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50 Jahre nach dem Wunder von Lengede: Würdige Feier mit 400 Gästen

Lengede 50 Jahre nach dem Wunder von Lengede: Würdige Feier mit 400 Gästen

Lengede. Gedenken in Lengede: Vor 50 Jahren gingen die Nachrichten über das Grubenunglück und die Rettung von elf totgeglaubten Verschütteten nach 14 Tagen - das Wunder von Lengede - um die Welt. „Geschichte braucht Erinnerung“, sagte Bürgermeister Hans-Hermann Baas gestern bei der Gedenkfeier vor 400 Zuhörern. Den ökumenischen Gottesdienst hielten Pastorin Elisabeth Rabe-Winnen und Pastor Thomas Mogge, die 29 Rosen für die Toten niederlegten.

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Gedenkfeier und ökumenischer Gottesdienst: 400 Menschen gedachten der Katastrophe und der legendären Rettungsaktion von Lengede.

Quelle: cb

Baas erinnerte an „den bedrohlichen Wettlauf mit der Zeit“ und „an eine der größten und spektakulärsten Rettungsaktionen in der Geschichte des Bergbaus“. Am 24. Oktober 1963 wurden 129 Kumpel durch den eingebrochenen Klärteich 12 unter Tage verschüttet. Die Rettung der Elf aus 60 Metern Tiefe nach 14 Tagen sei das Wunder von Lengede. Aber der Bürgermeister erinnerte auch an die 29 Toten des tragischen Unglücks und verlas mit fester Stimme deren Namen. Und er erwähnte ebenfalls die zwölf Toten der Sprengstoffexplosion von 1968 und deren Namen.

„Warum mussten 29 Bergleute sterben, 29 Familien den Vater und Ehemann verlieren“, fragte Baas. „Warum wurde der Klärteich 12 für Wasser genutzt und so hoch gefüllt? Gab es Fehler in Betriebsabläufen und bei Sicherheitsvorkehrungen? Ausreichende Antworten fehlen noch heute!“

In einer viel beachteten Rede betonte Rainer Slotta, ehemaliger Direktor des Deutschen Bergbaumuseums in Bochum: Das Ereignis trage auf eigenartige Weise „die Züge eines Mythos, eines Mysteriums, eines Wunders“.

Die Rettung der drei Bergleute bei Barbecke sei noch ein technisches Wunder gewesen, führte Slotta aus. Die Rettung der elf Verschütteten sei aber einzigartig und unbegreiflich. Nicht die Technik, sondern die Menschen und deren Leistung und Einsatzbereitschaft seien ausschlaggebend gewesen. Letztlich führte eine Kette von Zufällen, Pannen und Fehlern zum Gelingen. Er sprach vom „Unwahrscheinlichsten in einer ausweglosen Situation“ und zitierte eine Aussage von damals: „Gott hat wohl mitgebohrt.“

An der Feier nahmen auch Gerhard Hanusch und Adolf Herbst, zwei der Überlebende des Unglücks, teil. „Wir sind nicht mehr viele“, sagte Hanusch. Das Andenken müsse erhalten bleiben. „Ich empfinde 50 Jahre Dankbarkeit, 50 Jahre Leben“, erklärte Herbst. Die Erinnerung an die Geschehnisse von damals sei wichtig und müsse am Leben erhalten werden. „Und die Ursache muss geklärt werden“, betonte Herbst.

jti

Einhelliges Urteil: „Die Gedenkfeier war sehr angemessen und schön“

Lengede. Es war eine angemessene und gute Gedenkfeier für den 50. Jahrestag des Grubenunglücks von Lengede. 29 Kumpel starben damals und elf totgeglaubte Verschüttete konnten nach 14 Tagen auf wundersame Weise gerettet werden. Passend zu diesem würdigen Anlass zeigte sich an der Gedenkstätte auch der Herbst von seiner goldenen Seite.

„Die Feier hat mir sehr gut gefallen“, sagte Erika Zimmermann aus Salzgitter. Durch das Unglück hat die heute 80-Jährige ihren Mann kennengelernt. „Ich lebte damals in Hannover, war aber in Salzgitter zu Besuch. Er hatte den einzigen Fernseher und ließ mich mitgucken, so fanden wir zueinander.“

Landrat Franz Einhaus (SPD) fand die Gedenkfeier sehr angemessen. „Es war ein sehr einschneidendes Ereignis in der Gemeinde. Die Ambivalenz von Freude und Unglück in diesen Rahmen zu bekommen, das wurde hier sehr gut geschafft.“

„Angemessen und schön“, sagte Ortschronist Werner Cleve. „Es war gut und sehr ergreifend“, sagte der frühere Lengeder Ordnungs- und Sozialamtsleiter Wilhelm Meier zu Tränen gerührt.

Die Vertreter der Bergmannsvereine aus Lengede, Broistedt, Woltwiesche, Barbecke, Vallstedt und Salzgitter waren auch von der Rede vom ehemaligen Direktor des Deutschen Bergbaumuseums in Bochum, Rainer Slotta, angetan. „Er hat uns aus der Seele gesprochen und gut verdeutlicht, dass den Bergleuten ihr Glaube sehr wichtig ist“, sagte Bernd Jeschor, Vorsitzender des Vallstedter Bergmannsvereins. An der Feier nahmen auch Vorstandsmitglieder der Vereinigung der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine Niedersachsen teil.

Die neue CDU-Bundestagsabgeordnete Ingrid Pahlmann (Peine-Gifhorn) war ebenfalls gekommen. „Ein toller Tag und eine sehr schöne Feier.“ Ihr Nachbar sei übrigens Zeitzeuge, verriet Pahlmann. Er arbeitete damals bei einer Bohrfirma und war an den Rettungsarbeiten beteiligt.

„Wunderbar, festlich und sehr schön“, lautete das Urteil von Kurt Schönfeld. Der frühere Vermessungsobersteiger ist direkter Zeitzeuge von den Ereignissen im Jahr 1963. Er hatte den Grubenplan gezeichnet, der Bergleuten das Leben rettete.

Der Lengeder Bürgermeister Hans-Hermann Baas freute sich, dass alles so gut geklappt hat und über ein volles Bürgerhaus. „Die meisten sind noch hierhergekommen, um nach 50 Jahren gemeinsame Erinnerungen auszutauschen.“

jti

  • Das PAZ-Sonderheft zum 50.Jahrestag des Unglücks erscheint am heutigen Freitag. Es kostet 3,50 Euro und ist in der PAZ-Geschäftsstelle, im Servicebüro im Lengeder Rathaus sowie bei zahlreichen Zeitungshändlern im Peiner Land erhältlich. In dem Heft wird die Historie des Unglücks beleuchtet.
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