfen: Auf die Kritik von Professor Dr. Hans Oelke am Landkreis Peine (siehe Text oben) räumt dessen Sprecher Henrik Kühn ein: „Der Landlebensraum der Kröten, die bisher das Gelände an der Sundernstraße genutzt haben, wird infolge der Bebauung des Geländes verloren gehen.“ Bei den Kröten handele es sich um eine Teilpopulation einer größeren Erdkrötenpopulation, die im nahegelegenen Naturschutzgebiet, im Bereich des Herzberges und in den Gärten des angrenzenden Wohngebietes lebt.

Genaue Zahlen über Populationsgröße und Populationsstruktur lägen in der Tat nicht vor, räumt Kühn ein. Lediglich die Daten der dortigen Krötenwanderung würden erfasst. Dass eine kleine lokale Restpopulation durch die Baumaßnahme ausstirbt, sei aber nicht zu befürchten, so Kühn.

Die Erdkrötenpopulation im Bereich Stadtrand/Naturschutzgebiet werde zwar einen kleinen Teil ihres Landlebensraumes verlieren, ernsthafte Gefahr für die gesamte Population in diesem Bereich bestehe jedoch nicht, so der Kreis-Sprecher.

Diese Aussage gelte sinngemäß auch für andere Tiere und Pflanzen, die auf dem Gelände vorkommen. Gerade weil die Fläche Anschluss an das Naturschutzgebiet hat, seien die Populationen auf dem Gelände Sundernstraße keine unwiederbringlichen Relikte, sondern Teile größerer Populationen, für die der Verlust eines Teillebensraumes zwar ein negatives Ereignis bringe, aber keine katastrophale Überlebensfrage sei.

Kühn: „Bei der geplanten Baumaßnahme handelt es sich aber in jedem Fall um einen Eingriff in den Naturhaushalt, der auszugleichen ist. Am Ort des Eingriffs ist aus Platzmangel keine entsprechende Maßnahme möglich. Die Ersatzmaßnahme wurde daher im Fuhsetal Richtung Eixe geplant.“

Bei der Bewertung des Eingriffs sei selbstverständlich nach dem Bundesnaturschutzgesetz vorgegangen worden. „Zu berücksichtigen waren hier der Erhaltungszustand der lokalen Population und die Frage, ob die Lebensraumfunktionen im räumlichen Zusammenhang weiterhin erfüllt werden“, so Kühn abschließend.

mic

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