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62 Millionen Euro Verlust: Peiner Träger kämpft ums Überleben

Peine 62 Millionen Euro Verlust: Peiner Träger kämpft ums Überleben

Peine . Bedrohliche Entwicklung bei Peiner Träger: 62Millionen Euro Verlust vor Steuern hat die Peiner Träger Gesellschaft im vergangenen Jahr eingefahren, sagte Heinz Jörg Fuhrmann, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG, gestern bei der Bilanz-Pressekonferenz. Und er fügte mit deutlichen Worten hinzu: "Wir kämpfen am Standort Peine ums Überleben."

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Peiner Träger: Nach Millionen-Verlusten im vergangenen Jahr ist die Lage bedrohlich - Salzgitter-AG-Chef Heinz Jörg Fuhrmann zog gestern Bilanz.

Fuhrmann sprach von der Notwendigkeit einer „Rosskur“, schloss Entlassungen „nach Möglichkeit“ zunächst aber aus. Trotzdem werde es sicherlich eine Reduzierung der Mitarbeiterzahl in Peine geben, sagte er. Hier sind 1100Mitarbeiter und mehrere Hundert Leiharbeiter betroffen. Konkrete Zahlen zum Job-Abbau in Peine sind nach PAZ-Informationen noch nicht bekannt. Allerdings soll Peiner Träger mit dem Arbeitsamt über Kurzarbeit verhandeln (siehe Text unten).

Die Lage ist jedoch ernst: Im zweiten Jahr in Folge lagen die Verluste bei Peiner Träger jenseits der 50-Millionen-Euro-Marke. Konkret werde noch nicht über Werksschließungen nachgedacht, „ich spreche damit aber keine Standortgarantie für ewig aus“, sagte Fuhrmann.

Die Krise verursacht hätten vor allem die anhaltende Stahlflaute und hohe Energiepreise. Um den Konzern nach knapp 100Millionen Euro Verlust in 2012 wieder in die Gewinnzone zu führen, soll das Programm „Salzgitter 2015“ angeschoben werden. „Wir wollen eine neue, schlankere, kundenorientierte AG auf die Beine stellen“, sagte der Vorstandschef. Dass dabei auch 1000Arbeitsplätze im Konzern mit insgesamt 25000Beschäftigten auf der Kippe stehen, wie gemunkelt wird, bestätigte Fuhrmann indes nicht. Näheres zu dem Programm „Salzgitter 2015“ ist nicht bekannt, es soll dem neuen Aufsichtsrat im Juni vorgestellt werden.

Die Stahl-Nachfrage liege europaweit rund ein Viertel unter der des Boomjahres 2007, und die Konkurrenten - vor allem aus der Türkei - drängen selbstbewusst auf den europäischen Markt. Gleichzeitig kritisierte Fuhrmann die hohen Gas-Preise, die zum Beispiel in den USA deutlich niedriger seien. Der österreichische Konkurrent Voestalpine wolle dort deshalb sogar investieren.

Neben dem Standort Peine hat die Salzgitter AG zwei weitere Sorgenkinder: die KHS GmbH (Produktion von Abfüll- und Verpackungsanlagen) und die französische Tochter Salzgitter Mannesmann Precision (Produktion von Präzisionsstahlrohren). Positiv entwickelt haben sich dagegen laut Fuhrmann die Sparten Handel und Dienstleistungen. Für den Konzern geht Fuhrmann 2013 von einem positiven Ergebnis im unteren zweistelligen Millionenbereich aus.

Wegen der aktuell angespannten Lage winkt den Aktionären nur eine Dividende von 0,25Cent je Aktie. Dem Gewinn von 201,6 Millionen im Vorjahr stand 2012 unterm Strich ein Minus von knapp 100Millionen Euro gegenüber. Der Konzernumsatz fiel auf 9,84 (Vorjahr: 10,4) Milliarden Euro.

pif

Udo Meyer: „Wir brauchen konzeptionelle Änderungen“

Peine . Dass die Lage bei der Peiner Träger Gesellschaft sehr ernst ist, sieht auch der Betriebsrat mit Udo Meyer an der Spitze. „Wir brauchen konzeptionelle Änderungen“, sagte er gestern der PAZ. Das betreffe aber nicht nur eine Reduzierung des Personals. Meyer erklärte: „Wir sind auch bereit, unkonventionelle Wege zu gehen.“ Dabei verwies er auf den Vorstoß zur Beschäftigungssicherung in den Jahren 2002 und 2003. Damals hatte die Belegschaft auf die Jahresabschlussvergütung verzichtet. Die Zahlung wurde in Freizeit umgerechnet.

„Wir müssen auch aufpassen, dass wir jetzt in der Krise nicht Fachkräfte entlassen, die uns bei einem Aufschwung dann nicht mehr zur Verfügung stehen, weil sie sich anderweitig orientiert haben“, warnte Meyer. Wege zur Produktivitätssteigerung am Standort Peine seien kurzfristig aber nicht allein durch einen Personalabbau zu erreichen.

Der Betriebsrat kritisiert auch die Organisation im Betrieb und einzelne Arbeitsabläufe. Um an dieser Stelle Umstellungen in die Wege zu leiten, müsse der Konzern auch bereit sein, weitere Investitionen am Standort Peine zu tätigen.

Zuletzt hatte die Salzgitter AG rund 400Millionen in das Peiner Werk gesteckt, um einen zweiten Elektro-Ofen und eine neue Walzstraße in Betrieb zu nehmen. Aktuell soll bei Peiner Träger Kurzarbeit vorbereitet werden, was Meyer nicht kommentieren wollte. Aus gut informierten Kreisen erfuhr die PAZ, dass zurzeit Verhandlungen mit dem Arbeitsamt über Kurzarbeit laufen. Wenn die Verhandlungen positiv verlaufen, könnte die Kurzarbeit zum 1.Mai starten, um die mangelnde Nachfrage zu überbrücken.

pif

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